Städteplaner stellten den Projektablauf für die Innenentwicklung aller Lenninger Ortsteile vor
Genügend Platz für „en Haufa Häusle“

Lenningen nimmt am Projekt „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ teil und erhält dafür Fördergelder des Landes. Die Städteplaner stellten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den Ablauf vor.

Lenningen. Innenverdichtung ist seit geraumer Zeit in vieler Munde. Dass dabei in der Vergangenheit nicht selten übers Ziel hinausgeschossen wurde, zeigen Wohnblocks in Städten und Gemeinden allerorten. Um dies zu verhindern, hat Lenningen ein Planungsbüro eingeschaltet. „Für uns stellt sich die Frage: Wie können wir unsere Ortskerne so aktivieren, dass dort Leben ist?“, benannte Bürgermeister Michael Schlecht seine Vorstellungen. Um in den Genuss des Landeszuschusses in Höhe von rund 28 000 Euro beziehungsweise maximal 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten – angemeldet sind 55 000 Euro – zu kommen, muss die Planung bis spätes­tens 31. Oktober stehen. „Bei so vielen Ortsteilen ist dies ein ambitionierter Zeitplan und wir müssen dringend Gas geben“, erklärte Manfred Mezger vom Büro mquadrat in Bad Boll.

Er stellte den Projektablauf zur Gemeindeentwicklung „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ dem Gemeinderat vor und räumte gleich mit einem Irrtum auf: „Innerörtliche Freiflächen machen die Attraktion eines Ortskerns aus. Nachverdichtung hat auch in der Ortsmitte seine Grenzen“, sprach sich der Planer klar dafür aus, dass Flächen nicht überall zugebaut werden sollen. Ihm ist dabei der Widerspruch bewusst: attraktive und gleichzeitig kompakte Innenentwicklung schaffen. Er will deshalb nicht jede leerstehende Scheune eines alten Bauernhauses mit Wohnungen ausbauen. „Wir dürfen eines nicht verkennen: Landschaftspflege ist in ländlichen Gebieten wichtig. Dies wird nicht selten von Menschen hobbymäßig betrieben und die brauchen Platz für ihre Geräte“, so Manfred Mezger. Eine klassische Durchmischung ist ihm wegen des Dorfcharakters wichtig. In dem Förderprogramm geht es um die Aktivierung von Brachen und Baulücken, um nachhaltig die Attraktivität des vorhandenen Siedlungsbestands zu verbessern. Dazu zählen unter anderem kurze Wege, räumliche Verknüpfung von Wohn- und Arbeitswelt, umwelt- und alltagsfreundliche Verkehrserschließung sowie die Schaffung von Wohnwert für mehrere Generationen. Gemeinde und Planer sind deshalb vor allem auf die Mithilfe der Eigentümer der entsprechenden Gebäude und Grundstücke angewiesen. „Wir können nicht alle Flächen kaufen, sondern müssen die Eigentümer motivieren“, erklärte Michael Schlecht. Aus diesem Grund bietet das Planungsbüro von Anfang an Beratung für alle Interessierten an. Magnus Kirchhof von mquadrat wird dabei aufzeigen, was auf dem jeweiligen Grundstück denkbar ist, einschließlich einer Kosten-Nutzen-Analyse. „Es gibt kein Patentrezept“, ist sich Michael Schlecht bewusst. Durch das Projekt erhofft er sich jedoch schon den einen oder anderen Impuls, um das Ausbluten der Ortskerne in den sieben Teilorten zu vermeiden.

Bei der anschließenden Diskussion wollte Karl Boßler wissen, ob tatsächlich alle Lenninger Ortsteile komplett vom Planer erfasst werden. Die Antwortet lautet klar ja. Das heißt, nicht nur die Ortskerne werden genau unter die Lupe genommen, sondern auch die Bau- und Gewerbegebiete. „Wer nicht bauen will, den zwingen wir nicht, etwas zu tun. Wir wollen die Leute nicht bekehren“, erklärte Manfred Mezger. Er will jedoch diejenigen aufwecken, die etwas suchen oder nicht um das Potenzial ihrer Grundstücke wissen. Kurt Hiller interessierte in diesem Zusammenhang, wie viele Eigentümer in der Regel bei solch einem Projekt „aufspringen“. Nur ungern ließ sich Manfred Mezger zu einer genauen Aussage hinreißen. „Es wäre ein großer Erfolg, wenn sich zehn Prozent der Flächen aktivieren lassen. Auf schwäbisch g‘sagt: Bei sieben Ortsteilen hat‘s noch Platz für en Haufa Häusle“, erklärte er dann zum Schluss augenzwinkernd.