Dettingen. Der Verband Region Stuttgart hat im Raum Kirchheim potenzielle Standorte für Windkraftanlagen bekannt gegeben (wir berichteten). Demnach ist auch die Gegend rund um das Käppele auf Gemarkung Dettingen für die Erzeugung von Energie aus Windkraft geeignet. Dieses Areal ist zwar ausgewiesenes Flora-Fauna-Habitat sowie Vogel- und Landschaftsschutzgebiet und liegt am Rande des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Doch dies stellt für die Region Stuttgart kein Ausschlusskriterium mehr dar.
Die Gemeinde Dettingen hat dennoch erhebliche Bedenken und lehnt die Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Käppele ab. Dies hat sie in einer Stellungnahme an den Verband Region Stuttgart festgehalten. Bürgermeister Rainer Haußmann und Claudia Dörner von der Gemeindeverwaltung gingen in der vergangenen Gemeinderatssitzung näher auf diese Stellungnahme ein, die den Räten zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde.
Demnach stelle das 363,46 Hektar große Vorranggebiet auf dem Käppele ein äußerst beliebtes Erholungsgebiet dar. Hinzu komme, dass der Flächenverbrauch durch die Errichtung von Windkraftanlagen erheblich sei. Für die Errichtung und die spätere Wartung der Anlagen sei es zwingend notwendig, neue Straßen zu bauen. Für eine Windkraftanlage müssten mindestens 0,5 Hektar an Waldfläche gerodet werden. Das Ökosystem Wald werde dadurch erheblich gestört oder sogar zerstört. Außerdem gebe es auf dem Käppele zahlreiche Fledermaus- und Vogelarten, die durch eine Kollision mit den Rotoren tödlich verunglücken oder durch die Windkraftanlagen aus ihren Lebensräumen vertrieben werden könnten.
Bürgermeister Haußmann und Claudia Dörner stellten außerdem die Stellungnahmen des Dettinger Naturschutzbundes (NABU) und des Landratsamts Esslingen zu den geplanten Windenergieanlagen auf dem Käppele vor. Der NABU begrüßt zwar einerseits das energiepolitische Ziel der Landesregierung. Allerdings seien beim Ausbau der Windkraft die Belange des Natur- und Artenschutzes strikt zu beachten. Es sei erwiesen, dass an Windkraftanlagen Fledermäuse und Vögel zu Tode kommen. Außerdem sei es für Besucher sehr störend, wenn sie an „riesigen Betontürmen mit Rotoren vorbeigehen müssen“. Allein der Anblick solcher Anlagen in einem derart wertvollen Naherholungsgebiet sei der Bevölkerung nicht zuzumuten. Deshalb hält der NABU Windkraftanlagen auf dem Käppele nicht für sinnvoll.
Auch das Landratsamt geht auf „die Beeinträchtigung für das Landschaftsbild durch Windkraftanlagen“ ein, die als sehr hoch einzustufen sei. Außerdem gebe es forstliche und landwirtschaftliche Bedenken.
„Kann man auf einer Fläche von 363,46 Hektar keine 0,5 Hektar für eine Windkraftanlage finden?“, stellte Werner Hack (Freie Wählergemeinschaft) eine rhetorische Frage und fügte hinzu: „Warum schreibt das Landratsamt nicht gleich: Atomstrom ist uns gut genug!“ Hermann Pölkow (SPD) schlug in dieselbe Kerbe: „Wir reden immer von der großen Energiewende, aber überall haben wir nur eine Abwehrposition. Landesweit gilt das Sankt-Florians-Prinzip.“ Wenn man den Strom nur an der Nordsee produziere, koste das enorm viel Geld. „So werden wir das energiepolitische Ziel nicht erreichen.“
Werner Hack und Hermann Pölkow betonten unisono, dass es überaus wichtig sei, „vom Atomstrom wegzukommen“. Die Windenergie spiele dabei eine große Rolle. „Wenn es nochmals ein Tschernobyl geben sollte, dann existieren keine Fledermäuse und auch keine Menschen mehr“, gab Pölkow zu bedenken.
„Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Bürgermeister Haußmann im Hinblick auf die Einwände der beiden Gemeinderäte. Aufgabe des Gemeinderats und der Verwaltung sei nicht, sich ideologisch zu äußern, sondern vielmehr, ideologiefrei abzuwägen und dies fachlich zu dokumentieren. Herausgekommen sei dabei „eine fachliche Stellungnahme – weder für noch gegen Windkraft“.
