Esslingen. Den Inhalt von 24 Aktenordnern in eine 38-seitige Bewertung einzudampfen, das war für den Kirchheimer Kreisrat Albert Kahle, FDP, schon einen Dank an die Kreisverwaltung wert. So geschehen in jüngster Sitzung des Ausschusses für Technik- und Umwelt, als es um die Stellungnahme des Landkreises zum „berühmt-berüchtigten“ Teilstück 1.3 auf den Fildern zwischen Stuttgart und Wendlingen im Planfeststellungsverfahren der Aus- und Neubaustrecke Stuttgart-Augsburg ging.
Dabei rückte für die Kreisräte vor allem die Verkehrsdrehscheibe Filderbahnhof in den Fokus. Dort nämlich kommen S-Bahn, Stadtbahn, Fern- und Regionalzüge sowie Buslinien zusammen. Und das muss funktionieren. Deshalb beantragte Professor Dr. Wilfried Nobel, SPD, die Stellungnahme der Kreisverwaltung zu ergänzen, in der es um die Belange des öffentlichen Personennahverkehrs geht.
Nobel forderte von der Deutschen Bahn (DB) einen funktionsfähigen S‑Bahnbetrieb und eine klare Trennung zwischen dem Fern- und Regionalverkehr im Filderbahnhof und dem S-Bahnverkehr in der Station Terminal. „Mischverkehre haben erhebliche betriebliche Nachteile“, und die wollte der Professor nicht in Kauf nehmen.
Auch für Dieter Lentz, Freie Wähler, war dies der Knackpunkt in der Stellungnahme. „Die ist noch ergänzungsfähig“. Lentz machte den wunden Punkt im eingleisigen Schienenstrang fest, auf dem beide – der „schnelle Hirsch“ und die S-Bahn – rollen. „Da ist keine Begegnung möglich“. Und die Verknüpfung zwischen Bus und Bahn im Dreh- und Angelpunkt Flughafenbahnhof funktioniere auch nur bei einem optimierten Betriebssystem. „Darüber aber gibt es keine Nachweise“, monierte Dieter Lentz.
Unterstützung erhielten Wilfried Nobel und Dieter Lentz von Andreas Schwarz, Grüne, der im Landtag den Arbeitskreis Verkehr und Infrastruktur leitet. „Die Verkehrsdrehscheibe da oben muss funktionieren“. Schwarz hielt die Planungen der Bahn im Filderabschnitt aus verkehrlicher und betrieblicher Sicht für sehr problematisch. Zum einen gebe es im Bereich der Rohrer Kurve niveaugleiche Kreuzungen zwischen der aus Süden kommenden Gäubahn und der aus Norden kommenden S-Bahn. Nach Leinfelden-Echterdingen würden dann Intercityzüge, Regionalzüge und S-Bahn-Züge auf derselben Strecke fahren.
„Gerade dieser Mischverkehr zwischen schnellen Fernverkehrszügen und langsamen, an jeder Station haltenden Nahverkehrszügen, macht das Eisenbahnnetz verspätungsanfällig und instabil“, war sich der Grünen-Kreisrat mit Dieter Lentz einig.
Auch Schwarz war es wichtig, dass der Landkreis in seiner Stellungnahme deutlich macht, dass die Zuverlässigkeit und die Pünktlichkeit der S-Bahn-Züge – insbesondere in der Spitzenstunde – nicht unter den Planungen im besagten Abschnitt leiden darf. „Die Deutsche Bahn AG muss diesen Punkt berücksichtigen“. Das gelte erst recht, wenn die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen und später ins Neckartal komme. Zwar sei derzeit ein 30-Minuten-Takt nach Neuhausen vorgesehen, „doch Infrastruktur baut man ja für 50 bis 100 Jahre“, so Schwarz. Hier müsse sichergestellt werden, dass das Schienennetz auch kürzere Taktzeiten als den 30-Minuten-Takt zulasse.
Eine weitere Frage, die den Kirchheimer Grünen beschäftigte, war die, ob die Gemeindefeuerwehren die Verantwortung für den Filderbahnhof übernehmen können? In diesem Zusammenhang verwies Landrats-Vize Matthias Berg auf eine große Brandschutzkonferenz, an der neben dem Landkreis Esslingen die Städte Stuttgart, Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt, die Messe, der Flughafen mit seiner Berufsfeuerwehr und der Landkreis Göppingen teilnahmen. Die Konferenz habe sich damit beschäftigt, was im Notfall 30 Meter unter der Erde stattfinde.
Einmütig beauftragte der Ausschuss die Kreisverwaltung, ihre Stellungnahme zu ergänzen. Die Bahn soll darin verpflichtet werden, das Funktionieren des S-Bahnverkehrs im Zusammenspiel mit Bussen, Fern- und Regionalbahn nachzuweisen. Damit war auch Landrat Heinz Eininger einverstanden, denn seine Erfahrung mit der Bahn war, „was nicht gefordert wird, wird auch nicht geleistet. Deshalb müssen wir hier sehr nachdrücklich sein“.