Neidlingen. Ab auf die Streuobstwiese? Mit der Hand Obst auflesen, das findet wohl kaum ein Jugendlicher so richtig „cool“. Kommt eine pfiffige Obstauflesemaschine ins Spiel, sieht das gleich ganz anders aus. Dies ist die erfreuliche Erfahrung des Neidlinger OGV, der sich deshalb Hoffnungen für die Nachwuchsförderung macht. Rund 22 000 Euro hat der Verein in die Obstauflesemaschine investiert, die dank Allradantrieb bestens mit den Neidlinger Hanglagen klarkommt. Sie besitzt zudem eine Straßenzulassung und erreicht 15 Kilometer pro Stunde. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Obstauflesemaschine pro Stunde bis zu zwei Tonnen Äpfel aufliest. In diesem Jahr war es allerdings etwas weniger, fiel die Neidlinger Streuobsternte doch diesmal unterdurchschnittlich aus.
Die Maschine liest nicht nur schnell auf, sondern zudem ziemlich sauber, denn mithilfe von rotierenden Bürsten entfernt sie während des Hochtransports Laub und Schmutz. Der große Sammelbehälter lässt sich hydraulisch anheben und zum Umfüllen kippen. „Ohne Zuschuss hätten wir uns das nicht leisten können“, sagte Karl Burkhardt bei der Vorführung der Maschine. Die Unterstützung durch das Plenum-Programm lag bei rund 8 000 Euro. Die OGV-Mitglieder zahlen für eine halbtägige Ausleihe überschaubare 30 Euro, für eine Stunde 7,50 Euro, jeweils zuzüglich Diesel.
Für die anderen beiden Neuanschaffungen haben sich die Brenner Karl Burkhardt, Björn Epple und Kurt Hepperle zusammengetan. Ihre neue Passiermaschine ist eine Art XXL-Version der „Flotten Lotte“. Sie entfernt bei Steinobst die Kerne oder bei Äpfeln und Birnen Stiel und Kernhaus. Für die diversen Obstsorten gibt es drei Siebe mit verschiedenen Lochgrößen. Durch das Entfernen der Kerne und anderer unerwünschter Teile steigt die Qualität des Brandes, weil dadurch unter anderem Bitterstoffe verschwinden. Der besseren Qualität dient auch die Entstielmaschine, die Kirschen zudem von Laub befreit und wäscht. Beide Maschinen sind aus Edelstahl und sehr dauerhaft konstruiert, die Entstielmaschine ist eine schweizerische Produktion. Beide Maschinen zusammen haben rund 17 000 Euro gekostet, 35 Prozent davon gab es aus Plenum-Mitteln.
Die Plenum-Förderung gilt nur noch bis Ende März 2013, dann ist der siebenjährige Förderzeitraum vorbei. Der Fördertopf des Biosphärengebiets besteht jedoch weiter. Im Landkreis Reutlingen und in den Gemeinden des Biosphärengebiets seien durch Plenum bisher 103 Streuobstwiesenprojekte gefördert worden, sagte Ulrich Schroefel, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Landkreis Reutlingen. Diese Projekte erhielten 930 000 Euro an Fördergeldern und investierten insgesamt 2,36 Millionen Euro. Insgesamt seien über 500 Projekte mitfinanziert worden.
Matthias Berg, Erster Landesbeamte des Landkreises Esslingen, ermunterte dazu, „die Kulturlandschaft in Wert zu setzen und höhere Qualität zu besseren Preisen zu vermarkten“. Dann mache die Arbeit auch wieder mehr Spaß. Bergs Vorbild ist das österreichische Mostviertel, in diesem genieße der Most den gleichen Stellenwert wie Wein. Berg hofft auf Nachahmer der drei Neidlinger Obstbrenner, deren Zusammenarbeit er sehr begrüßt. „Die Kollegen werden das zwei Jahre lang beobachten und es dann auch wollen“, ist er überzeugt. Wenn im Jahr 2017 das Branntweinmonopol falle, müssten die Brennereien mit ihrer Qualität bestehen.
Die drei Obstbrenner freuen sich über ihre neuen Möglichkeiten. Doch sie wissen auch, dass sie es mit der Reinheit ihrer Maische nicht übertreiben dürfen. Ginge doch sonst etwa dem Kirschwasser das gewisse Mandelaroma verloren. Was an Bestandteilen drin bleibt und was nicht, das können sie nun genau steuern.
