Lokales
Gefahr 
erkannt?

Burn-out ist in aller Munde, Krankenkassen verweisen darauf, dass sich jeder Vierte stark unter Druck fühlt. Die Folgen sind fatal: Stress rangiert unter den Ursachen für Krankschreibungen ganz oben, fast zehn Prozent aller Krankheitstage gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Allein deshalb darf das Thema nicht mehr tabuisiert werden. Die AOK macht es richtig, indem sie es an die große Glocke hängt. Burn-out geht nämlich alle an, wenn nicht persönlich, so zumindest als gesellschaftlicher Kostenfaktor. Deshalb macht „die Gesundheitskasse“ bewusst die Gesunden zur Zielgruppe. Sie sind aufgerufen, ihr Leben im Lot zu halten, von der Psyche über die Ernährung bis zum guten Körpergefühl. Gesunde sollen gesund bleiben.

Der Einzelne hat sein Schicksal weitgehend selbst in der Hand. Stress ist ein sehr subjektives Gefühl. Stress kann auch positiv wirken. Stress ist nicht selten hausgemacht und möglicherweise unnötig. Unter dem Gefühl, ständig beruflich erreichbar sein zu müssen, leiden auch Menschen, die gut und gerne mal zwölf Stunden offline gehen könnten, ohne dass die Firma Schaden nimmt.

Die Kunst liegt darin, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das gilt nicht etwa nur für den beruflichen Bereich, sondern auch fürs Privatleben. In der Welt der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten erhält man leicht das Gefühl, überall an die eigenen Grenzen zu stoßen und hinter den Erwartungen der Umgebung zurückzubleiben.

Aktionen wie „Lebe Balance“ sollen helfen, das zu finden, was lange als Work-Life-Balance etikettiert wurde, wobei die strikte Trennung beider Bereiche nicht unbedingt sinnvoll ist. Klar ist: Ächzen über Kollegen, den Partner oder die Umstände hilft nicht wirklich weiter. Jeder muss mit sich selbst ins Reine kommen. Sich über gefühlte Stressfaktoren und Unzufriedenheitsgefühle Gedanken zu machen, lohnt sich allemal, sowohl unter volkswirtschaftlichem Blickwinkel wie auch ganz persönlich.

Burn-out muss nicht sein. Nicht umsonst heißt es: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Zumindest ein Anfang ist nicht mehr schwer, seit Burn-out dank öffentlichkeitswirksamen Aktionen kein Tabuthema mehr ist.

IRENE STRIFLER