Schlierbach. Bereits in der Gemeinderatssitzung Anfang Mai hatte das Ausschreibungsergebnis für das Gewerk Fenster- und Verglasungsarbeiten in Kombination mit Schreinerarbeiten für lange Gesichter im Ratsrund gesorgt. Statt mit rund 313 000 Euro wie in der Kostenberechnung durch das Architekturbüro veranschlagt, lag das beste Gebot bei etwas über 445 000 Euro.
Damals beschloss der Gemeinderat, die Vergabe zunächst zu verschieben und nach Einsparpotenzialen zu suchen. Eine Aufhebung der Ausschreibung stand damals aber nicht zur Debatte, denn die rechtlichen Risiken schienen zu groß. Nun kam aber doch der große Schnitt: Gegen die Stimmen der Freien Wähler beschloss der Gemeinderat, die Ausschreibung aufzuheben und Fenster- und Innenverglasung sowie die Schreinerarbeiten auf Basis der Umplanungen getrennt auszuschreiben.
Das Architekturbüro habe umgeplant und verschiedene Vorschläge erarbeitet, berichtete Bürgermeister Paul Schmid dem Gremium. „Wir würden im Innenraum einige Holzwände durch Trockenbau ersetzen. Das ergäbe dann ordentliche Einsparungen“, so der Rathauschef. Weitere Einsparmöglichkeiten würden sich durch Änderungen bei der Innenverglasung ergeben. Insgesamt, so Schmid, rechnen die Architekten mit einem Einsparpotenzial von rund 75 000 Euro.
Dennoch sorgte der Einsparvorschlag insbesondere bei den Freien Wählern für Unmut. „Das ist doch bloße Spekulation“, meinte etwa Timo Beier. Er sieht in dem Vorschlag nur eine vordergründige Einsparung und fürchtet hohe Folgekosten. „Wir kaufen hier schlechtere Qualität und sind immer noch 55 000 Euro über der Kostenberechnung“, so Beier. Die von den Architekten vorgelegte Einsparliste sei nicht mehr als eine „Vesperunterlage“, deren Zahlen er so ohne weitere Erklärungen durch die Architekten nicht nachvollziehen könne. Auf dieser Basis könne er nicht für eine Aufhebung und erneute Ausschreibung stimmen.
Überhaupt zogen sich die Architekten durch ihr Nichterscheinen in der Sitzung den Unmut besonders der Freien Wähler zu. Jörn Feldsieper etwa sieht sich von den Architekten alleine gelassen, auch Timo Beier hätte gerne zu den vorliegenden Zahlen noch einige Fragen gestellt. Auch Paul Schmid fand die ganze Situation etwas unglücklich.
Die CDU-Vertreter im Gemeinderat hingegen stellten sich hinter den Verwaltungsvorschlag. Kurt Moll mahnte etwas Gelassenheit an: „Es ist noch nie genau so gelaufen, wie wir uns das gedacht haben“, erinnerte er an verschiedene Bauprojekte, die er in seiner bisherigen Zeit als Gemeinderat begleitet habe. Für Marco Emmert stand eher die Frage im Vordergrund, ob die Aufhebung der Ausschreibung überhaupt risikolos möglich sei.
Bürgermeister Paul Schmid sieht die Voraussetzungen hierfür gegeben und auch die Rücksprache mit der Kommunalaufsicht habe kein gegenteiliges Ergebnis gebracht. „Auf jeden Fall sollten wir aber den Bietern eine zweite Chance geben“, so Schmid. Deshalb werden die Gewerke nun auch beschränkt ausgeschrieben: Die 19 Firmen, die für die ursprüngliche Ausschreibung die Unterlagen angefordert haben, werden nun explizit um eine erneute Angebotsabgabe gebeten.
