Bei der Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft Plochingen sind drei Anliegen einer
Initiative „gegen die Fusion“ nach Angaben des Vorstands abgesetzt worden. Die Abwahlen des Aufsichtsrats und eines Vorstandsmitglieds wurden nach langer Diskussion von der Tagesordnung genommen.
Hans-Joachim Hirrlinger
Plochingen. Immerhin 165 der 732 Genossen waren zur Versammlung in die Stadthalle gekommen, weit mehr als üblich. „Wir wollten eigentlich die Führungsriege wegbekommen“, sagt Heike Schubarth, eine von drei Sprechern der Initiative. Mit nach eigenen Angaben 180 Unterschriften von Mietern, die gleichzeitig Miteigentümer der Baugenossenschaft sein müssen, wären ihre Chancen nicht schlecht gewesen. Doch die Kritiker waren auf der Mitgliederversammlung zu schwach vertreten, um ihre Anträge durchzusetzen. Damit ist es ihnen nicht gelungen, den sechsköpfigen Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Peter Raviol zu ersetzen. Auch Bernd Weiler, der im Dezember aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand wechselte, darf dort weiterhin sitzen.
Die Mehrheit der Mitglieder hatte beschlossen, die drei Anträge von der Tagesordnung abzusetzen. Insbesondere eine Personalie hatte die Initiative empört, denn Weiler ist gleichzeitig Vorstandssprecher der Kreisbaugenossenschaft in Kirchheim. Im Februar hatten Vorstände und Aufsichtsräte beider Genossenschaften ihre Fusionspläne bekannt gegeben, die 2012 abgeschlossen sein sollen. Sie hatten das unter anderem damit begründet, dass die wesentlich kleinere Plochinger Gesellschaft aus eigener Kraft nicht in der Lage sei, ihren Wohnungsbestand zu modernisieren. Der Genossenschaft in Plochingen gehören 310 Wohnungen, die in den 50er- und 60er-Jahren vor allem auf dem Stumpenhof entstanden. Ihre Eigenkapitalquote beträgt mit 25 Prozent knapp die Hälfte der Kirchheimer Kreisbau, die bei fast 54 Prozent liegt. Die Kreisbau verfügt über knapp 1 300 eigene Wohnungen und ist zudem in der Verwaltung fremder Wohnungen tätig. Die Rücklagen betragen in Plochingen nicht einmal 1,3 Millionen Euro, in Kirchheim dagegen 24,5 Millionen.
„Unser Ziel ist, den Wohnungsbestand durch geeignete Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu erhalten oder auszubauen.“ Das erklärt die Baugenossenschaft Plochingen im Internet. „Auch in Zukunft werden wir uns der Herausforderung stellen und nach den Grundsätzen des genossenschaftlichen Gedankens handeln, sodass die Förderung der Mieter und Mitglieder unsere Aufgabe sein wird.“ Dazu gehöre vor allem anderen die Versorgung der Mitglieder mit bezahlbarem Wohnraum, in dem ein sicheres und sozialverträgliches Wohnen angeboten werden solle.
Dass das so bleiben wird, wenn die Genossenschaft 2012 wie geplant mit der Kreisbau in Kirchheim fusioniert, bezweifeln die Kritiker. Sie fürchten, dass die Mieten kräftig steigen und Mieter dadurch aus den sanierten Wohnungen verdrängt werden, wenn die Fusion gelingt. Wobei die Mieter eigentlich Genossen und deshalb Miteigentümer sind, die keine Miete, sondern ein Nutzungsentgelt bezahlen. Die Initiative kann auch nicht nachvollziehen, dass die Baugenossenschaft Plochingen so schlecht für die Modernisierung der Wohnungen aufgestellt ist. Die Begründung der Fusion sei wenig glaubwürdig, sagte Schubarth
. Die Sanierung sei angeblich aus eigener Kraft nicht möglich, aber gleichzeitig werde eine zweiprozentige Dividende ausgeschüttet.
