Viele Köche verderben den Brei – so sagt man zumindest. Im Fall des Neubaus der Kindertagesstätte in der Ötlinger Halde jedoch scheint gerade das das Geheimrezept für diesen besonderen „Brei“ für die ganz Kleinen zu sein.
Alexandra Boger
Kirchheim. Ein Baukreis aus ehrenamtlich arbeitenden Eltern, Architekten mit einem Herz für Kinder, eine Stadtverwaltung, die keine Steine in den Weg legt, sondern damit den Weg ebnet, sowie insgesamt rund 20 Firmen schafften gemeinsam Hand in Hand von der ersten Idee etwa 2009 bis heute. Am vergangenen Samstag war die offizielle Einweihung des Neubaus der Waldorf-Kindertagesstätte.
Wie es zu einer richtigen Taufe gehört: Wasser. Nach den nahezu schon sommerlichen Tagen der letzten Wochen regnete es passend zum Tag der Einweihung des neuen Gebäudes für die kleinsten Waldorfkinder. Gregor Haidlinger, Mitglied im Baukreis der Waldorf-Kindertagestätte, führte durch das Programm und ließ beim Blick auf die Regentropfen eine gewisse Ironie durchblicken. So begleitete der Regen das Bauvorhaben an einigen wichtigen Punkten. Schon bei der Grundsteinlegung meinte es Petrus sehr gut mit dem Bauvorhaben: „Regenschirme waren sinnlos, es regnete überall durch“, erinnert sich das Baukreismitglied „was meinen Sie, wie schwer es war, es heute extra regnen zu lassen?“
Und das Wetter machte den „Häuslebauern“ in der Halde mehrmals kleine Striche durch die Rechnung. Statt wie geplant im Mai/Juni 2013 wurde das neue Gebäude genau zu Schuljahresbeginn im September 2013/14 in Betrieb genommen.
Die bauplanerische Arbeit stellt für einen Architekten eine besondere Herausforderung dar, wenn es um das Bauen für Kinder geht. Der Kreativität und der freien Gestaltung stehen eine Menge an Richtlinien, Gesetzen und DIN-Normen gegenüber. Karl-Albrecht Einselen vom Architektur-Büro KLE in Kirchheim hatte vor der Einweihung nochmals in alten Teckboten-Artikeln geschmökert, wo 1995 über den Kindergarten berichtet wurde: „…ein Schmetterling zur Sonne geöffnet...“. Betrachtet man den Baumassenplan, der den Gebäudegrundriss im Zusammenspiel mit der Umgebung zeigt, könnte man den Eindruck bekommen, neben dem Schmetterling habe sich eine kleine Larve niedergelassen. Zwar ganz unschwäbisch – ohne Keller – dafür aber mit drei Geschossen, wobei das oberste einen Mehrzweckraum beherbergt, baute der Architekt wegen der begrenzten Grundfläche in die Höhe. Einselen bewertete die konstruktive Zusammenarbeit von Nutzer, Vorstand, Baukreis und Architekt als positiv: „Gut für die Qualität des Gebäudes und die Nachhaltigkeit und das Wichtigste – gut für die Kinder.“
Und diese Zusammenarbeit wurde in ihrer Konsensfindung und Demokratie in den nahezu 2000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit des Baukreises noch bis ins Optimum gesteigert: „Bei uns galt nicht die Mehrheit, nur der 100-prozentige Konsens. Und der wurde nur einmal über eine Abstimmung nötig, als es um die Entscheidung zwischen drei verschiedenen Weißtönen für die Fliesen ging“, berichtete Gregor Haidlinger.
Auch Marie-Luise Compani, Vorstandsmitglied in der Vereinigung der Waldorf-Kindertagesstätten Baden-Württemberg, lobte das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement der Eltern und hob die Zweideutigkeit dieser neuen Räume hervor. So ginge es nicht nur um den geschaffenen physischen Raum, sondern auch um den Raum, der den Kindern damit zum Lernen, Wachsen und Entfalten gegeben wurde. Nicht zu vergessen, zum Spielen, denn Marie-Luise Compani weiß: „Das Ernsteste, was Kinder betreiben, ist das Spielen“ und die passenden Geschenke dazu gab es für jede Gruppe ebenfalls.
Rückblickend, mit einem großen Stück Käse in der Hand, beschrieb Gregor Haidlinger die weniger kreative, planerische, tätige, sondern eher bürokratisch-finanzielle Seite des Neubaus. So stellte der Baukreis seine Pläne vor der Entscheidung im Gemeinderat zunächst auf jeder Fraktionssitzung vor. Die letzte „Klinke, die dabei geputzt wurde“, war die des Kirchheimer Rathauses. Während die lange Tagesordnung der Fraktionssitzung abgearbeitet wurde, bot Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den Wartenden das Käsebuffet, das von einer vorigen Veranstaltung noch aufgebaut war, an. Als Symbol für diesen bürokratischen Weg, der in einer einstimmigen Annahme der Bezuschussung durch den Gemeinderat endete, übergab Gregor Haidlinger den Käse an Bürgermeister Günter Riemer.
Günter Riemer betonte die zeitliche Punktlandung der Fertigstellung. Den Gedanken der Nachhaltigkeit, der sich in der Einbindung von regionalen und lokalen Produkten und Unternehmen im Bau der KiTa sowie im Kindergarten-Alltag zeigt, in Bezugnahme auf die Umsetzung der anthroposophischen Werte fasste Kirchheims Bürgermeister mit einem Zitat von Rudolf Steiner zusammen: „Heitere Mienen der Erzieher und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe. Solche Liebe, welche die physische Umgebung warm durchströmt, brütet im wahren Sinne des Wortes die Formen physischer Organe aus“. So kam er auch zum Schluss: „Wenn ich Kind wäre, würde ich mich hier wohl fühlen.“
Die Veranstaltung im obersten Stockwerk des Neubaus begleitete das Waldorfschulorchester unter der Leitung von Stefan Riepe musikalisch. Zum Abschluss wurde gemeinsam von allen der Kanon „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder“ gesungen. Und in dieser Hoffnung machten sich die Besucher auf durch den Regen, um im benachbarten Kindergarten eines von rund 1 000 Stück von Elternhand gebackenen Stück Kuchen zu essen, in den Arbeitskreisen der KiTa selbst Gehäkeltes auf dem Basar zu erstehen. Die Kleinen konnten den Veilchenweg auf einem Pony erkunden und die Großen die neuen Räume.
