Weilheim schafft erstmals Stelle fürs Bildungszentrum Wühle
Einstieg in Schulsozialarbeit

Peu à peu tastet sich die Stadt Weilheim an das Thema Schulsozialarbeit heran. Nach der bisherigen Unterstützung von Projekten wollte die Verwaltung nun eine ganze Stelle schaffen. Die Furcht vor mittelfristig zu hohen Kosten ließ das Ratsgremium jedoch zaudern. Beschlossen wurde deshalb die Befristung auf ein Jahr.

Weilheim. Bürgermeister Johannes Züfle führte in seinem Eingangsplädoyer insbesondere die Förderung der Jugendsozialarbeit ins Feld: Jeweils 16 700 Euro schießen das Land Baden-Württemberg und der Land­kreis zu. „Damit erscheint es machbar, dass die Stadt eine Stelle schafft.“ Bereits bisher fließen aus dem städtischen Haushalt jährlich 10 000 Euro in projektbezogene Schulsozialarbeit. Die notwendige Aufstockung für eine Vollzeitstelle um 6 700 Euro hielt Züfle trotz der finanziell schwierigen Situation der Stadt für machbar.

Das sahen einige Gemeinderäte anders. Die wenig rosigen Aussichten des städtischen Haushalts im Hinterkopf, positionierte sich Karl Mohring klar gegen die Schaffung einer Vollzeitstelle. „Wir wissen nicht, ob die Zuschüsse weiterhin fließen werden“, so sein Argument. Sei die Stelle erst einmal geschaffen, entstehe Druck auf die Stadt, die Schulsozialarbeit weiter zu bezahlen. Zudem habe er Vertrauen in die Lehrer, dass sie wie früher mit den Schülern zurechtkämen. Auch Bernd Bauer zog die Notwendigkeit eines Schulsozialarbeiters stark in Zweifel.

Martin Pfauth befürwortete die Einrichtung der Stelle hingegen auch wegen des etwaigen Wettbewerbs mit anderen Schulen. Martina Herrlinger betonte: „Es geht um den Lebensraum Schule und darum, Schulsozialarbeit auf einen verlässlichen Boden zu stellen.“ Ins selbe Horn stieß Dr. Hansjörg Egerer, einst Zugpferd des 2006 in Weilheim gegründeten Schulsozialvereins: „Lehrer brauchen Unterstützung, um Konflikte frühzeitig angehen zu können.“ Dass die bisher zur Verfügung gestellten Gelder abgerufen worden seien, wertete er als Beweis dafür, dass es in Weilheim einen Bedarf an Schulsozialarbeit gebe. Er regte jedoch an, die Anstellung über einen der in Weilheim agierenden Freien Träger laufen zu lassen. Dafür bekam er Rückendeckung von Gerda Schrägle, die diesbezüglich auf gute Erfahrungen der Stadt Kirchheim verwies.

Wie die Mehrheit konnte Johannes Züfle diesem Vorschlag wenig abgewinnen. Vielmehr fürchtete er höhere Kosten. Zudem hielt er den direkten Draht zu Stadt und Rektoren für wichtig. „Drei Dienstherren zu haben, ist sicher nicht das Gelbe vom Ei.“ Dem Antrag von Rainer Bauer, die Stelle mangels gesicherter Finanzierung vorerst auf ein Jahr zu befristen, erteilte der Bürgermeister ebenfalls eine Absage: „Damit wird das Bewerberfeld sicher nicht besser. Wenn wir wieder aussteigen wollen, gibt es auch das Instrument der Kündigung.“ Zudem konnte er sich nicht vorstellen, in die Schulsozialarbeit erst ein- und dann wieder auszusteigen. „Wir haben schon so viele Standards beschlossen. Ich erinnere mich nicht daran, dass wir irgendwo wieder zurückgerudert wären.“

Die Mehrheit konnte er damit allerdings nicht überzeugen. Mit neun Stimmen votierte das Ratsgremium dafür, die Schulsozialarbeiterstelle für das Bildungszentrum Wühle zunächst auf ein Jahr zu befristen. Sie soll umgehend ausgeschrieben und frühestmöglich besetzt werden.

„Mit der Entscheidung ist zwar ein Schritt getan, aber eigentlich nur ein halber“, sagte Winfried Rindle, Rektor der Weilheimer Realschule Wühle, gestern auf telefonische Nachfrage. Die Probleme an den Schulen seien eben andere als vor 20 Jahren. So gebe es viel mehr Kinder und Jugendliche in Außenwohngruppen und mehr Schüler, die mit der Polizei zu tun hätten. Gewalt spiele eine größere Rolle, stundenlanger Bildschirmkonsum bringe Verhaltensauffälligkeiten mit sich. „Vor all dem dürfen wir nicht die Augen verschließen.“

Das Wirken des Schulkontaktarbeiters Andreas Forro vom Evangelischen Jugendwerk an der Realschule sieht Rindle durch den Beschluss, die Stelle eines Schulsozialarbeiters einzurichten, nicht infrage gestellt. „Andreas Forro hat andere, eher präventiv wirkende Kompetenzen und behält seine Legitimation.“