Helmut und Anna Ehni aus Weilheim sind seit 60 Jahren verheiratet
Gemeinsam auf Acker und Motorrad

Weilheim. Am morgigen Donnerstag feiern Helmut und Anna Ehni diamantene Hochzeit. Lang sind ihnen die 60 Jahre keineswegs geworden. „Die Zeit ist so schnell vergangen“, sagt Anna Ehni. Kennengelernt

hatten sich Helmut und Anna Ehni schon zwei Jahre vor ihrer Heirat – und zwar in Weilheim. „Ich stamme eigentlich aus dem Sudetenland“, erzählt Anna Ehni. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie nach Hessen ausgesiedelt, fand dort aber keine Arbeit. Ihre Tante vermittelte ihr dann eine Stelle in Weilheim. „Ich kam in den Haushalt der Familie Kuhn, die einen Zigarettenladen in der Marktstraße hatte“, erinnert sich Anna Ehni. Ihr Mann Helmut – ein gebürtiger Weilheimer – wohnte damals gleich um die Ecke und stand abends häufig vorm Schaufenster. „Wir sind ins Gespräch gekommen, und so hat sich alles entwickelt“, schildert Anna Ehni. Leicht sei der Start der Ehe nicht gewesen, erinnert sich das Paar zurück. Ein halbes Jahr dauerte es, bis Helmut und Anna Ehni eine eigene Wohnung fanden. So lange lebten sie im Hause seiner Eltern, die ihre neue Schwiegertochter sofort ins Herz geschlossen hatten. „Unsere Hochzeitsnacht verbrachten wir auf der Bühne in einem Bett“, erzählt Helmut Ehni und berichtet von Begegnungen mit Mäusen und Schneeflocken auf der Bettdecke.

1957 bekam das junge Ehepaar von Helmut Ehnis Eltern einen Bauplatz im Amselweg in Weilheim geschenkt. Dort leben die beiden bis heute. „Alles andere haben wir uns selbst erarbeitet“, sagt Anna Ehni. Die gemeinsame Arbeit und die gemeinsamen Interessen haben sie und ihren Mann zusammengeschweißt, davon ist die 81-Jährige überzeugt. „Das hält zusammen“, sagt sie. Aber nicht nur das hat zu einer glücklichen Ehe beigetragen. „Wir haben uns immer gut verstanden und waren uns immer einig“, ergänzt Helmut Ehni.

In der Bauzeit schuftete das Paar jede freie Minute auf der Baustelle – zu allen erdenklichen Tageszeiten. „Da haben wir schon einiges mitgemacht“, sagt Anna Ehni – zumal Helmut Ehni sechs Jahrzehnte lang ehrenamtlich im Deutschen Roten Kreuz aktiv war und immer wieder zu Einsätzen gerufen wurde. Einmal, als er nachts zu einem Brand ausrücken musste, schlief er am nächsten Tag im Stehen auf der Baustelle ein. „Von da an sind wir ein wenig kürzergetreten“, sagt Anna Ehni. Freiwilligen Dienst hat Helmut Ehni übrigens auch noch an anderer Stelle geleistet: Er war 20 Jahre lang bei der freiwilligen Polizei in Kirchheim tätig.

Gemeinsam haben sich die Eheleute auch um ihre Landwirtschaft gekümmert. Vieh gab es zwar keines, aber einige Grundstücke und Äcker, die mittlerweile verpachtet sind – und die große, schmucke Feldscheuer, auf die Helmut Ehni noch heute sehr stolz ist. „Früher haben wir noch unser eigenes Getreide angebaut“, erzählt Anna Ehni. Irgendwann habe sich das aber nicht mehr gelohnt. Ihr Gemüsegarten hat für Anna Ehni aber heute noch einen hohen Stellenwert. Immer noch baut sie selbst Kartoffeln, Möhren, Erbsen, Tomaten, Pastinaken und Salat an – unterstützt von ihrem Mann. Auf dem Fensterbrett der Ehnis stehen kleine Töpfchen mit selbst gezogenen Gurken- und Selleriesprösslingen. „Zwiebeln will ich auch noch stecken, aber erst bei abnehmendem Mond“, sagt Anna Ehni. Auch der Garten hinterm Haus zeugt von regem Gemüsebau: Sorgfältig umgegrabene Beete sind dort zu sehen, ein Gewächshaus und Frühbeete. Die haben etwas ganz Besonderes, wie Helmut Ehni verrät: „Fenster, die sich je nach Wetter automatisch schließen und öffnen.“

Auch beruflich spielten Pflanzen für Helmut Ehni jahrelang eine große Rolle: „Ich war Waldarbeiter“, erzählt der 85-Jährige. Als er eine Lungenentzündung bekam, musste er jedoch umschulen und erledigte fortan Geldtransporte für die Volksbank.

In ihrer Freizeit waren die Ehnis viel unterwegs. Gemeinsam unternahmen sie Motorradtouren auf seiner Victoria 250, gingen zuerst mit ihrer Tochter und später wieder alleine auf Reisen. Meist ging es nach Bayern in die Berge oder an den Starnberger See, seltener auch weiter weg. „Einmal waren wir am Nordkap“, schwärmt Anna Ehni. Auch in ihre ehemalige Heimat nach Tschechien reisten die Ehnis – zusammen mit Anna Ehnis ehemaligen Schulkameraden, die Helmut Ehni 1984 für sie ausfindig gemacht hatte.

Groß feiern wollen die Ehnis ihre diamantene Hochzeit nicht. Stattdessen hoffen sie auf ein gemütliches kleines Fest zusammen mit ihrer Tochter und ihren beiden Enkelkindern.