Nürtingen. Seit sieben Jahren vertritt Frey die Landesnaturschutzverbände als Sprecher. Im Zuge dieser Tätigkeit hat sich bei ihm einiger Frust angestaut über die Wirkungslosigkeit seines Tuns. Seit zwei Jahren trägt er sich mit dem Gedanken, das Amt niederzulegen, nun hat er es getan. Der Zusammenfall mit der Entscheidung zum Wörth ist dabei rein zufällig, denn im Forum Wörth möchte Frey weiter mitarbeiten. Auch die Teufelsbrückeninitiative, der BUND und andere müssen künftig nicht auf sein Fachwissen verzichten.
Nur die Behörden auf seine Stellungnahmen. Rund 600 hat Frey in den vergangenen sieben Jahren zu den verschiedensten Naturschutzthemen geschrieben. „Ein Vollzeit-Job“, wie es Frey beschreibt. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht: „Alle Kollegen bedauern, dass ich das Amt niederlege, aber keiner will es übernehmen, da auch keiner meine Aussagen infrage stellt.“
Frey geht in einer Stellungnahme zu seinem Rücktritt mit dem Umweltschutz in seiner seit der Verwaltungsreform unter Ministerpräsident Erwin Teufel bestehenden Form scharf ins Gericht. Die Ebene, die über Bauen und Landschaftsverbrauch entscheide, habe relativ freie Hand. Für sie sei die Natur nur eine Verfügungsmasse, eine Sache, die ge- und verbraucht werden könne.
In den vergangenen Jahren hat er im Zuge floristischer Kartierungen beobachtet, wie die Artenvielfalt schwindet. Absicht stehe nicht dahinter, aber Gleichgültigkeit, Unwissenheit oder Gewinnstreben. Die Umweltschutzverbände könnten zwar Stellungnahmen abgeben, doch oft lägen bei Besprechungen mit den Behörden nicht alle Fakten auf dem Tisch. Frey berichtet, dass er, wenn er nachschaut, häufig Arten entdeckt, die gar nicht von den Behörden angegeben waren. „Wer kontrolliert die Kontrolleure, die sich selbst kontrollieren und wegen Personalmangels völlig überfordert sind?“, fragt Frey.
Ehrenamtlich und mit den Naturschutzvereinen, die nur wenige Mittel haben, sei die Arbeit gar nicht zu leisten. Echte Kontrolle könnte seiner Meinung nach dann stattfinden, wenn die Verbände finanziell so gut ausgestattet werden, dass sie sich hauptamtliche Mitarbeiter, etwa einen Biologen, leisten und den Verwaltungen etwas entgegensetzen können. Denn innerhalb der Verwaltung gebe es wenig Neigung, einander wehzutun. Ferner fordert Frey, den Umweltverbänden ein erweitertes Klagerecht einzuräumen und den Kommunen auch Minuspunkte auf ihr Ökokonto zu schreiben, wenn sie negativ in die Umwelt eingreifen.
Es gebe jedoch kaum eine Möglichkeit, Zwang auf eine Kommune auszuüben, wenn grobe Fehler passieren oder Ausgleichsmaßnahmen nicht umgesetzt werden. Frey kann viele Beispiele nennen, in denen ein Biotop zerstört und woanders – möglichst auf einer sonst wertlosen Fläche – etwas anderes entsteht, das sich wegen fehlender Pflege nicht entwickeln könne. In dieser bestehenden Form habe der Umweltschutz nur Alibi-Funktion, und dafür will sich Frey nicht mehr hergeben.
„Es wurde ein Punkt erreicht, an dem meine Person zu einem Hindernis für die Durchsetzung von naturschutzfachlichen Zielen werden kann. So, wie es inzwischen läuft, halte ich ein System in Schwung, dem ich abgeneigt bin, und ich habe kein Interesse daran, meine Kraft da einzuspeisen. Ein Weg zeigte sich als schlecht begehbar, also nehme ich einen anderen“, sagt er.
Nun gebe es eben keinen mehr, der für die Naturschutzverbände Stellungnahmen vor Bauprojekten schreibt. Frey hat Zeit für andere Aufgaben – und für seine Enkel. Und er verspricht: „So schnell werden die mich nicht los.“
