Vortrag von Sarah Hanisch im Biosphärenzentrum in Münsingen
„Felsen als Lebensraum für Pflanzen“

Großes Felsvorkommen prägt das Landschaftsbild der Schwäbischen Alb. Was an Extremstandorten wächst und gedeiht, ist Thema der Masterarbeit von Sarah Hanisch, die im Biosphärenzentrum vorgestellt wurde.

Region. Nur selten hat es bei einem Vortrag im Biosphärenzentrum in Münsingen so viele Besucher gegeben. Das Interesse an den Forschungsergebnissen von Sarah Hanisch war groß, immerhin untersuchte sie zehn Felsen, darunter den Beurener Fels und den Heimenstein im Landkreis Esslingen, sowie den Wackerstein und den Sonnenfels im Landkreis Reutlingen.

Ihre Masterarbeit am Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie Hohenheim wurde vom Biosphärenzentrum Schwäbische Alb sowie vom Deutschen Alpenverein Landesverband Baden-Württemberg begleitet und finanziell unterstützt und zeigt deutlich, dass Pflegemaßnahmen an Felsen dem Artenreichtum von Pflanzen durchaus zuträglich sind, sofern sie sinnvoll gesteuert werden.

„Felsen stellen einen besonderen Lebensraum dar“, stellte Hanisch gleich zu Beginn klar. So sind sie wohl die einzigen Biotope, auf die der Mensch – wenn er die Felsen nicht beklettert – keinen direkten Einfluss hat. An den sonnenbeschienenen Wänden herrscht mit der „Xerothermvegetation“ ein einzigartiges Vorkommen, während an den beschatteten Standorten hauptsächlich Moos- und Farnarten zu erkennen sind. An den Felsen der Schwäbischen Alb herrscht im Sommer eine Hitze mit Temperaturen über 40 Grad und im Winter eisige Winde und Fröste. Für manche Pflanzenarten bieten diese Extreme exzellente Lebensbedingungen.

Wie wertvoll diese „grauen Riesen“ als Lebensraum für speziell angepasste und seltene Lebewesen sind, hat die Studentin durch ihre Forschung aufgezeigt. Hauptsächlich die Felsen auf der mittleren Kuppen­alb nahm sie unter die Lupe, der Lämmerfelsen bei Hayingen in der Kernzone Glastal stellt hier eine Ausnahme dar. Wichtig war Sarah Hanisch, annähernd vergleichbare Felsstrukturen gegenüberzustellen, um auch Unterschiede sichtbar machen zu können. An einem Felsen wählte sie hierzu durchschnittlich drei verschiedene Standorte aus, die sie markierte. Sie fertigte Skizzen und Aufnahmen von den wichtigsten Vorkommen wie Gehölzen und geschützten wie auch prägenden Arten an und leitete sie über Informationen von Forstämtern, den Einflüssen auf die Felswände und von alten Fotografien die Stufen der Pflegeintensität her. Der Beurener Felsen hat sich ihr ebenso wie der Schlupffelsen stark freigestellt präsentiert, im unteren Bereich von Wald bedeckt.

Vorwiegend an den stark besonnten Standorten hat sich ein reiches Pflanzenvorkommen gezeigt, insbesondere gefährdete Arten von der Roten Liste Baden-Württemberg wie Pfingstnelken, Immergrüne Felsenblümchen, Hasenohr-Habichtskraut oder Fränkisches Habichtskraut ziehen die oberen Standorte mit starker Besonnung vor. Am häufigsten treten Blaugras, Seidenmoos, Margeriten, Weiße Fetthenne, Bleicher Schwingel zutage, doch auch untypische Gewächse wie Waldhabichtskraut, Knoblauchrauke, Walderdbeere oder Wiesenrispengras können festgestellt werden. Mit Liguster, Eschen und Gewöhnliche Zwergmisteln ist das Gehölz am stärksten vertreten, vereinzelt sind auch Mehlbeere und Vogelkirsche zu erkennen.

„Pflegemaßnahmen beeinflussen vorwiegend die unteren Bereiche. Das Entfernen von Bäumen bringt mehr Licht, was eine höhere Artendiversität zur Folge hat. Doch gleichzeitig treten dann auch wieder mehr Gehölze auf“, führte Hanisch aus und leitete daraus wieder eine Gefährdung der Xerothermvegetation ab. „Pflegemaßnahmen helfen zwar, doch sie müssen schonend innerhalb eines weiterführenden Programms durchgeführt werden“, so ihr Fazit. Die vorhandene Xerothermvegetation könnte nur durch selektive Gehölzentfernung und durch eine regelmäßige Kontrolle und fortsetzende Pflege geschützt werden. Eventuelle Stickstoffeinträge haben sich durch die Vegetation nicht nachweisen lassen. Doch das könnte auch am Wassermangel liegen, der eine Aufnahme des Stickstoffs nicht zulässt. Mit ihrer Masterarbeit hat Sarah Hanisch den Grundstein für ein langfristiges Monitoring der Entwicklung der Felsvegetation an den untersuchten Felsen gelegt.