Lokales
Ende gut, alles gut?

Kirchheim. Einstimmig kann vieles bedeuten. Einstimmig wurde er gefasst, der Feststellungsbeschluss für


Irene Strifler

die sechste Änderung des Flächennutzungsplanes. – Eigentlich eine Auflistung von 21 zumeist unspektakulären Neuerungen auf dem Terrain der Kommunen Kirchheim, Dettingen und Notzingen. Trotz Einstimmigkeit hinterließ die Abstimmung ein schales Gefühl. Erstmals in der Geschichte der Verwaltungsgemeinschaft war dem Beschluss ernsthafter Streit vorausgegangen.

Zankapfel war der Wunsch Dettingens, den Ortsteil Guckenrain im Osten zu arrondieren und Platz für

22 Einfamilienhäuser zu schaffen. Vonseiten Kirchheims war der Bedarf bezweifelt beziehungsweise ein rechnerisch höherer Leerstand an Wohnraum im bereits besiedelten Gebiet dargestellt worden. – Die detaillierte Prüfung betrachtete die Stadt als ihre Pflichtaufgabe in der Rolle der „erfüllenden Gemeinde“ in der Gemeinschaft. Aus Dettinger Sicht hingegen schien vielleicht eine Prüfung von Anträgen grundsätzlich gerechtfertigt, letztlich sei aber örtlichen Planungswünschen Folge zu leisten, wie bis dato üblich.

„Die Stadtverwaltung hat von Anfang an klargemacht, sie dürfe bestimmen, ob Dettingen ein Baugebiet bekommt“, monierte jetzt noch einmal Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. Sogar „verdeckte“ – den Begriff wollte er in Klammern gesetzt wissen – Ermittlungen seien über Baugebiete angestellt worden. „Das fanden wir nicht mehr gut“, machte der Schultes klar, dass sich die 5800-Seelen-Gemeinde von der siebenmal größeren Kreisstadt gegängelt fühlte. Aus dem Ringen um ein paar Bauplätze war hier gefühlt längst der Kampf David gegen Goliath geworden.

Die harsche Kritik Rainer Haußmanns galt klar der Kirchheimer Verwaltung. „Sie als Räte hatten die bessere Strategie“, lobte er dagegen explizit die gemeinderätlichen Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft, hatten sie doch auf „Raushalten“ gesetzt, sprich auf Kirchheimer Enthaltung beim Aufstellungsbeschluss.

Das Regierungspräsidium hat mittlerweile David recht gegeben: Der geltend gemachte Bedarf sei nachvollziehbar begründet, zitierte Rainer Haußmann die Behörde. Dettingen bekommt seine Arrondierung. „Damit ist die Frage, wer den Regionalplan richtig gelesen hat, beantwortet“, kam der Gewinner auf die Frage zu sprechen, die Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker vor zwei Jahren in den Raum gestellt hatte.

Vom Ergebnis her bedeute dies für Dettingen gewissermaßen „Ende gut, alles gut“, räumte der Vertreter der Schlossberggemeinde ein und ergänzte passend zum Sitzungstag, dem schmotzigen Doschtig: „Deshalb haben wir auf den zweiten Rathaussturm verzichtet.“ – Von Narretei und Humor zeugte im Saal ohnehin allenfalls die abgeschnittene Krawatte von Bürgermeister Riemer.

„Wie groß ist der Lerneffekt?“, leitete Haußmann schließlich auf den ihm wichtigeren „pädagogischen“ Ansatz über und gab selbst die Antwort: „Wir wollen künftig schonender miteinander umgehen.“ Gefragt sei Augenhöhe in der Kommunikation, ohne Bevormundung.

„Ich verstehe, dass Sie ihren Sieg genießen“, gab die Adressatin der

Ermahnungen, Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, zurück. Was sie aber nicht ganz verstehe, sei der Vortrag. „Ich glaube, man sollte sich in einem Verfahren durchaus auseinandersetzen können“, ließ sie ihrerseits Kritik an überholtem Politikverständnis durchklingen.

Trotz Einstimmigkeit: Von „Ende gut, alles gut“ ist das Verhältnis in der Gemeinschaft, speziell zwischen Goliath Kirchheim und David Dettingen, weit entfernt.