Adrian Henrich erklärt Gleichaltrigen, warum Alkohol am Steuer gar nicht cool ist
Einer muss nüchtern bleiben

Weilheim. „Die Pause ist jetzt vorbei!“, sagt Adrian Henrich bestimmt. Er ist einer der „Peers“ im Projekt „Jung, mobil und KLAR“, das seit 2004 in den Landkreisen Esslingen und Göppingen Jugendliche über die Problematik von Alkohol und


Drogen im Straßenverkehr aufklären will. Sie gehen dazu normalerweise zu zweit in Fahrschulen und präsentieren den Fahrschülern einen multimedialen Vortrag zum Thema. „Peers“, also ungefähr Gleichaltrige, werden eingesetzt, um mit den zukünftigen Teilnehmern am Straßenverkehr auf Augenhöhe diskutieren zu können.

Adrian ist heute allein unterwegs, weil sein Partner Selim Fink kurzfristig krank geworden ist. In der Fahrschule Kübel in Weilheim steht der Student nun vor 17 Jugendlichen, denen er vermitteln soll, dass Alkohol und Drogen im Straßenverkehr schlimme Folgen haben können. „Das soll nicht so laufen, dass ich hier vorne steh‘ und sag‘: Das ist böse, lasst das!“, erklärt er den Fahrschülern gleich am Anfang. Zunächst einmal will er sehen, was sie selbst schon über Alkohol und Drogen im Straßenverkehr wissen. Dazu dient sein „Ampelspiel“. Er legt Papierbögen in Rot, Gelb und Grün an verschiedene Stellen im Raum und stellt Fragen.

Die erste Frage lautet: Ist man nach zwei Bier noch fahrtauglich? Die drei Farben stehen für die drei Antwortmöglichkeiten, die da wären „Ja“, „Nein“ und „vielleicht“ beziehungsweise „situationsabhängig“. Jeder soll zu dem Papierbogen mit der Farbe gehen, die seine Antwort darstellt. Bei der ersten Frage ist bereits klar erkennbar: Die Meinungen, ob man nach zwei Bier noch fahrtauglich ist, gehen auseinander. Und auch bei den nächsten Fragen sind sich die Fahrschüler nie komplett einig.

Adrian merkt schnell: In dieser Fahrschulklasse gibt es keine Abstinenzler, alle kennen sich mit Alkohol aus. Dann beginnt er mit seinem Vortrag. „Wusstet ihr, dass man eine gewisse Rot-Schwäche hat, wenn man unter Alkohol oder Drogen steht?“, fragt er. Wenn man angetrunken durch ein Rotlichtviertel fahre, könne man also leicht einmal eine rote Ampel übersehen. Anscheinend wusste es keiner, denn als Adrian nach den Auswirkungen von Alkohol gefragt hatte, waren nur Dinge wie Gleichgewichtsbeeinträchtigung und Kontrollverlust genannt worden. Die Unfallgefahr bei einem alkoholisierten Fahrer ist allerdings nur ein Faktor. Was für Kosten auf jemanden zukommen können, der mit zu viel Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt wird, zeigt der Student mit einer eindrucksvollen Rechnung: Das Minimum sind 2 010 Euro, gerechnet werden sollte aber mit sehr viel mehr. Schülern oder Studenten ist es im Normalfall nicht möglich, schuldenfrei aus einer solchen Situation he­rauszukommen. Doch nicht nur Zahlen und Fakten finden sich in seinem Vortrag, sondern auch einige Anekdoten aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis, die zeigen, dass dieses Thema jeden betrifft.

Doch wie kann man nun ein paar Bier auf der Party oder einen Sekt am Geburtstag trinken und trotzdem sicher und ohne Führerscheinverlust heimkommen? Dafür sucht Adrian Henrich gemeinsam mit den Fahrschülern eine Lösung. „Drink and come home“, also Trinken und heimkommen, lautet das Motto. Nach fünf Minuten gemeinsamen Nachdenkens ist die ganze Tafel vollgeschrieben mit zahlreichen Ideen, die von öffentlichen Verkehrsmitteln über den nüchternen Kumpel bis zum Fahrrad reichen. Das Wichtige bei allen ist: Es muss vorher abgesprochen werden, wie man heimkommt, damit der nüchterne Kumpel auch weiß, dass er nüchtern bleiben muss. „Vielleicht hat der eine oder andere ja eine Anregung zum Nachdenken bekommen“, meint der Fahrlehrer Klaus Eberhardt, nachdem Adrian seinen wohlverdienten Applaus bekommen hat.

Dass es nicht Adrians erster Peer-Einsatz war, hat man während des Vortrags gemerkt. Er wirkt routiniert und sehr kompetent. Seine Multimedia-Präsentation mit Bildern und Filmen haben sein Partner und er nach dem Ausbildungs-Wochenende selbst erstellt. Auch bei den Fahrschülern kommen die beiden gut an. Auf den Evaluationszetteln, die nach dem Vortrag ausgefüllt werden, wird kaum einmal etwas bemängelt und die Schüler machen im Normalfall gut mit. Selten gebe es „Störenfriede“. Für die Einsätze bekommen die Peers die Fahrtkosten erstattet und 20 Euro. Außerdem mache es Spaß, meint Adrian.