pm. Die Idee einer bürgereigenen, atomstromfreien Energieversorgung wurde bei der Gründung vor 15 Jahren noch belächelt. Heute ist die Teckwerke Bürgerenergie Genossenschaft ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen, das sich mit einem Stadtwerk messen kann. Die Teckwerke zeigen seit 15 Jahren, dass die Energiewende dort am besten gelingt, wo Menschen sie selbst in die Hand nehmen – gemeinsam, regional und unabhängig.
Vor 15 Jahren begann alles mit der Idee, das Kirchheimer Stromnetz nach dem Auslaufen der Konzession im Jahr 2014 zu übernehmen – und mit einer klaren Haltung: Kein Atomstrom mehr in Deutschland, stattdessen echter Ökostrom in Bürgerhand. Als sich 2010 engagierte Menschen aus der Kirchheimer Agenda-Gruppe Energie und dem BUND zusammensetzten, war die Energiewende noch längst kein gesellschaftlicher Konsens. Photovoltaik galt vielerorts als Nischenthema, Elektromobilität als Zukunftsmusik und Bürgerenergie als mutiges Experiment. Doch rund um die Teck entstand damals die Überzeugung, dass die Energieversorgung nicht allein großen Konzernen überlassen werden darf – sondern in die Hände der Menschen vor Ort gehört. Aus dieser Idee wurden die Teckwerke geboren.

Am 17. Mai 2011 gründeten rund 300 Bürgerinnen und Bürger in der Kirchheimer Stadthalle die Teckwerke Bürgerenergiegenossenschaft. Noch am selben Abend unterschrieben 175 Menschen ihre Beitrittserklärung. Unterstützt wurde die Gründung von Michael Sladek, dem Mitbegründer der Elektrizitätswerke Schönau und bundesweit bekannt als einer der Väter der Bürgerenergiebewegung. Seine Botschaft damals: Die Energiewende beginnt nicht in Berlin oder Brüssel – sondern vor Ort, durch Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Von der Nische zum Marktteilnehmer
Heute, 15 Jahre später, zeigt sich, wie kraftvoll diese Idee geworden ist. Was einst ehrenamtlich begann, ist heute eine professionelle Bürgerenergiegenossenschaft mit 19 Mitarbeitenden, rund 2.000 Mitgliedern und über 1.500 Kund:innen und Projekten weit über die Region hinaus mit einem Anlagevermögen von rund 15 Millionen Euro in der Bilanz. Damit gehört sie deutschlandweit zu den 20 größten Energiegenossenschaften. Doch trotz des Wachstums ist eines geblieben: die Überzeugung, dass die Energiewende dann am stärksten ist, wenn Bürgerinnen und Bürger selbst daran beteiligt sind.
Schon früh gingen die Teckwerke neue Wege. Bereits ab der Gründung versorgte die Genossenschaft Haushalte mit echtem Bürger-Ökostrom, entwickelte Photovoltaik-Projekte und initiierte mit die Gründung der Bürgerwerke – einem bundesweiten Zusammenschluss von Energiegenossenschaften, der heute zehntausende Menschen mit Bürgerstrom versorgt. Für dieses Engagement wurden die Teckwerke und die Bürgerwerke mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Solarpreis und dem Deutschen Engagementpreis.
Dabei ging es den Teckwerken nie nur um Strom. Von Anfang an stand die Frage im Mittelpunkt, wie eine nachhaltige Energiezukunft ganzheitlich aussehen kann. Deshalb wuchs aus der ursprünglichen Idee eines regionalen Energieversorgers Schritt für Schritt ein breites Portfolio: Photovoltaik-Anlagen, Windenergie, Bürgerökostrom, Mieterstrom, Wärmeversorgung, Speicher, Elektromobilität, Balkonmodule, Bürgerenergieberatung und gemeinschaftliche Beteiligungsmodelle.
Heute sind die Teckwerke an 26 Windrädern in ganz Deutschland beteiligt und haben über 50 eigene Groß-Photovoltaikanlagen in der Region gebaut – von Schuldächern über Sporthallen bis hin zu Deutschlands größtem Holzparkhaus in Wendlingen am Neckar. Jede einzelne Anlage steht dabei für ein Prinzip, das die Genossenschaft bis heute prägt: Die Wertschöpfung der Energiewende soll möglichst in Bürgerhand und vor Ort bleiben.
Regionales Engagement trägt Früchte
Die Energiewende lebt vom Mitmachen. Deshalb engagieren sich bei den Teckwerken Bürger:innen in Regionalgruppen direkt vor Ort für Klimaschutz und eine nachhaltige Energieversorgung. Die Gruppen organisieren unter anderem PV-Beratungen, Balkonmodul-Aktionen und Informationsveranstaltungen und bringen konkrete Projekte für erneuerbare Energien in ihren Kommunen voran. Dabei profitieren sie vom Know-how, Netzwerk und Portfolio der Teckwerke – sodass der Fokus auf Projekten und Engagement liegt und nicht auf Verwaltungsaufwand. Heute sind bereits Regionalgruppen in Schorndorf, Hechingen, Plochingen, Esslingen und im Schönbuch aktiv.
Ein besonderer Erfolgsfaktor ist dabei die sogenannte PV-Bündelaktion geworden. Mit ihr haben die Teckwerke in den vergangenen Jahren hunderten Menschen den einfachen Einstieg in die eigene Solarstromversorgung ermöglicht. Über 300 Aufdachanlagen auf Privathäusern wurden damit in 18 Kommunen aus dem Landkreis Esslingen und darüber hinaus gebaut. Gemeinsam organisiert, regional umgesetzt und unabhängig beraten, profitieren Bürgerinnen und Bürger von Rabatten durch Sammeleinkauf, geprüften Partnern und einer Begleitung auf Augenhöhe. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Unsicherheit zeigt sich, wie groß der Wunsch vieler Menschen geworden ist, ihre Energieversorgung selbst mitzugestalten.
Auch das Energiezentrum in der Kirchheimer Paradiesstraße steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Dort ist über die Jahre ein Ort entstanden, an dem die Energiewende greifbar wird: Beratung, Austausch, Technik, Planung und Bürgerbeteiligung unter einem Dach. Hier wird sichtbar, dass die Energiewende längst nicht mehr nur ein abstraktes politisches Ziel ist, sondern Teil des Alltags geworden ist.
Die Energiewende aktiv mitgestalten
Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende.
Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, wie Deutschland seine Energieversorgung gestaltet. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität sowie die Frage nach regionaler Versorgungssicherheit werden weiter an Bedeutung gewinnen. Bürgerenergiegenossenschaften wie die Teckwerke spielen dabei eine immer wichtigere Rolle – weil sie Menschen nicht nur zu Kund:innen machen, sondern zu Mitgestalter:innen.
Genau darin liegt bis heute die besondere Stärke der Teckwerke: Hier kann man nicht nur Ökostrom beziehen, sondern Teil einer demokratischen Bewegung werden. Jedes Mitglied hat, egal ob ein Anteil oder 100 Anteile, genau eine Stimme bei der Generalversammlung. Mitglied werden bedeutet, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen – für Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und eine unabhängige Energieversorgung. Oder anders gesagt: Die Energiewende gehört denen, die sie machen. Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, selbst ein Teil davon zu werden.

