Kreis Esslingen. Im Dienstleistungssektor arbeiteten vor allem Frauen teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen, wies Carola Gross, Gewerkschaftssekretärin des ver.di Bezirkes Fils-Neckar-Alb, bei einem Pressegespräch hin. Bei manchen großen Betrieben und Handelsketten gebe es kaum noch Vollzeitbeschäftigte. Viele Angestellte arbeiteten nur noch stundenweise und auf Abruf. Dieser erfolgt laut Gross entgegen gesetzlicher Bestimmungen auch nicht vier Tage vorher. Darüber hinaus müssten die Angestellten, was die Zeiten angeht und zwar von sieben bis 22 Uhr, flexibel sein. „Das erzeugt Druck untereinander“, sagte die Gewerkschafterin.
Da manche Betriebe aus den Arbeitgeberverbänden ausgetreten seien, werde auch nicht nach Tarif bezahlt. Und diese Firmen entziehen sich Gross zufolge auch der Kontrolle, indem sie die Gründung eines Betriebsrates hintertreiben würden. Daher habe sich der DGB das Motto „Faire Löhne, gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ für seine diesjährige Kundgebung zum 1. Mai auf die Fahne geschrieben.
Gross forderte, die gesetzlichen Bestimmungen für die Gründung eines Betriebsrates zu vereinfachen. Die Arbeitnehmer sollten auch an dem Aufschwung partizipieren, meinte Sieghard Bender. Der Erste Bevollmächtigte der Esslinger IG Metall zog eine positive Bilanz nach der überstandenen Wirtschaftskrise. Die Vereinbarung „Stunden statt Menschen zu entlassen“, sprich Kurzarbeit, habe sich bewährt und die Auftragsbücher seine wieder voll. Festo habe gerade „Rekordmonate“ hinter sich und stelle wieder Ferienarbeiter, die übrigens wie die Leiharbeiter den gleichen Lohn wie die Festangestellten erhielten, ein. Der Gewerkschafter will sich nun dafür einsetzen, dass wieder das volle 13. Monatsgehalt fließt, mindestens aber 2 000 Euro.
Wolfgang Scholz, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Kirchheim, forderte angesichts der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes auch für osteuropäische Arbeiter einen allgemeinen Mindestlohn, um dem Lohndumping entgegenzuwirken.
Julia Friedrichs, DGB-Regionssekretärin Nordwürttemberg, erwartet von der neuen Landesregierung, dass das vereinbarte Tariftreuegesetz auch umgesetzt wird. „Wir wollen der Grün-Rot-Koalition eine Chance geben“, fügte Bender an.
Die Kundgebung zum 1. Mai beginnt um 13.30 Uhr vor dem Kirchheimer Rathaus. Hauptredner ist Werner Sauerborn, Gewerkschaftsführer von ver.di im Ruhestand. Anschließend wird ab 15 Uhr im Mehrgenerationenhaus Linde, Alleenstraße 90, gefeiert. Ab 18 Uhr spielt die Band „Jazz in my pants“.
