pm. Aus einem kleinen Familienbetrieb, den Heinrich und Maria Feeß 1951 in Jesingen gründeten, ist einer der führenden Bauschuttrecycler Deutschlands entstanden. Maßgeblich geprägt wurde diese Entwicklung von Walter Feeß, der das Unternehmen konsequent auf Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und technologische Innovation ausrichtete. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe rund 300 Mitarbeitende und zählt bundesweit zu den Vorreitern ihrer Branche. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens lädt Feess zum Tag der offenen Tür in den Rabailen ein. Auszeichnungen wie der Deutsche Umweltpreis 2016 unterstreichen die Bedeutung des Unternehmens weit über die Region hinaus.
Die dritte Generation übernimmt
Seit 2024 führen die Geschwister Alexander Feeß, Benjamin Feeß und Nadine Winter gemeinsam mit Geschäftsführer Jochen Röhrer die Unternehmensgruppe. Mit dem Generationswechsel hat die dritte Generation die Mehrheit an der 1951 gegründeten Gesellschaft übernommen. Walter Feeß begleitet das Unternehmen weiterhin als Prokurist und widmet sich insbesondere dem von ihm initiierten Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft K³ im Recyclingpark Rabailen.
Bescheidene Anfänge und Visionen
Die Anfänge waren bescheiden: Mit einem Traktor und einem Anhänger transportierte Heinrich Feeß zunächst Kies, Sand und Holz.
1960 kam der Erdbau hinzu. Walter Feeß erkannte früh, dass Wiederverwertung eine ökologische und wirtschaftliche Alternative zur Deponierung darstellt. Als er 1995 die Geschäftsführung übernahm, stellte er den Betrieb konsequent auf Nachhaltigkeit ein und investierte gezielt in neue Technologien.
Meilenstein im Recyclingpark Rabailen
Ein Meilenstein war die Eröffnung des Recyclingparks Rabailen im Jahr 2010. Dort werden Erdaushub und Bauschutt gereinigt, gesiebt und zu hochwertigen Recyclingbaustoffen aufbereitet. Eine Erweiterung des Standorts ist geplant, hängt jedoch von den regulatorischen Rahmenbedingungen und der Akzeptanz in der Bevölkerung ab. Bereits seit 2010 bereitet Feess Mineralien aus Bauschutt zu Zuschlagstoffen für Beton auf. „Das Credo unserer Firma ist seit Jahrzehnten, natürliche Ressourcen zu schonen, die Natur möglichst unangetastet zu lassen und Millionen Transportkilometer zu vermeiden“, sagt Alexander Feeß.
Wissenstransfer im Kompetenzzentrum K³
2017 folgte die Eröffnung des Kompetenzzentrums K³. Dort werden Mitarbeitende, Architekten, Studierende, Verwaltungsfachleute und politische Entscheidungsträger zu Themen der Kreislaufwirtschaft geschult. In inzwischen fünf Wertstoffhöfen setzt das Unternehmen seine Konzepte in die Praxis um, darunter auch im Stuttgarter Neckarhafen. Feess nutzt Regenwasser für die Nassklassierung und Photovoltaikstrom für den Betrieb seiner Anlagen. Dadurch werden nicht nur Wertstoffe zurückgewonnen, sondern auch der eigene Ressourcenverbrauch reduziert.
Starke Partnerschaften für Innovationen
Über viele Jahre hinweg hat sich das Unternehmen zu einem wichtigen Partner für Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Maschinenhersteller entwickelt. Neue Verfahren und Anlagen werden regelmäßig gemeinsam mit Feess erprobt und weiterentwickelt. Ein weiterer Meilenstein war die Inbetriebnahme der neuen Fahrzeugwerkstatt im Jahr 2023. Die rund acht Millionen Euro teure Anlage bietet auf 1.250 Quadratmetern Platz für Wartung und Instandhaltung von rund 250 mobilen Fahrzeugeinheiten und ist bereits auf alternative Antriebstechnologien vorbereitet.
Zukunftsprojekte und CO₂-Speicherung
Darüber hinaus arbeitet Feess an Verfahren zur CO2-Speicherung in mineralischen Baustoffen. Flüssiges CO2 aus Biogasanlagen wird in aufbereiteten Mineralien eingebunden, die anschließend in Frostschutzschichten und künftig in R-Beton eingesetzt werden.
Aktuell befindet sich zudem eine groß dimensionierte Wertstoffsortieranlage im Testbetrieb. Sie soll bestehende Prozesse deutlich beschleunigen und die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe weiter verbessern. Alexander Feeß bezeichnet das Projekt als eines der zentralen Zukunftsvorhaben des Unternehmens.
Neues Leitbild für morgen
Im Kontext des Generationenwechsels hat sich das Unternehmen das neue Leitbild „GEMEINSAM. WERTE. SCHAFFEN.“ gegeben und ein neues Logo als sichtbares Zeichen des Aufbruchs entwickelt. War das frühzeitige Erkennen der Kreislaufwirtschaft einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren von Walter Feeß, besteht die Herausforderung nun darin, die nächsten technologischen Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und aktiv mitzugestalten.
Zukunft und Verantwortung im Familienunternehmen
„Themen wie Elektrifizierung, Dekarbonisierung, Digitalisierung und die sich ständig verändernden gesellschaftlichen sowie regulatorischen Rahmenbedingungen werden unsere Branche in den kommenden Jahren maßgeblich prägen,“ so Alexander Feeß. Es gelte, Bewährtes fortzuführen und neue Lösungen zu entwickeln, damit nachhaltiges Wirtschaften auch künftig wirtschaftlich erfolgreich bleibe. „Genau diese langfristige Perspektive und die Bereitschaft, Verantwortung über Generationen hinweg zu übernehmen, macht inhabergeführte Familienunternehmen wie unseres heute zu etwas Besonderem – und leider auch zu etwas immer Seltenerem,“ sagt Feeß.

