Kirchheim/Guasmo. Nach 25 Jahren Arbeit unter schwierigsten Bedingungen werden jetzt die ersten Projekte in die Selbständigkeit entlassen und neue Arbeitsfelder betreten.
Vor einem Vierteljahrhundert hatte Ursula Hauser auf einer Reise in Ecuador eine Idee. Aus der Idee wurde Überzeugung: Hier, im unsäglichen Elend des Armenviertels „Guasmo“ in Guayaquil muss man helfen, und man kann helfen. Die Überzeugung wurde in die Tat umgesetzt. Schritt für Schritt entstanden, finanziert von Spendern aus Deutschland, Bildungseinrichtungen für junge Menschen, denen klar war, dass sie ihre Situation nur überwinden können, wenn sie beharrlich die Schule durchlaufen und einen Beruf erlernen.
„Hilfe für Guasmo“ wurde ein in Deutschland eingetragener Verein. Die Projektarbeit startete in Guayaquil, dann kamen Puerto Napo und Tena im Quellgebiet des Amazonas hinzu, Einrichtungen in Ambato und Salasaca werden unterstützt. Hunderte von Jugendlichen haben bis heute die Bildungseinrichtungen von „Hilfe für Guasmo“ genutzt, nicht alle hielten durch, aber viele konnten sich so die Grundlagen für ein erträglicheres Leben erarbeiten. Auch heute noch möchten viele Kinder und Jugendliche dabei sein – zu viele, weshalb die „Auswahl“ der zu Fördernden und ihrer Familien eine nicht zu unterschätzende Aufgabe der einheimischen Sozialarbeiterinnen ist. Die Einbeziehung der Familien ist dabei wichtig; wenn diese nicht hinter dem Wunsch ihrer Kinder nach einer guten Ausbildung stehen, geht nichts.
Jetzt, 25 Jahre später, passiert „Hilfe für Guasmo“ einen Meilenstein am Weg: Die ersten beiden Projekte, das Centro I.S.E. und das Colegio Herrmann Hesse im Elendsviertel „Guasmo“ in Guayaquil werden unter ecuadorianischer Leitung finanziell auf eigenen Füßen stehen, die „Becados“ (= Stipendiaten) bekommen vom Verein weiterhin alles, was sie für den Unterricht benötigen, von den Schulgebühren über Schuluniformen bis zum Unterrichtsmaterial. Die Arbeit in Tena und Puerto Napo geht dank des vortrefflichen Einsatzes der dortigen Sozialarbeiterinnen und Lehrkräfte mit Unterstützung aus Kirchheim ebenfalls weiter.
Und in Guayaquil ist jetzt Platz für Neues: Ursula Hauser hat bei ihrem kürzlichen Aufenthalt das Armenviertel „Aurora“ im Norden der Hafenstadt kennen gelernt, geografisch dem im Süden gelegenen „Guasmo“ entgegengesetzt. Auch hier ist die Not groß durch Gewalt, Missbrauch, Drogen und Perspektivlosigkeit. Es ist daran gedacht, hier den Kleinsten, die im Umfeld von Kriminalität aufwachsen, eine Chance zu geben. Zunächst soll deshalb ein Kindergarten ausgebaut werden: „Hilfe für Guasmo“ folgt der Armut.
Die Arbeit des Vereins wird nicht leichter, die politischen Rahmenbedingungen immer schwieriger, die Hürden der Bürokratie höher. Die Armut steigt, die Preise auch, Grundnahrungsmittel sind beinahe so teuer wie in Europa bei Einkommen, die nur ein Zehntel ausmachen.
Die Spender, auf deren Unterstützung der Verein angewiesen ist, lassen sich von all dem nicht entmutigen. Auf ihre Hilfe baut „Hilfe für Guasmo“. In der Arbeit kann sich der Verein jetzt mehr und mehr auf Menschen vor Ort in Ecuador stützen. Unterstützung in der ehrenamtlichen Mitarbeit hier in Deutschland ist notwendig. „Hilfe für Guasmo“ sucht interessierte Menschen, die durch engagierte Mitarbeit „Entwicklungshilfe in der Heimat“ leisten. In Büro und Organisation würde der Verein sich über weitere Helfer freuen.
Informationen gibt es bei Ursula Hauser unter der Telefonnummer 0 70 21/4 43 09 und im Internet unter der Adresse www.hilfe-fuer-guasmo.de.pm
