Dettingen.Johannes Graner aus Dettingen, der am morgigen Mittwoch seinen 90. Geburtstag feiert, hat sich – wie er selbst bestätigt – „guat g‘halda“. „Denn ich rauche
nicht und werde immer gut versorgt von meiner Frau“, erklärt der Jubilar schmunzelnd. Zwar plagen den Dettinger ab und an Schmerzen im Bein, die von einer Kriegsverletzung herrühren. Aber im Großen und Ganzen fühlt er sich fit. „Ich bin zufrieden“, sagt er bescheiden.
Johannes Graner wurde in Oberlenningen geboren, wuchs dort auf und besuchte acht Jahre lang die örtliche Volksschule. Anschließend arbeitete er bei der Papierfabrik Scheufelen. „Ein Jahr war ich als Laufbua tätig“, erinnert sich der Jubilar. Dann kam er schließlich in die „Packerei“, wo das Papier verpackt und versandt wurde. Insgesamt war Johannes Graner über 40 Jahre lang bei der Papierfabrik Scheufelen angestellt.
Eine Unterbrechung gab es allerdings während des Zweiten Weltkriegs: Denn im November 1939 wurde der junge Mann als Soldat eingezogen. An der Front erlitt er zahlreiche Kriegsverletzungen. Acht Monate lang musste er deshalb ambulant in einem Lazarett in Reutlingen behandelt werden. Zu den Untersuchungen fuhr er regelmäßig mit dem Zug – und auf dem Weg zum Bahnhof in Oberlenningen traf er schließlich seine zukünftige Frau Helena, die aus Dettingen kommt und ebenfalls jeden Tag den Zug nutzte. Denn sie war als Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft in Oberlenningen beschäftigt. „Wir haben uns mehrmals getroffen, und er hat immer so freundlich gegrüßt“, schwärmt Helena Graner. Irgendwann fand er heraus, wo Helena arbeitet und tauchte eines Tages in dem Lebensmittelgeschäft auf.
„Am 27. Februar 1945 haben sie ihn dann nochmal an die Front geschickt –
nach Tschechien“, erzählt Helena Graner. Dort erlitt Johannes Graner am 25. April seine schlimmste Kriegsverletzung: einen Bauchschuss. „Wir haben lange nicht gewusst, ob er noch lebt oder nicht“, erinnert sich seine Frau. „Es war sehr schlimm“. Am 12. August 1945 kehrte Johannes Graner dann aber überraschend in seine Heimat zurück. „Diesen Tag vergesse ich nie“, betont die heute 85-Jährige.
Das Paar heiratete im August 1946. Einige Monate später kam Tochter Renate zur Welt, es folgten 1948 Erika und 1953 Friedlinde. Im selben Jahr bezog die junge Familie ein Haus in Dettingen. Dort leben Helena und Johannes Graner noch heute.
Der Jubilar absolvierte nach dem Krieg eine Bäckerlehre in einer Bäckerei in Kirchheim. Anschließend war er in Stuttgart als Bäcker tätig. Zu dieser Zeit sah er seine Frau und die Kinder nur selten. „Denn werktags habe ich in der Bäckerei übernachtet. Nur am Wochenende war ich zu Hause“, fügt Johannes Graner hinzu. Deshalb gab er den Beruf als „Schwarzbrotkonditor“, wie er ihn selbst bezeichnet („wir haben alles aus Schwarzmehl gebacken, sogar Brezeln“), nach einem halben Jahr auf und setzte seine Arbeit bei der Papierfabrik Scheufelen fort.
Johannes Graner ist sei jeher ein Mensch, der gesellig ist und die Gemeinschaft mit anderen genießt. Deshalb ist der Dettinger Mitglied in zahlreichen Vereinen: Seit 60 Jahren gehört er dem Gesangverein Eintracht Dettingen an und seit über 40 Jahren dem VdK-Ortsverband Bissingen/Dettingen. Außerdem ist er seit 1957 Mitglied des Dettinger Musikvereins und seit 1955 Mitglied der Dettinger Gartenfreunde, die er damals mitgründete. „Gartenarbeit habe ich immer gerne gemacht, aber jetzt geht es nicht mehr“, bedauert Johannes Graner. Er ist aber froh darüber, dass sich seine Töchter und Schwiegersöhne um den Garten rund ums Haus kümmern.
Gemeinsam mit seiner Frau unternimmt Johannes Graner zahlreiche Spaziergänge. „Wenn es möglich ist, gehen wir jeden Tag raus“, unterstreicht Helena Graner. Fester Bestandteil im Tagesablauf des Ehepaars ist außerdem die tägliche Zeitungslektüre.
Eines verfolgt den Jubilar allerdings bis heute: seine Kriegsver- letzungen. Weil die Schmerzen irgendwann unerträglich wurden, erhielt er vor fünf Jahren eine Beinprothese. „Damals witzelte ich mit der Krankenschwester und sagte: Wir machen zusammen einen 100-Meter-Lauf“, erzählt der rüstige Dettinger, der sich einer außergewöhnlichen Devise verschrieben hat: „Man muss den Kopf immer hoch halten, auch wenn der Hals schon dreckig ist.“
Seinen Ehrentag feiert Johannes Graner zusammen mit seiner Frau, seinen Töchtern, den sieben Enkeln und den drei Urenkeln im einem Gasthof in Neidlingen. Außerdem erhält er ein „Ständle“ von seinen Gesangskameraden der Eintracht Dettingen. Und schon bald steht im Hause Graner das nächste Fest an: die eiserne Hochzeit von Helena und Johannes Graner im August.
