Kirchheim. Angesichts neu anstehender Bündelausschreibungen hatte die Verwaltung vorgeschlagen, künftig in Kirchheim nur noch Ökostrom zu beziehen. Der jährliche Stromverbrauch städtischer Einrichtungen einschließlich Straßenbeleuchtung und Heizstrom beträgt etwa 6,72 Millionen Kilowattstunden mit Gesamtkosten von etwa 1,27 Millionen Euro. Sollte der Ökostromanteil auf hundert Prozent erhöht werden, hatte die Verwaltung Mehrkosten in Höhe von 16 000 Euro berechnet sowie eine zusätzliche CO2-Einsparung von etwa 1 591 Tonnen. Bei einem Ökostromanteil von 70 Prozent wären Mehrkosten in Höhe von 9 100 Euro auf die Stadt zugekommen, die CO2-Einsparung hätte bei 909 Tonnen gelegen.
„Wir wollen den Ökostromanteil wegen der Signalwirkung erhöhen“, machte Bürgermeister Günter Riemer klar und verwies auf die Vorbildfunktion der Verwaltung. Aus klimaschutzpolitischen Gründen empfehle sich eine deutliche Erhöhung des städtischen Ökostromanteils. Die Mehrkosten gegenüber Normalstrom hätten sich zudem in den letzten Jahren deutlich verringert. In der Diskussion, die teils hitzig wurde, zeigten sich jedoch sehr unterschiedliche Denkansätze.
Hagen Zweifel, Vorsitzender der Freien Wähler, gab zu bedenken, dass die Gemeinden rundum den umgekehrten Weg gingen und ihren Ökostromanteil zurückschraubten. Zudem werde über die EEG-Umlage zur Förderung regenerativ erzeugten Stroms bereits ein gewaltiger Beitrag zur Energiewende geleistet. „Es ist nicht einzusehen, warum wir freiwillig mehr bezahlen“, meinte Zweifel. Abgesehen davon steige der CO2-Ausstoß derzeit sogar als Folge der von der Bundesregierung beschlossenen Abschaltung der Kernkraftwerke. „Der Ausbau des Ökostroms bedeutet auch den Ausbau der fossilen Energieträger“, argumentierte Dr. Thilo Rose, Fraktionsvorsitzender der CDU, in ähnlicher Weise. Er führte den Zwang zur Vorhaltung konventioneller Kraftwerke als Reserve an und fragte: „Wo bleibt da der Aspekt des Umweltschutzes?“ „Hundert Prozent Ökostrom auf Bundesebene werden wir nie erreichen“, winkte Albert Kahle (Kibü/FDP) ab und verwies auf den Kreistag, der sich ebenfalls „nur“ für eine Quote von 50 Prozent entschieden habe. „Bleiben wir bei der alten Regelung“, lautete sein Vorschlag.
„Wir Grünen sind natürlich für Ökostrom“, begann das Statement der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Sabine Bur am Orde-Käß: „Nur wenn wir und viele andere Ökostrom beziehen, wird der Ökostrom im Land gezielt ausgebaut.“ Im Übrigen sei eine CO2-Einsparung in dieser stattlichen Höhe sonst nicht für 16 000 Euro zu haben. Dass auf dem Markt die Nachfrage das Angebot entscheidend bestimmt, war der Grundgedanke von Birgit Müller von der Frauenliste. Wenn man die Energiewende wolle, müsse man eben die Nachfrage fördern, plädierte sie für hundert Prozent Ökostrom. Gar keine andere Möglichkeit als hundert Prozent Ökostrom gab es für CIK-Vertreter Hans Kiefer. Er fühlte sich „in die Steinzeit zurückversetzt“ und nannte die Diskussion unehrlich. Schließlich müssten doch auch Kosten eingerechnet werden, die beispielsweise für die Endlagerung von Atommüll anfallen. „Wenn viele die Energiewende wollen, wird sie kommen“, meinte SPD-Fraktionschef Walter Aeugle mäßigend. Er stufte das Argument hoch ein, dass die Stadt eine Vorbildfunktion habe.
Hagen Zweifel stellte den Antrag, die Ökostromquote wie bisher bei 30 Prozent zu belassen. Das Abstimmungsergebnis von zehn zu acht Stimmen spiegelte die kontroversen Meinungen der zwei großen Lager. Bei diesem Strom handelt es sich um Ökostrom mit Neuanlagenquote, wodurch der Ausbau zur Erzeugung erneuerbarer Energien fortlaufend gefördert werden soll. Einstimmig wurde dem Prinzip der Bündelausschreibung des Neckar-Elektrizitätsverbandes zugestimmt.
