Verschönerungsverein war zu Gast im Feuerwehrmuseum in Kirchheim – „Standort des Museums nicht befriedigend“
„Feuerwehrgeschichte erleben“ mit eindrucksvollen Exponaten

Die Mitglieder des Kirchheimer Verschönerungsvereins besuchten jüngst das Feuerwehrmuseum in der Henriettenstraße 84 und bewunderten die eindrucksvollen Exponate.

Kirchheim. Am 10. Oktober 1991 wurde der „Verein der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim“ gegründet. Die 28 Gründungsmitglieder wählten Norbert Kugel zum Vorsitzenden. Im November 2009 erfolgte die feierliche Einweihung des „Feuerwehr-Museums Kirchheim“ in der Hen­riettenstraße 84. 50 000 Euro hatte die Stadt Kirchheim gespendet, 5 000 Euro die „Kirchheimer Bürgerstiftung“. Dazu kamen viele Spenden von Privatleuten, Firmen und befreundeten Vereinen – unter anderem vom Verschönerungsverein Kirchheim. Als Dankeschön dafür führte Norbert Kugel jüngst die Mitglieder des Verschönerungsvereins durch „sein“ Museum.

„Feuerwehrgeschichte erleben“: So lautet das Motto des Feuerwehrmuseums. Vor 1848 gab es in Kirchheim noch keine ordentliche Feuerwehr, sondern nur eine allgemeine „Feuerordnung“, nach der jedes erwachsene Gemeindemitglied verpflichtet war, bei einem Feueralarm mitzuhelfen. Eindrucksvoll demonstrieren dies im Museum zwei lebensgroße Puppen, die eine originale Handfeuerwehrspritze aus Jesingen bedienen. Jeder Kirchheimer Haushalt hatte damals Feuereimer bereit zu halten, damit im Brandfall Menschenketten von den Schöpfstellen zum Brandort und zur Feuerwehrspritze gebildet werden konnten. Einige dieser Feuerlöscheimer sind im Museum zu besichtigen.

Dass die damalige Brandbekämpfung nicht ohne Pannen und Kompetenzstreitigkeiten ablief, beweist ein Bericht über einen Großbrand in der „Heidenschaft“ im August 1848. Der Markgraf von Baden weilte damals zu Besuch bei Herzogin Henriette und bezeichnete die Löschmaßnahmen der Kirchheimer als „sehr verbesserungsbedürftig“. Herzogin Henriette schickte daraufhin drei Kirchheimer nach Karlsruhe-Durlach. Dort lernten sie das 1846 gegründete „Pompiers­Corps“ kennen, den ersten modernen Feuerwehrverein im heutigen Baden-Württemberg. Überzeugt von den Vorteilen einer freiwilligen Feuerwehr und finanziell gefördert von Herzogin Henriette wurde in Kirchheim am 14. Februar 1849 ein ­„Feuerwehrcorps“ ins Leben gerufen. Nach französischem Vorbild war dieses Freiwilligenkorps militärisch strukturiert, was auch die Uniformen und Orden demonstrieren, die seit dieser Zeit alle Feuerwehrleute im Einsatz tragen und die im Museum in verschiedenen Varianten zu bewundern sind.

Mit der Dampfzugtechnik fand auch die Dampfspritze ihren Eingang in das Feuerwehrwesen: Die „Magirus Dampfspritze“ von 1908 ist wohl der Star unter den Feuerwehrfahrzeugen des Museums. Gezogen wurde sie von Pferden. Das Herzstück stellt ein mit Nadelholz beheizter 60-Liter-Wasserkessel mit 150 stählernen Siederohren dar. Der Dampfdruck war gefährlich und führte bei manchen Einsätzen zu Explosionen. Unter Anleitung von Norbert Kugel hatte der Verein die im Jahr 1999 übernommene Dampfspritze in alle Einzelteile zerlegt. Anschließend wurde sie unter Aufsicht des TÜV wieder zusammengeschweißt. Am 8. Mai soll anlässlich der feierlichen Einweihung der „Technikmeile“ in der Henriettenstraße die volle Funktionsfähigkeit dieses „Technikmonsters“ vorgeführt werden.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts führten die neuartigen Verbrennungsmotoren zu weiteren Verbesserungen der Feuerwehrtechnik. Einen echten „Oldtimer“ stellt die „Magirus Kraftspritze 20“ aus dem Jahr 1923 dar, die aus dem Nachlass der Werksfeuerwehr von „Kolb & Schüle“ stammt. In 3 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurde sie einsatzbereit gemacht. Ihr folgt dem Alter nach das „Hansa-Lloyd-Löschfahrzeug“ von 1937 – weltweit das einzige seiner Bauart. Ein „Mercedes-Exot“ ist auch die originalgrüne „Mercedes-Magirus-Drehleiter“ von 1941, einst Teil der Werksfeuerwehr bei der Firma Otto in Wendlingen. Mit der „Rundhauber-Magirus-Drehleiter 25“, Baujahr 1961, belegte man 1991 beim Deutschen Feuerwehr-Oldtimerfest in Fulda den fünften und mit dem „Eckhauber-Magirus-Löschfahrzeug 16“ von 1967 sogar den ersten Platz.

Der jetzige Standort des Museums, weit außerhalb der Innenstadt, ist für das Feuerwehrmuseum nicht hundertprozentig befriedigend. Außer bei Stadtfesten bleiben die Schätze des Feuerwehrmuseums in der Regel unbeachtet. Die Mitglieder des Verschönerungsvereins diskutierten deshalb über die Frage, ob man nicht in naher Zukunft einen Teilbereich des Kornhauserdgeschosses für den Verein „Historische Feuerwehren“ reservieren könnte, um mit den Exponaten die Attraktivität der Innenstadt zu steigern und den drohenden Dornröschenschlaf des Museums zu verhindern. Mit der „Ausstellung ­Doris Nöth“ 2009 hatte man schließlich bewiesen, dass sich zeitgenössische Kunst durchaus erfolgreich mit musealen Elementen kombinieren lässt. Um einen großen Oldtimer ins Erdgeschoss des Kornhauses fahren zu können, müsste man nur das Renaissanceportal an der Nordseite des Kornhauses rekonstruieren, das 1949 bei Umbauarbeiten völlig zerstört wurde.

Als Alternative würde sich das neu zu gestaltende Otto-Ficker-Areal anbieten. Auf diese Weise könnte das Feuerwehrmuseum mit seinen innerstädtischen „Dependancen“ zur Attraktivität der Kirchheimer Kernstadt beitragen und gleichzeitig für die eigene Sache werben. fh