Im Raum Kirchheim ist die Fuchsräude auf dem Vormarsch – Milben befallen auch Haustiere
Füchsen juckt der Pelz

Die Jägervereinigung Kirchheim schlägt Alarm: Immer öfter tauchen am Albtrauf Füchse auf, die an Räude erkrankt sind. Die Milbe befällt vor allem Wildtiere, aber auch Hunde und Katzen sind gefährdet. Haustierbesitzer sollten deshalb wachsam sein.

Kirchheim. Extremer Juckreiz, struppiges Fell, kahle Stellen und blutige Haut – immer öfter stoßen Jäger im gesamten Raum Kirchheim auf Füchse, die solche Symptome zeigen. „Die Fuchsräude breitet sich aus“, sagt Kreisjägermeister Bernd Budde. Verursacht wir die Krankheit durch die Grabmilbe sarcoptes scabiei. Sie bohrt sich in die Haut hi­nein und gräbt dort Gänge.

„Besonders viele Fälle haben wir südlich der Autobahn auf den Gemarkungen Lenningen, Bissingen, Neid­lingen und Weilheim.“ Dass die Krankheit gerade in diesen Gebieten verstärkt auftritt, hat laut Budde einen einfachen Grund: „Dort ist die Fuchspopulation höher.“ Am Albtrauf finden die Füchse ideale Lebensbedingungen und Verstecke wie Felsbauten.

Neu ist die Krankheit nicht. „Die Räude gibt es immer“, sagt der Kreisjägermeister. Auffällig ist jedoch, dass sich die Fälle im Kreis häufen. Schon seit mehreren Monaten stellen die Jäger fest, dass immer mehr Füchsen der Pelz juckt. Auch dafür gibt es eine Erklärung. „Früher wurde der Fuchsbestand durch wiederkehrende Tollwutepidemien eingedämmt“, erläutert Dr. Gerhard Stehle, Leiter des Veterinäramts in Esslingen. „Dieses Regulativ fehlt jetzt.“ Regelmäßige Impfaktionen haben dazu geführt, das die Tollwut bei Füchsen in Baden-Württemberg eigentlich nicht mehr auftritt. Die Folge: Es gibt immer mehr Füchse, die auf immer engerem Raum zusammenleben und sich so auch leichter mit der hoch ansteckenden Räude infizieren – besonders während der Paarungszeit im Winter oder bei der Aufzucht ihrer Welpen.

Halt macht die Milbe aber auch nicht vor Haustieren. „Ich habe in meiner Praxis dieses Jahr schon drei Hunde mit Räude behandelt“, sagt die Kirchheimer Tierärztin Dr. Tanja Schlegel. In allen Fällen sei auch klar gewesen, wo der Parasit herkam: „Die Tiere hatten nachweislich Fuchskontakt.“ So unangenehm der Parasitenbefall ist – er ist auch gut behandelbar: Mit Injektionen und Spot-On-Mitteln wird den Milben der Garaus gemacht.

Kratzen sich Hunde oder Katzen auffällig häufig, haben sie Haarausfall oder krustige Stellen, sollten die Besitzer sie sofort zum Tierarzt bringen. „Je früher, desto besser“, betont Dr. Gerhard Stehle. Auch andere Tiere, die im gleichen Haushalt leben, seien dann stark gefährdet. „Die Räude ist hoch ansteckend.“ Allerdings nur für Tiere. „Diese spezielle Milbenart kommt bei Menschen nicht so häufig vor“, sagt der Veterinär. Die gleiche Erkrankung bei Menschen, die durch eine andere Milbenart verursacht wird, nennt sich übrigens „Krätze“.

Um das Ansteckungsrisiko für Haustiere und Menschen zu minimieren, rät Kreisjägermeister Bernd Budde zu vorbeugenden Maßnahmen. „Kein Katzenfutter auf der Terrasse stehen lassen, kein Fleisch auf den Kompost werfen und Müllsäcke und Mülltonnen immer gut verschließen.“ All das locke nämlich die unter uns lebenden Stadtfüchse besonders an. Dass Menschen außerdem keine Füchse oder andere Wildtiere anfassen sollten, versteht sich von selbst.

Anders als bei Haustieren lässt sich die Räude bei Wildtieren übrigens nicht behandeln. Um die Krankheit in den Griff zu bekommen, sieht Dr. Gerhard Stehle nur eine Lösung: „Die Jäger sind aufgefordert, Füchse stärker zu bejagen“, sagt der Veterinär. Ganz besonders gelte das für Tiere, die Krankheitszeichen zeigen: „Hat ein Fuchs die Räude, stirbt er meist sehr qualvoll“, betont Stehle, dass der Abschuss durchaus unter Tierschutzaspekten gesehen werden muss.