Bissingen. Mehr als 100 Freiwillige – mit dieser Resonanz war Sonja Strobel, Landschaftsplanerin im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, höchst zufrieden. Der Schwäbische Albverein war mit den Ortsgruppen von Hepsisau und Bissingen-Nabern vertreten, der Deutsche Alpenverein (DAV) half mit, hinzu kamen Einzelhelfer und Jugendliche aus Bissingen, Unterensingen und von der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte. Alle Junior Ranger hatten einen Brief mit einer Einladung bekommen, überraschend viele hatten zugesagt. Für ihre Mitarbeit bekamen sie einen Eintrag in den Junior-Ranger-Pass. Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf schätzte das Durchschnittsalter der Freiwilligen auf etwa 30 Jahre. Vorbildlich packte auch der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann mit an.
Erst nach Mitternacht war der Erste Landesbeamte Matthias Berg von der 125-Jahr-Feier der Feuerwehr Deizisau heimgekehrt. Trotzdem begrüßte er am Samstag um neun Uhr die Freiwilligen, die sich bei der Ziegelhütte versammelt hatten. Er tat es freudig, „an diesem herrlichen, wunderschönen Morgen, zu einem Landschaftspflegeeinsatz, bei dem uns geländegängig, wetterfest und gut verpackt ein Haufen Arbeit erwartet“. Bis sich die Sonne zeigte, herrschten frische vier Grad Celsius, da war die Wollmütze sehr nützlich.
Es war der neunte Landschaftspflegetag. Eingeladen hatten das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, das Referat Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Stuttgart und die Gemeinde Bissingen. Der Pflegetag wechselt jährlich zwischen den Naturschutzgebieten Schopflocher Moor und Randecker Maar. Letzteres ist für Berg „eines der schönsten Fleckchen überhaupt, ein Teil des Geoparks, eines von bundesweit 77 als besonders schutzwürdig befundenen Geotopen“. In diese Liste wurde der ehemalige Vulkankrater 2006 aufgenommen. Einen See gebe es hier nicht, weil der Krater über die Zipfelbachschlucht entwässert werde, erläuterte Berg. Dies zu ändern, sei einmal als Aprilscherz vorgeschlagen worden.
Der Pflegetrupp des Regierungspräsidiums Stuttgart hatte gut vorgearbeitet, hoch türmte sich das Schnittgut. Die Freiwilligen sollten es über den rutschigen, mit Schafskügelchen gut gedüngten Hang zu einem der drei Feuerstellen bringen. Auf dem ganzen Areal wuselte es nur so, bei großen oder schweren Teilen packten mehrere Freiwillige gemeinsam an. Das zum Abtransport bereitliegende, teils dornige Gestrüpp hatte sich vereinzelt so verhakt, dass nochmals der Mann mit der Motorsäge ran musste. Auf Grund der Feuchtigkeit dauerte es einige Zeit, bis das Schnittgut brannte, doch die Profis des Pflegetrupps waren letztlich erfolgreich: Feuer im ehemaligen Vulkan.
„Das Land wäre völlig überfordert, wenn wir das alleine machen müssten“, sagte Schneider. „Wir alle helfen jetzt mit, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt. Rotmilan, Zauneidechse, Feuersalamander und Admiral bleiben nur hier, wenn wir dafür sorgen, dass die gesamte Landschaft hier nicht verbuscht.“ Schneiders Dank bestand nicht nur aus warmen Worten. Am Ende der Aktion wartete an der Ziegelhütte ein vom Regierungspräsidium bezahltes Mittagessen.
