Keine kostspielige Sanierung der Alten Oberlenninger Steige – Gemeinderat will Risse schnell schließen
Entwarnung dank staubtrockenem Boden

Hin und wieder gibt es auch positive Überraschungen. Darüber freuen kann sich die Gemeinde Lenningen, denn die Sanierung der wegen starker und langer Regenfälle im Frühsommer ins Rutschen gekommenen Alten Oberlenninger Steige fällt billiger aus als befürchtet.

Lenningen. Mit den lang anhal­tenden und ergiebigen Regenfällen hatte Lenningen Anfang Juni in mehreren Ortsteilen und über Tage zu kämpfen. Aus allen möglichen und unmöglichen Ritzen suchte sich das Wasser seinen Weg ins Tal. Betroffen davon war auch die Alte Oberlenninger Steige. Rutschungen und in deren Folge umgestürzte Bäume machten den geteerten Feldweg, der auch bei Radlern und Wanderern beliebt ist, stellenweise unpassierbar. Der Bauhof war gefordert und machte den Weg wieder frei.

Schnell war klar, dass die Steige saniert werden muss. Das Kirchheimer Institut für Hydrologie, Umweltgeologie und Baugrunduntersuchungen BWU nahm die Strecke deshalb genau unter die Lupe. Das Ergebnis dieser Untersuchungen stellte Dr. Joachim Hönig dem Gemeinderat vor. „Die Steige weist nicht nur an den vom Starkregen betroffenen Teilen Schäden auf, sondern auch anderswo, und die sind älteren Datums“, erklärte der Geologe. Deshalb machte er sich zuerst an die Ursachenforschung. „Die Wiesen sind bucklig. Das bedeutet eine permanente Kriech­bewegung des Hangs, was auch an manchen Obstbäumen zu sehen ist: Sie stehen schief oder gekippt, weil sie sich als Flachwurzler mitbewegen“, so Joachim Hönig. Dies sei typisch für den Albtrauf. „Ab den Wiesen ist das Gelände rutschungsanfälliger. Es ist flacher als die darüber liegenden, bewaldeten Steilhänge“, führte er aus. Für weitere Klarheit sollten Bohrungen sorgen. „Die brachten Überraschendes zutage – und zwar in positivem Sinne“, konnte der Geologe dem Gremium mitteilen. Der Boden führt kein Wasser, er war staubtrocken.

Wasser wirkt wie eine Art Schmierschicht und ist die Ursache für Muren; dies schließt der Planer für die Alte Oberlenninger Steige aus. „Kostspielige Verfahren sind unnötig“, konnte der Geologe mitteilen. Er schlug vor, auf Gemeindegrund am Rand der Straße etwa 1,5 Meter tief einen Graben auszuheben, um dort Stützmauern in Form von Gabionen – das sind mit Steinen gefüllte Drahtkörbe – einzulassen. Die sollen auf der Talseite durch ihr Eigengewicht den Druck vom Hang und den der landwirtschaftlichen Fahrzeuge aufnehmen. Auf der Hangseite wird entlang der Straße der Graben wieder reaktiviert, zudem ist zu überlegen, eine Drainage zu verlegen. Die dadurch entstehenden Kosten liegen bei etwa 40 000 Euro.

Die Vorschläge des Geologen waren für den Gemeinderat schlüssig und stießen auf Zustimmung. „Sollen wir nicht auch Geld in die Risse investieren, bevor der Frost kommt?“, regte Falk Kazmaier an. Mit der Antwort von Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Griesinger, im Frühjahr „drübergehen“ zu wollen, zeigte sich das Gremium jedoch wenig begeistert. „Wir verschenken uns doch nichts, wenn wir notdürftig flicken. Ist das nicht sinnvoll?“, wollte Dieter Epple wissen. Die Antwort des Geologen war eindeutig: „Man sollte vermeiden, was man vermeiden kann. Wasser in Rissen beschleunigt immer das Ganze.“ Für Jürgen Rau war deshalb schnell klar, sie „zeitnah“ zu schließen. Karl Boßler wurde noch deutlicher: „Wir müssen die Risse noch vor dem Winter kitten. Die Frage kann nur lauten: Hat der Bauhof Zeit? Wenn nicht, müssen wir die Arbeiten fremd vergeben“, erklärte er. Georg Zwingmann lobte die gute Ausführungsplanung und wollte von Joachim Hönig wissen, ob es bei Minusgraden Sinn macht, die Fugen zu schließen. „Frost ist das geringere Übel als Wasser. Es ist deshalb nicht unsinnig, gleich damit zu beginnen“, so die Meinung des Fachmanns.

Dies war für Bürgermeister Michael Schlecht das Stichwort: „Das heißt also: so schnell als möglich“, beendete er die Diskussion. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, dass die Risse unverzüglich geschlossen werden. Weil beim Bauhof der Winterdienst oberste Priorität hat, wird eine Firma damit beauftragt und die außerplanmäßigen Ausgaben im Nachtragshaushalt finanziert. Ferner sprach sich das Gremium dafür aus, die Gabionen mit Schotter zu füllen.