pm. Die Feess-Gruppe hat 2025 die GL Abbruch GmbH im Stuttgarter Neckarhafen zu 100 Prozent übernommen. Da Inhaber Gerhard Ludwig altershalber keinen Nachfolger fand, hatte sich der Bauschuttrecycler schon 2018 an dessen Spezialfirma beteiligt und wurde 2020 zudem dessen Vermieter. „Neben zehn Millionen Euro Jahresumsatz und viel Know-how hat die GL Abbruch, die ihren Namen behalten hat, renommierte Kunden bundesweit mitgebracht“, begründet Geschäftsführer Alexander Feeß die Übernahme. Sein Vater Walter ist Ludwigs Jahrgang und hatte selbst seine Feess-Gruppe mit 300 Beschäftigten und 75 Millionen Euro Jahresumsatz 2024 seinen drei Kindern überschrieben.
Spezialisierung auf schwierige Abbrüche
Ludwig hatte sich in den 1980er-Jahren in Esslingen selbstständig gemacht und war anfangs von der Familie Feeß unterstützt und gefördert worden, bei der er bereits zuvor in seiner Freizeit ausgeholfen hatte. Weil ihn die Herausforderung reizte, spezialisierte sich der Übergeber von Anfang an auf schwierige Abbrüche – etwa in der Stuttgarter Fußgängerzone, wo Gebäude sehr hoch sind, wenig Platz zur Verfügung steht und der Rückbau schnell gehen muss.
So war der 72-Jährige 1996 bundesweit der Erste, der einen brandneuen Spezialbagger von Caterpillar kaufte, der bis in 21 Meter Höhe greifen kann. Üblich waren bis dahin nur zehn Meter. Schon 1988/89 gewann Ludwig bundesweit Ausschreibungen und demontierte etwa in Kaiserslautern das alte Stadtwerksgebäude und ganze Straßenzüge.
Freundschaft und handfeste Synergien
„Damals bestätigte die Firma Feess schriftlich, dass sie mich unterstützen würde, wenn ich zeitlich in Verzug käme“, sagt der Übergeber, der seit seiner Jugend mit Walter Feeß freundschaftlich verbunden ist. Diese Bürgschaft habe sein Wachstum begünstigt. Im Gegenzug holten die Kirchheimer oft mit ihrer Lkw-Flotte dessen anfallenden Bauschutt, lasteten so ihre Aufbereitungsanlagen aus und erhielten dadurch häufig zusätzlich den Zuschlag für den Erdaushub auf den geräumten Arealen.
Für Erdarbeiten war GL deshalb schon lange vor der Übernahme der größte Kunde von Feess. „So sind Synergien auf allen Ebenen entstanden, die den Auftraggebern und uns nützen“, sagt Alexander Feeß. Bis nach Belgien bekam die GL Abbruch Aufträge, demontierte in Düsseldorf eine US-Kaserne im Auftrag der Flughafen-Gesellschaft, arbeitete in Köln für den Gerling-Konzern oder demontierte in Bochum eine Werkhalle mit knapp einer Million Kubikmeter umbautem Raum.
Preiskampf auf dem regionalen Markt
Alexander Feeß betont: „Über Ludwigs Know-how sind auch wir im Abbruch immer wieder an komplexe Aufträge gekommen.“ Auch im Neckarhafen direkt an der B10 bei Hedelfingen, wohin GL Abbruch 2020 seinen Firmensitz verlegte, teilen sich beide Firmen seit Jahren ein Feess-Areal mit Büros, Verwaltung und Werkstatt.

Heute arbeitet das GL-Team nur noch im Umkreis von maximal 100 Kilometern um Stuttgart. Hier bewältigen sie bis zu 50 große Abbrüche pro Jahr, die teils sechs Monate dauern. Statt bis zu 600 Anfragen, wie in guten Jahren üblich, kommt aktuell allerdings nur noch die Hälfte herein. Die Folge: Trotz gestiegener Kosten sind die Preise um bis zu 30 Prozent gesunken, weil sich mehr Anbieter um weniger Projekte bewerben.
Nachhaltigkeit schützt vor Krisen
Feeß ist sich sicher, durch den Zukauf wettbewerbsfähiger geworden zu sein. Für seine Branche spreche generell, dass man sie nicht nach Asien oder in die USA auslagern kann. Und mit seinem Nachhaltigkeitsprofil, das vom sortenreinen Rückbau bis zur Verwertungsquote von 95 Prozent reicht, liefert das Unternehmen die Antworten, die der Markt braucht.
Schon 2021 hatte Feess beispielsweise die Hälfte der Anteile an der WM Kreislaufwirtschaft (WMK) erworben, einem 17-Mann-Betrieb, der in Denkendorf Altholz wiederverwertet. Die Abbruch- und Containerdienstsparte der Feess-Gruppe bringt sich hier mit eigenen Transportkapazitäten ein. Das Holz stammt von eigenen Demontagen – wie etwa den 800 Tonnen, die beim Rückbau des früheren Esslinger Landratsamtes anfielen – sowie von Material, das Dritte auf den Feess-Wertstoffhöfen anliefern.
Ganzes Spektrum der Holzverwertung
Bis zu 45.000 Tonnen Altholz von knapp 80 Kunden aus dem Umkreis von 50 Kilometern nehmen die Denkendorfer jährlich von Gewerbetreibenden wie Messebauern oder Schreinereien entgegen bzw. holen es bei Abbruchunternehmen, Containerdiensten oder Kommunen ab.
Die WMK deckt hierbei das gesamte Spektrum an verwertbaren Althölzern ab, vom unbehandelten Palettenholz (A I) bis hin zu Fensterrahmen und imprägnierten Konstruktionshölzern (A IV).
www.gl-abbruch.de
www.wm-k.de

