Festakt: Weilheimer Feuerwehr feiert 150-jähriges Bestehen – Ehrenmedaille für Hermann Bauer
Feuerwehrleute sind „Aktivbürger“

Mit einem würdevollen Festakt gedachte die Weilheimer Wehr am Samstagabend ihrer Gründung im Jahr 1861. Wie ein roter Faden zog sich das segensreiche Wirken bürgerschaftlichen Engagements durchs kurzweilige Programm, das auf die Historie abhob.

Weilheim. „Feuer!“ – diesen Ausruf stellte Kommandant Norbert Wahl seinem Rückblick voran. Bei diesem Schrei fuhr es den Menschen früher durch Mark und Bein. Nicht nur, weil sie Bedrohung für ihren spärlichen Wohlstand empfanden, sondern sich um Leib und Leben fürchteten. Schon im Dokument „Ordnung in Feurß Nöten und waß solchem anhengig“ aus dem Jahre 1571 wurden in Weilheim Maßnahmen zu Brandschutz und Brandbekämpfung aufgeführt. An die 300 Jahre später beschloss der Gemeinderat die offizielle Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr und stattete die Mannen sogleich mit allerlei Gerätschaften und einer Spritze aus. Akribisch lis­

tete Norbert Wahl die Ereignisse der Weilheimer Feuerwehrhistorie auf, wobei er Kritik an Entscheidungen früherer Gemeinderäte nicht ausließ.

Auch Bürgermeister Johannes Züfle hob in seiner Rede auf das segensreiche Wirken der Feuerwehr ab: „Das ist wahrhaft ein großer Grund zur Freude“. Sichtliches Vergnügen bereitete dem Stadtoberhaupt zudem die Aussage des Kommandanten, dass die Weilheimer Wehr im Jubiläumsjahr über den bestmöglichen Ausrüstungsstand verfüge. Wichtig war dem Bürgermeister der Hinweis auf die sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit der Stadt und ihrer Organe mit der Feuerwehrführung. Zum Schluss lud er zum Jubiläumsfest im September ein.

Zwischen den Reden spielte die Stadtkapelle Weilheim mehrmals auf und demonstrierte mit flotten Melodien ihr Können und die große Bandbreite des Blasmusikorchesters.

Landrat Heinz Eininger erwähnte in seinem Grußwort den vom Landkreis gewährten Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro zur Beschaffung der neuen Drehleiter, die auch im Hinblick auf die Stärkung der Stützpunktfunktion gefördert worden sei.

Ferner konstatierte der Landrat: „Jede Gemeinde ist gut beraten, das Feuerlöschwesen als einzige öffentliche Aufgabe der Gemeinde, die im Ehrenamt erbracht wird, nach Kräften zu unterstützen“. Die Glückwünsche des Landesfeuerwehrverbandes überbrachte Geschäftsführer Willi Dongus. „Das Wenige, was du tun kannst, ist viel.“ Mit diesem Zitat von Albert Schweitzer unterstrich Dongus den Sinn ehrenamtlicher Tätigkeit, auch im Hinblick auf die kostengünstige Erbringung einer öffentlichen Aufgabe.

Nur im Schnitt 40 Euro je Kopf koste das Feuerlöschwesen den Steuerzahler im Land. Auch zukünftig würden die Frauen und Männer in der Wehr den „Aktivbürger“ verkörpern, so wie es bereits in den abgelaufenen 150 Jahren der Fall gewesen sei. Als Jubiläumsgabe hielt Dongus einen Ehrenteller parat.

Plochingens Bürgermeister Frank Buß, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, bezeichnete Weilheim als wichtigen Baustein in der Sicherheitsarchitektur des Landkreises. Dies vor allem hinsichtlich der Aufgaben Weilheimer Floriansjünger auf der Autobahn und am Alb­aufstieg.

Frank Buß hatte auch die ehrenvolle Aufgabe, Weilheims Alt-Bürgermeister Hermann Bauer für dessen 37-jährige Tätigkeit als obers­ter Feuerwehrchef der Zähringerstadt mit der höchsten Anerkennung des Deutschen Feuerwehrverbandes, der Ehrenmedaille, auszuzeichnen.

Hermann Bauer freute sich über die unerwartete Ehrung und resümierte zufrieden über seine Amtszeit: „Ein Rad hat stets ins andere gegriffen“.

Das gute nachbarschaftliche Verhältnis im Verwaltungsraum Weilheim dokumentierten die Wehren aus Bissingen, Holzmaden, Neidlingen und Ohmden durch einen gemeinschaftlichen Auftritt ihrer Führungsmannschaften. In launigen Worten hoben die Kommandanten Volker Bertsch und Bernhard Greiner auf die annähernd 40-jährige Zusammenarbeit bei Einsätzen, gemeinsamen Übungen und Feuerwehrolympiaden ab. Die Sachlage „Man kennt und hilft sich“ würde heute, dem Zeitgeist folgend, als „interkommunale Zusammenarbeit“ umschrieben. Als Geschenk gab es ein historisches Dampffeuerwehrauto. Joachim Kamin als Vertreter der 36 Weilheimer und Hepsisauer Vereine schloss den Reigen der Grußworte, ehe die Musikkapelle zum Ständerling für alle Gäste überleitete.