75 Jahre Feess
Fünf Bausteine vermeiden in Baubranche massiv CO₂

Feess spart jährlich 8000 Tonnen Kohlendioxid – Vorbild ist weltweit skalierbar.

War 15 Jahre wichtiger Sparringspartner für Politik und Forschung: Walter Feeß (l.) mit Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschman
War 15 Jahre wichtiger Sparringspartner für Politik und Forschung: Walter Feeß (l.) mit Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Recyclinghof Rabailen. Foto: Stollenberg

pm. Rund 40 Milliarden Tonnen Mineralien lagern bundesweit in Gebäuden, Brücken und Straßen als Materialdepot. Wenn diese im Schnitt eine Haltbarkeit von 50 Jahren haben, nach denen der Hoch- oder Tiefbau rückgebaut wird, stehen demnach jährlich 800 Millionen Tonnen Stein, Kies und Sand im Bestand zur Verfügung, aus denen neue Gebäude und Infrastruktur gebaut werden könnten.

Diese Vision hat das Unternehmen in Kirchheim/Teck seit der Jahrtausendwende beseelt, in seiner Branche Abbrüche und Erdaushübe kreislauffähig zu machen. Mittlerweile spart der Familienbetrieb jährlich 8000 Tonnen CO₂ ein. Das entspricht dem Volumen von 800.000 ausgewachsenen Bäumen, die auf 875 Hektar Fläche wachsen würden. Eine Chronologie in sechs Schritten.

2010: Brecher bereiten ­Bauschutt auf
80 Prozent aller CO₂-Einsparungen bei Feess basieren auf der Kreislaufwirtschaft. Wird bei Feess im Schnitt ein Stein zehn Kilometer bewegt vom Abbruch über dessen Aufbereitung bis zum neuen Verbau, sind es in der linearen Bauwirtschaft 110 Kilometer, weil das Material etwa auf der Schwäbischen Alb (Kies) oder im Rheintal (Sand) der Landschaft entnommen und in die Region Stuttgart transportiert wird. Parallel muss beim linearen Verfahren das Material am Ende minderwertig im Boden verfüllt oder gar deponiert werden, was nochmals Transportwege verursacht und Flächen verbraucht.

2014: Nassklassier­anlage für Erdaushub
Um seine Recycling-Quote auf 80 Prozent zu steigern, war Feess bundesweit das erste Unternehmen, das eine Nassklassieranlage kaufte und auf seinem Wertstoffhof in den Rabailen aufstellte. Die Innovation stammt aus Irland. Hier können jährlich 70.000 Tonnen sandig-kiesiger Erdaushub gewaschen und dessen Gestein und Sand sortenrein als Baustoffe gewonnen werden. Das dafür benötigte Regenwasser sammelt Feess auf seinem fünf Hektar großen Wertstoffhof in sechs Zisternen. Das Wasser wird anschließend filtriert, um es wieder zu verwenden, und die Schlämme verfüllt oder deponiert.

2017: Schulungs­zentrum K3 vermittelt Wissen
K3 steht für „Kompetenzzentrum Kreislaufwirtschaft Kirchheim/Teck“ und ist das Feess-Schulungszentrum, in dem nicht nur die eigenen 300 Mitarbeiter aus- und weitergebildet werden. Teils nehmen an den Schulungen Mitbewerber teil. Branchenspezifische Verbände und Hochschulen halten hier Fach- und Techniktage ab, bei denen häufig Feess-Experten referieren.

Typische Themen sind Verfahren zur Rückgewinnung von Wertstoffen aus Rückbauten sowie Einsatzmöglichkeiten und Vertriebswege für Rezyklate. Dabei ist Feess bundesweit für viele Forschungseinrichtungen, Institute und Hochschulen ein wichtiger Kooperationspartner für die praktische Anwendung. Schließlich geht es um Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, um bundesweit nachhaltige Alternativen bekannter zu machen.

2022: Carbona­tisierungs­anlage für Mineralien
1000 Tonnen flüssiges CO₂ aus einer benachbarten Biogasanlage werden pro Jahr in 10.000 Tonnen (Betonbrech-)Sand und mineralisches Rezyklat eingedampft und damit dauerhaft gebunden. Der im Betonbrechsand enthaltene Zement, der den Klinkeranteil reduziert (der wird bei 1400 Grad gebrannt), verbessert sogar dessen Qualität. Und der aufbereitete und carbonatisierte Kies ersetzt die natürlichen Vorkommen.

2024: Baustoff­-sortieranlage für ­Mineralien
Bundesweit einmalig ist auch die Sortieranlage, die dieses Jahr in Betrieb ging. Hier bringen ein Anlagenbauer und Feess je ihr Können und Wissen zusammen, um dem Anlagenbau und „German Engineering“ neue Märkte zu erschließen und die Kreislaufwirtschaft zu standardisieren. Fast vollautomatisch trennt die Anlage über teils wassergestützte und pneumatische Verfahren einerseits Holz, Kunststoff und Gestein voneinander. Andererseits wird das Mineral in vermarktungstaugliche und zertifizierte RC-Zuschlagstoffe gebrochen, zerrieben und gesiebt.

Fazit: Verantwortung und ­Intelligenz statt Rendite
Bei all diesen Recyclingverfahren verzichtet Feess komplett auf Öl und Gas. Den benötigten Strom produziert das Unternehmen zur Hälfte selbst. Die fünf Hektar Wertstoffhof, auf denen jährlich bis zu 70.000 Tonnen Bauschutt und Erdaushub angenommen und zu 95 Prozent zu aktuell mehr als 40 verschiedenen Wertstoffen aufbereitet werden, schonen jährlich 15 Hektar Landschaft an anderer Stelle.