Abwinken bis Abwarten: Die Fraktionen und die OB-Kandidatensuche
Gelassen in den Wahlkampf

Jetzt ist der Termin für die Oberbürgermeisterwahl amtlich: Am 4. Dezember dürfen die Kirchheimer acht Jahre Verwaltungsarbeit beurteilen und die Weichen für die Zukunft stellen. Stadtchefin Angelika Matt-Heidecker strebt eine zweite Amtszeit an.

Kirchheim. Gestern hat der Kirchheimer Gemeinderat die Formalien für die OB-Wahl festgelegt. Wahltag ist demnach der zweite Adventssonntag. Falls je ein zweiter Wahlgang fällig wird, geht auch dieser noch vor Weihnachten über die Bühne, am 18. Dezember.

Doch davon ist man in Kirchheim derzeit weit entfernt, nicht nur zeitlich. Im Dunstkreis des Gemeinderats wird mit einem unaufgeregten Wahlkampf gerechnet.

Größte Fraktion ist die CDU. Hier sind die Diskussionen um einen Gegenkandidaten noch am heftigsten, hat doch die Oberbürgermeisterin ein SPD-Parteibuch. Dennoch ist die Fraktion alles andere als kampfeslüs­tern. „Manche sind der Meinung, dass zur Wahl eine Auswahl gehört und denken über einen Gegenkandidaten nach“, gibt Fraktionsvorsitzender Helmut Kapp die Stimmung wieder. Andere seien mit der Politik der Verwaltungsspitze zufrieden und nicht darauf aus, einen Gegenkandidaten zu suchen, der‘s ohnehin schwer hätte, wie Kapp meint. „In Sachfragen kann man unterschiedlicher Meinung sein“, räumt er ein, betont aber, dass die Chefin stets „das Wohl der Stadt im Hinterkopf habe“. Finde sich kein Herausforderer, sei das nicht schlimm. Im Gegegenteil: „Dann kann sie ihre Zeit voll und ganz der Arbeit für die Stadt widmen, statt sich im Wahlkampf aufzureiben“, meint Kapp pragmatisch.

Das beurteilt sein Fraktionskollege Dr. Thilo Rose ganz anders. Er sieht die CDU in der Pflicht, zu handeln: „Eine Volkspartei muss in der Lage sein, einen wählbaren Kandidaten aufzustellen“, lautet seine klare Überzeugung. In der Lokalpolitik wünscht er sich andere Akzente. So komme der Bereich Wirtschaft und Infrastruktur zu kurz, strategische Überlegungen fehlten.

„Sie hat ihre Arbeit deutlich besser gemacht, als wir‘s jemals geglaubt hätten“, räumt Hagen Zweifel unumwunden ein. Der Chef der Freien Wähler sieht daher „keinen Bedarf für einen Konkurrenzkandidaten“. Unschlagbar sei die Kirchheimer Politik in puncto Bildungsthemen. Kritikpunkte bringt Zweifel allerdings im Bereich der Verkehrsentwicklung an. Projekte wie die Ortsumfahrung Jesingens oder die Nordwest-Tangente seien nicht mit Verve verfolgt worden.

Inhaltlich sehen die Grünen naturgemäß ganz andere Versäumnisse. „Wir wünschen uns viel mehr Aktivitäten in Sachen Ökologie und erneuerbare Energien“, betont die Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß. Enttäuscht waren die Grünen, dass Anregungen wie ein Solarkatas­ter nicht umgesetzt wurden. Dennoch geht man bei der Öko-Partei davon aus, neue Impulse mit derselben Oberbürgermeisterin setzen zu können. „Das Thema Ökologie muss Chefsache werden“, fasst Bur am Orde-Käß zusammen. Die Veranlassung, einen Gegenkandidaten zu suchen, sieht man bei den Grünen keineswegs. Eigene personelle Ressourcen bestünden ohnehin nicht: „Die Grünen müssen ihre Energien im Landtag bündeln“, spielt Bur am Orde-Käß auf die Regierungsverantwortung ihrer Partei im Land an.

Auch FDP-Fraktionschef Bernhard Most sieht in den eigenen Reihen keinen Gegenkandidaten. Er hofft aber im Sinne einer demokratischen Wahl auf Alternativen. „Die OBin hat gute Chancen“, prognostiziert er und räumt ein, man könne nicht gerade sagen, sie habe ihre Sache schlecht gemacht. Kritikpunkte fallen ihm jedoch auf Anhieb reichlich ein, allen voran die Personalpolitik in der Verwaltung. „Die Werbetrommel kommt erst in Gang“, ist sich sein Fraktionskollegen Albert Kahle sicher, dass durchaus der eine oder andere Interesse am Chefposten in Kirchheim haben dürfte. Kahle selbst gehört definitiv nicht dazu – im Gegensatz zur Wahl vor acht Jahren.

„Die Frauenliste ist mit der OBin sehr zufrieden“, lautet das klare Urteil der Fraktionsvorsitzenden Dr. Silvia Oberhauser. Sie schätzt den Fleiß der Stadtchefin und das Miteinander in Stadt und Ratsrund: „Wenn wir einen Konflikt haben, klären wir den.“ Matt-Heidecker habe wirklich gute Arbeit geleistet. Das spiegle sich in Sachen Bildung und Betreuung, aber auch im Stadtbild und im guten sozialen Klima in Kirchheim.

„Sehr gern und sehr gut“ arbeitet auch die Christliche Initiative nach Aussagen von Katja Seybold mit Matt-Heidecker zusammen:

„Sie ist eine Oberbürgermeisterin zum Anfassen und zeigt sich in Sachfragen absolut unparteiisch.“ Freilich könne man Wahlaussagen erst dann machen, wenn Gegenkandidaten aufträten, zeigt sich die CIK-Vertreterin abwartend.

Dass die eigene Fraktion hinter „ihrer“ Oberbürgermeisterin steht, versteht sich fast von selbst. Fraktionschef Walter Aeugle lobt die Entwicklung im Bildungs- und Sozialbereich, die eine deutliche sozialdemokratische Handschrift trage, etwa im Armutsbericht der Stadt. Auch im wirtschaftlicher Hinsicht habe sich Positives getan, so sei die Wirtschaft durch den Beirat jetzt eng mit der Verwaltung verwoben, im Gewerbegebiet Kruichling kämen die Ansiedlungen voran. „Es gibt keine eklatanten Defizite“, lautet das Urteil des SPD-Mannes, der dennoch auf einen Gegenkandidaten hofft. „Es ist immer gut, im Wahlkampf die Positionen offen auszutauschen.“

 

Zeitplan der OB-Wahl:

16. September: Öffentliche Ausschreibung

17. September: Bewerbungsfrist beginnt

7. November: Bewerbungsfrist endet

4. Dezember: Wahlsonntag

18. Dezember: Eventuell zweiter Wahlgang

1. März 2012: Ende der laufenden Amtszeit von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker