Punktgenau zum BDS-Herbstempfang war die Zahl von 300 Mitgliedern überschritten worden. Mit über 130 Teilnehmern konnten die beiden Vorsitzenden Thomas Osswald und Bettina Schmauder in der ihre Kapazitätsgrenzen erreichenden Schlosskapelle einen neuen Besucherrekord vermelden.
Wolf-Dieter Truppat
Kirchheim. Die scherzhaft gestellte Frage nach einem erforderlichen An- oder gar Neubau stellt sich freilich derzeit wohl noch nicht. Zufrieden konnten die beiden Vorsitzenden dagegen vermelden, dass ein wichtiges Zwischenziel erreicht sei und mit Leinfelden-Echterdingen der bisherige baden-württembergische Spitzenreiter „überflügelt“ werden konnte. Der Kirchheimer Bund der Selbstständigen ist jetzt deutschlandweit tatsächlich der mitgliederstärkste Ortsverband – und das wurde dann auch entsprechend gefeiert.
Dass der beeindruckende Mitgliederzulauf zweifellos als Zustimmung zu der geleisteten Arbeit gewertet werden darf, bestätigte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrem Grußwort. Sie gratulierte allen Vorstandsmitgliedern und unterstrich zugleich, dass neben Quantität vor allem immer auch die Qualität des Angebots stimmen müsse.
Sie unterstützt daher eindringlich das von Thomas Osswald aufgestellte Ziel, dass künftig noch mehr Mitglieder mit Migrationshintergrund gewonnen werden müssten, und zeigte sich überzeugt, dass gerade die Vielfalt der modernen Gesellschaft – beeinflusst durch die Globalisierung und den demografischen Wandel – das Wirtschaftsleben im Land präge.
Die Oberbürgermeisterin rief dazu auf, diese Diversität als Chance zu begreifen und verwies auf die 2005 unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Merkel ins Leben gerufene „Charta der Vielfalt“. Die Unterzeichner dieser Charta verpflichten sich, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist und das von Respekt gekennzeichnet ist – von gelebter Unabhängigkeit im Blick auf Geschlecht, Nationalität, ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung sowie körperliche Beeinträchtigung oder auch Alter. „Lassen Sie uns diese Inhalte für unsere Unternehmen und für die Verwaltung der Stadt erarbeiten und unterzeichnen“, lautete daher ihre Bitte an die Vertreter des Bundes der Selbstständigen.
Unterstrichen wurde von beiden Seiten die gute Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und BDS, etwa durch einen vierteljährlich stattfindenden „Jour Fix“, an dem auch Vertreter der Gemeinschaft des Kirchheimer Handels „City Ring“ beteiligt sind. An aktuell angesprochenen Themen wurden das innerstädtische Verkehrskonzept, die Parksituation in der Innenstadt und in den Gewerbegebieten, die Zukunft des BlessOF- und Steingau-Areals sowie die Schulentwicklung in Kirchheim aufgelistet.
Einigkeit herrschte darüber, dass der Herbstempfang vor allem der Begegnung und dem Gedankenaustausch dienen soll. Der kurze Rückblick auf den schon zum zweiten Mal erfolgreich durchgeführten Azubi-Workshop mündete in eine durch die Einnahmen aus einem Golfturnier zusätzlich aufgestockte Spendenübergabe: Christine Eichenhofer, deren kranke Kinder unterstützende „Tour Ginkgo“ 2012 auch in Kirchheim Station gemacht hatte, durfte einen Scheck in Höhe von 1 600 Euro für ihre Stiftung entgegennehmen.
Zur gelungenen Stimmung im Schlosskapellenambiente trugen dann maßgeblich auch die Mitglieder der „Cellophoniker“ der Kirchheimer Musikschule bei. Das von Hartmut Mayer und Rainer Balbach im Jahr 2005 gegründete Ensemble konnte etwa mit einem Auftritt bei einem Begegnungskonzert in Spanien und der Teilnahme an einem vom Goethe-Institut geförderten Sommerfestival in Kawaguchi in Tokio schon internationale Erfahrungen sammeln.
Lokale Akzente setzte dagegen Reiner Wiest im Rahmen der Reihe „Seniorunternehmer berichten“. Mit zahlreichen historischen Aufnahmen erinnerte er an die von seinem Urgroßvater Richard Wiest gegründete Herdfabrik „KOWA“. Reiner Wiest, der in München Maschinenbau studierte und zunächst bei BMW in der Entwicklung tätig war, hatte in dritter Generation die Leitung des mit 400 Mitarbeitern wichtigen Kirchheimer Unternehmens inne, dessen Spezialität die in der Firmierung abgekürzten und – wie sich zeigte – offensichtlich „viel zu langlebigen“ Qualitäts-Kochherde und -Waschkessel waren.
Steffen Kernstock betonte schon vorab, dass das Schicksal andere Pläne hatte: „Der elterliche Betrieb war bei seinem Antritt längst von der Zeit überrannt worden und konnte gegen die ‚Global Player‘ nicht mehr Schritt halten – so blieb nur die Liquidation.“
Der als Berater und Trainer „für Wertanalyse-/Value- und Querdenkermanagement“ tätige Reiner Wiest gewährte dann weit über das einstige Traditions-Unternehmen hinausgehende Einblicke in die Entwicklung Kirchheims und dokumentierte darüber hinaus mit zahlreichen Aufnahmen auch die Vielfalt der damaligen regionalen Industriearchitektur.
