Esslingen. Im voll besetzten Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne saßen zwar nur wenige Handballer, doch vieles von dem, was Heiner Brand über Teambildung, Motivation und Führung weiß, gilt in ähnlicher Weise auch in einer Firma. Das beginnt schon bei der Auswahl des Personals: „Ich brauche Spieler, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen, und keine Egoisten“, sagte der Mann mit dem markanten Schnauzbart. Deswegen spielten bei ihm nicht unbedingt die besten Spieler, sondern die beste Mannschaft.
Doch was muss ein Trainer tun, um eine funktionierende Mannschaft zu formen? Für Heiner Brand gehören dazu zum Beispiel klare Regeln, an die sich alle halten müssen: Was er damit meint, zeigte der Bundestrainer anhand von Ausschnitten aus dem Film „Projekt Gold“, der während der WM 2007 entstanden ist. Da kassierten die Nationalspieler einen ordentlichen Rüffel, weil sie sich vor einem entscheidenden Spiel eine Pizza aufs Zimmer bestellten. Andererseits müsse man in Ausnahmefällen auch mal ein Auge zudrücken: Nach dem gewonnenen Halbfinale durfte das Team dann mit dem Segen des Trainers zu McDonalds.
Ein Coach muss klare Vorstellungen haben, aber kein Alleinherrscher sein, findet Brand. Deshalb befragt er vor wichtigen Entscheidungen oft seine Führungsspieler. Bei den Reservisten ist dagegen Feingefühl gefragt: „Ihnen muss man immer wieder ihren Anteil am Erfolg klarmachen“, sagte der Nationaltrainer.
Und wie kann man eine Mannschaft motivieren? Geldscheine an die Kabinentür zu pinnen, wie es einst Christoph Daum getan hat, bringe nichts, glaubt Brand. „Ich habe früher weder vor noch während eines Spiels an die Siegprämie gedacht“, erinnert sich der 58-Jährige, der 1978 auch als Spieler Weltmeister war. Entscheidend ist für ihn, dass die Spieler Spaß haben und man ihre Leidenschaft weckt. Ein Satz bringt das für Heiner Brand auf den Punkt: „Ich will das Feuer in euren Augen sehen.“
Ob das auch in einem Betrieb funktionieren kann, darüber diskutierten Unternehmer aus der Region anschließend auf dem Podium. Wie wichtig ein positives Klima für die Arbeitsleistung ist, hat beispielsweise Friseurmeister Peter Staib aus Reichenbach festgestellt. Deshalb geht er jeden Morgen mit einem Lächeln in seinen Salon, „auch wenn ich mich manchmal dazu zwingen muss.“ Ein „Klima der Angstfreiheit“ forderte Martin Peters, geschäftsführender Gesellschafter beim Automobilzulieferer Eberspächer. Wer ständig um seinen Job fürchten müsse, könne keine kreativen Gedanken entwickeln. Und: Jeder Mitarbeiter sollte – wie im Sport – dort eingesetzt werden, wo er am wertvollsten ist: „Der beste Entwickler ist noch lange kein guter Chef.“ Stattdessen brauche man „Führungskräfte, die sich empathisch auf die Menschen einstellen können“, findet Klaus-Peter-Friedrich, Personalchef bei der Kreissparkasse. Eben Typen wie Heiner Brand.
