Kirchheim. Den Kriminal-Tango kennt man. Aber Krimi und Jazz, das gibt es nur bei Boogaloo. Zusammen mit Sprecher, Schauspieler, Sänger und Entertainer Jo Jung machte die
Nicole Mohn
Stuttgarter Band den Samstagabend auf Einladung des Kulturkreises Ötlingen zum mordsmäßigen Vergnügen, und das evangelische Gemeindehaus Ötlingen zum Tatort.
Seit rund zehn Jahren sind Ruth Sabadino und ihre Jungs nun schon als kriminellste Jazz-Combo Deutschlands unterwegs. „Eine echte Marktlücke“, sagt die Frontfrau, die das Saxophon ebenso beherrscht wie das verruchte Timbre einer Barsängerin. Im sexy Schwarzen mit Glitzerhauch und Stiefeln gibt sie die Gangsterbraut. Ehemann Christoph bedient die Drums; Martin Johnson zaubert an der Hammond-Orgel den passenden Sixties-Sound dazu.
Seit ein paar Jahren gehört auch Jo Jung zu der musikalisch-kriminellen Vereinigung. Er ist „der Detektiv“, und das mit Leib und Seele. „Ich wollt
Weniger blutrünstig als vielmehr hintersinnig
schon immer gern Hauptkommissar werden“, schmunzelt er. Nur gut, dass er diesem Wunsch nicht nachgegeben hat. Anderenfalls wäre nicht nur dem Publikum im Ötlinger Gemeindezentrum etwas entgangen. Denn Jo Jung beherrscht seine Stimme mit einer Virtuosität, die ihres Gleichen sucht. Mal eiskalter Mafioso, mal betulicher Schwabe, mal Badenser, mal heroischer Dackel – der viel gebuchte Sprecher (unter anderem bei der Sendung Eisenbahnromantik regelmäßig zu hören) schaltet mühelos zwischen Charakteren um. Ein Fünf-Personen-Stück macht Jung locker als One-Man-Show.
Weniger blutrünstig als hintersinnig und humorig sind die Fälle, die „der Detektiv“ im Laufe des Abends aufklärt. Von der Nachtschwester, die den Hypochonder mit List und Tücke und ein paar „Bastelarbeiten“ in den Herztod treibt bis hin zur Macho-Stubenfliege auf Rachefeldzug lässt Jung auf der kleinen Bühne lebendig werden, hechelt als wackerer Dackel Einbrechern hinterher und lässt schwäbische Versicherungschefs einen Mordkomplott planen, das freilich nach hinten losgeht. Dabei spielt Jung lässig mit Klischees und durchkreuzt die Erwartungen.
Dazu liefern Ruth Sabadino und ihre Jungs den passenden Soundtrack. Heruntergebrochen auf Saxophon, Hammondorgel und Drums verleiht Boogaloo bekannten Titelmelodien wie aus „Stahlnetz“ ganz
Hervorragende Jazzer mit einem Schuss Soul im Blut
neue, spannende Facetten, strahlen Oldies aus den Sixties und Seventies in den elegant und funkelnden Flows des variantenreichen Tenorsaxophons der Frontfrau in neuem Glanz. Ihre beiden männlichen Kompagnons reihen sich ein in die musikalische Neuerfindung, brillieren in eingestreuten Soli als hervorragende Jazzer mit einem guten Schuss Soul im Blut.
Hier und da lässt auch Jung sich mitreißen von den swingenden, groovenden Songs, die in die Beine fahren. Dann mischt sich sein rauer Bariton, der an Bill Ramsey gemahnt, mit der lasziven Stimme von Ruth Sabadino wie bei „Jack the Ripper“, zu dem der blonde Vamp gleich auch noch das Publikum einspannt.
Das Ötlinger Publikum war sich zum Schluss jedenfalls einig: Von dieser Art Krimi darf es gerne eine Fortsetzung geben. Passend zur bevorstehenden Weihnachtszeit ist übrigens auch schon etwas in Planung: Unter dem vielversprechenden Titel „Christmas Crime Stories“ sind Boogaloo und Jung demnächst wieder auf Tour. Zum Beispiel am 16. Dezember bei den „Galgenstricken“ in Esslingen.
