Kirchheim. „Wir schreiben ein Erfolgsmodell fort – in Jesingen herrscht Begeisterung“, meinte Bürgermeister Günter Riemer vor dem Technischen Ausschuss in Kirchheim. Die Zustimmung war beileibe nicht immer so groß. In Jesingen wurde die millionenschwere Sanierung des gesamten Ortskerns lange Zeit mit großer Skepsis verfolgt. Doch während die Bauabschnitte einer nach dem anderen abgearbeitet werden, scheint sich der „Heinz-Dieter-Keller-Platz“ vor dem Rathaus längst großer Beliebtheit zu erfreuen. Einen „Stimmungswechsel“ hat Ortsvorsteher Michael Möslang wahrgenommen. „Die Ortsmitte wird sehr gut angenommen“, weiß er dank gelegentlicher naseweiser Blicke durchs Rathausfenster.
Im laufenden Jahr stehen nun zwei weitere Bauabschnitte an. Zum einen handelt es sich um den westlichen Bereich. Am Osterdienstag sollen die Bagger erneut an der Lindach anrücken, um sie auch im weiteren Verlauf Richtung Kirchheim zu renaturieren. Außerdem wird die Landesstraße 1 200 auf Normalmaß zurückgebaut und mit Flüsterasphalt ausgestattet.
Detailliert geplant wird bereits der Bauabschnitt Nord vom Ortseingang aus Ohmden kommend bis zum Rathaus. Es gilt, den Friedhof deutlicher ins Gesamtbild einzubinden und die Straße so zu gestalten, dass der Beginn des Ortes klar gekennzeichnet wird. „Hier ist Entschleunigung das zentrale Thema“, fasste Michael Möslang die vorangegangene Beratung im Ortschaftsrat zusammen. Dort war der Wunsch laut geworden, Tempo 30 einzuführen.
Auch die beiden aus Jesingen stammenden Räte Reinhold Ambacher (Freie Wähler) und Hans Gregor (SPD) betonten die hohe Akzeptanz der neuen Ortsmitte und sprachen gar von einem „Musterobjekt“. Für die weitere Planung drängten auch sie im Technischen Ausschuss auf eine Reduzierung der Lärmbelastung im Ortskern. Genau das erhofft man sich von Tempo 30 auf der Straße nach Ohmden.
Das jedoch ist allenfalls Zukunftsmusik. Günter Riemer wies auf verschiedene Initiativen in Kirchheim hin, die ebenfalls auf Tempo 30 dringen. „Jede Entscheidung zieht weitere nach sich“, gab er zu bedenken. Geschäftskreisleiter Martin Zimmert ergänzte, dass es auf vielen Straßen deutlich mehr Verkehr, vor allem Schwerlastverkehr, gäbe.
Dennoch setzte sich die Meinung durch, im Sinne des Jesinger Ortschaftsrates zu verfahren. Hans Gregor formulierte den Antrag, dem Ordnungsamt eine Beschränkung auf Tempo 30 innerorts auf der Straße Richtung Ohmden zu empfehlen. Eine überwältigende Mehrheit schloss sich dieser Meinung an. Als Nächstes wird nun die Verkehrskommission eine Empfehlung abgeben. Sollte Tempo 30 nicht kommen, wird auch diese Straße mit Flüsterasphalt ausgestattet.
