Kirchheim. Zum Auftakt der Einweihung vermittelten Schüler Einblicke in die verschiedensten Sportarten. Gerne folgten die Anwesenden der Aufforderung von Schülersprecherin Vanessa Bruna zum Mitmachen. Gemeinsam reckte und streckte sich die Zuhörerschaft, hüpfte mal rechts, mal links, ging in die Knie und auf die Zehen. So erreichte die Halle gleich am ersten Tag eines ihrer erklärten Ziele: die Gesellschaft in Bewegung zu bringen.
Von einem „Freudentag“ für Kirchheim sprach Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, könne doch mit der Raunersporthalle ein Juwel eröffnet werden, auf den auch der politische Bauherr stolz sein dürfe. Kurz ließ die Stadtchefin die Entwicklung der Halle Revue passieren, an deren Anfang im Jahr 2003 die Einstellung einer Planungsrate in Höhe von 100 000 Euro stand. Nicht zuletzt durch das Landeskinderturnfest erhielt das Projekt Rückenwind. Der entscheidende Durchbruch kam mit der Bereitschaft des VfL, mithilfe von 140 000 Euro die Bewegungslandschaft zu ermöglichen. Sie genießt im ganzen Land den Status des Besonderen. Matt-Heidecker betonte, dass es sich bei der Raunersporthalle auch um ein Vorzeigeprojekt für das Miteinander von Verein und Stadt handle. „Wir sind eine Sport- und Bildungsstadt“, bilanzierte sie zufrieden.
Sogar der Kämmerer dürfte Grund zur Freude haben: 640 000 Euro schießt das Land Baden-Württemberg zu, und mit Gesamtkosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro wurde das Projekt 500 000 Euro günstiger als geplant. „Das ist eine Spitzenleistung“, meinte Angelika Matt-Heidecker mit Blick auf die Kirchheimer Architekten Sylvia und Willy Raichle, deren Handschrift das Bauwerk trägt.
Willy Raichle passte sich in seiner Wortwahl der Funktionalität und Schnörkellosigkeit der Halle an: „Die Sporthalle Raunerschule ist fertig“, lautete seine Kernaussage. Während ihrer Entstehung sei „Low budget“ das meist gehörte Wort gewesen. „Wir haben uns dieser Aufgabe gestellt“, meinte Raichle. Er unterstrich die Funktionalität der hellen Halle. Durch die Fenster fällt das Licht so gleichmäßig ein, dass tagsüber komplett auf Zusatzbeleuchtung verzichtet werden kann. Außerdem kann Frischluft auf natürlichem Wege ins Innere gelangen, und Sportler und Zuschauer können sich am Anblick grüner Baumkronen erfreuen. Die Bauzeit betrug gerade mal eineinhalb Jahre. Besonders stolz zeigte sich der Architekt über die Tatsache, dass der Terminplan trotz zweier harter Winter eingehalten werden konnte.
Dies erfreut auch Schulleiter Gerhard Klinger, der frank und frei einräumte, nicht daran geglaubt zu haben, schon zu Ostern 2011 die neue Halle nutzen zu können. Gemeinsam mit seinem Kollegium hat er allerdings wahrlich lange genug gewartet. Als er vor 15 Jahren erstmals an die Schule kam, um sich als Leiter zu bewerben, sei ihm der Zustand der alten Halle schon unhaltbar vorgekommen, erinnerte er sich. „Wir leben in einer Welt, in der die Bewegungsarmut zunimmt“, beschrieb Klinger die wachsende Notwendigkeit, Kinder zum Sport zu animieren. Nach jeder Sportstunde spüre man als Lehrer, dass die Kinder zufriedener, ausgeglichener seien.
Zufriedenheit schafft sportliche Betätigung bis ins hohe Alter. Deshalb ist auch der VfL als Geldgeber froh, die neue Sportstätte intensiv nutzen zu können. „Hier kann Schul-, Breiten- und Wettkampfsport betrieben werden“, freute sich VfL-Geschäftsstellenleiterin und Trainerin Michaela Pohl. Während ihrer Worte hangelten, kletterten, hüpften und balancierten im Hintergrund zahlreiche Nachwuchssportler nach Herzenslust. „Sie sehen, hier wird Koordination und Konzentration gefordert“, betonte Pohl. Der VfL verlieh ihren Worten Nachdruck, indem die Nachwuchssportler mit hochkarätigen Darbietungen glänzten.
Wolfgang Sahm, Leiter der VfL-Abteilung Turnen, beschrieb kurz die Highlights der Bewegungslandschaft. Dazu zählen eine hundert Quadratmeter große Schnitzelgruppe mit Turn- und Klettergeräten, ein Trampolin im Boden, Sprungmöglichkeiten in die Grube, diverse Actionelemente mit variantenreichen Anwendungen und eine Boulderwand zum Klettern. Dies alles stelle das „Handwerkszeug“ der Sportler dar. „Die Barmittel der Turnabteilung sind längst aufgebraucht“, deutete Sahm an, dass das Projekt durchaus einen Kraftakt bedeutet hatte. In Verhandlungen mit den Schulen habe man sich nun zu einem Nutzungsplan geeinigt. Wundern wird‘s kaum jemanden: Die Halle ist so gut wie rund um die Uhr belegt.
Für den Elternbeirat ergriff Regina Müller-Walzok das Wort. Sie betonte, dass auch der neue Ganztagsbereich vom erweiterten Bewegungsangebot der Schule gewaltig profitieren werde. Gerade in Zeiten, in denen Kinder viele Stunden vor dem Computer oder dem Fernseher sitzen, sei es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Die Halle bezeichnete sie als „runde Sache“ und überreichte dem Rektor symbolisch einen ebenso runden Ball, verbunden mit dem Wunsch auf „bewegte Zeiten“.
Mit sportlichen und musikalischen Darbietungen rundeten die Schüler der Raunerschule das Programm ab. Zum Abschluss überreichte Architekt Willy Raichle symbolisch den Schlüssel an die Oberbürgermeisterin und den Schulleiter. In Hightech-Zeiten sieht dieser Schlüssel wenig spektakulär aus. Aus diesem Grund hatten ihn die Architekten an einen überdimensionalen Schlüsselanhänger gebunden. Der zeigte passenderweise einen Turnschuh.
