Die Wechselausstellung „Kunst in der Region“ zeigt Fotografien – Kirchheimer Künstlerin vertreten
Gestalter leidenschaftlicher Bilder

Wendlingen. Die Galerie der Stadt Wendlingen ist in diesem Jahr Austragungsort der jüngsten Ausgabe von „Kunst in der Region“, der Wechselausstellung zwischen Kirchheim, Nürtingen und Wendlingen.


In diesem Jahr steht die Fotografie im Mittelpunkt. Zu den Ausstellenden gehören Martin Miroschnitschenko, Ursula Raven, Iris Schlichte und Ali Schüler.

Wendlingens Bürgermeister sprach bei der Eröffnung der Ausstellung „Kunst in der Region“ in der Galerie der Stadt in der Weberstraße von einer Einrichtung mit „Mehrwert“, der nicht in Geld zu rechnen sei. Und da hatte Steffen Weigel vor allem auch die Mitglieder des Galerievereins im Blick: „Die ehrenamtlich Engagierten sind die Galerie.“ Sein Dank galt aber nicht nur diesen Kunstinteressierten für deren unermüdlichen Einsatz, sondern auch den Sponsoren, ohne die der Ausstellungsbetrieb in der städtischen Galerie nicht möglich wäre. Im aktuellen Fall sind dies die Stadtwerke Esslingen.

Der Kirchheimer Künstler Bertl Zagst, der selbst schon in der Wendlinger Galerie ausgestellt hat, führte die vielen Besucher der Vernissage in die Arbeiten ein, bevor Rolf Körber und Edith Streppel vom Galerieverein die Ausstellung für eröffnet erklärten.

Fotografie als künstlerisches Medium war keineswegs immer anerkannt. Heute werde die Fotografie in Museen und Galerien nicht nur akzeptiert, es sei ein regelrechter Fotoboom losgetreten, so Zagst. Jeder verfüge über ein mobiles Telefon und damit eine Kamera. „Zu jeder Zeit wird alles, was möglich ist, fotografisch festgehalten“ und in sozialen Netzwerken weitergereicht. Gestalterisches sei dabei nicht gefragt.

Spontan, unbefangen, vielleicht auch indiskret würden subjektive bildhafte Botschaften ausgetauscht. Ganz anders gingen die Fotografen der Ausstellung vor. Sie seien Gestalter aussagekräftiger, wohlüberlegter und leidenschaftlicher Bilder.

Die Arbeiten der Kirchheimer Künstlerin Ursula Raven wirken auf Zagst wie raffinierte Malereien. Das Gegenständliche sei für den Betrachter nicht mehr zugänglich. Er frage sich, wie die Bilder entstünden. Was Ursula Raven in Wendlingen zeige, seien Analysen von Spiegelungen, Ausschnitte auf reflektierenden Ebenen, die die Künstlerin mit dem Makroobjektiv digital aufnehme und am Computer bearbeite. Die ursprünglichen Komponenten seien nicht mehr erkennbar. Das entstandene Bild habe sich vom Narrativen gelöst, sei zur reinen Farbkomposition geworden. Ursula Raven hat romanische Sprachen und Kunstgeschichte studiert. Sie studierte an der Freien Kunstakademie in Nürtingen und fand über die Malerei zur Fotografie.

Zu den Ausstellenden gehört auch Martin Miroschnitschenko, der an der Nürtinger Freien Kunstakademie studierte und in Nürtingen auch die Motive seiner in Wendlingen hängenden Arbeiten gefunden hat: das alte Kreiskrankenhaus. „Auf dem Säer“ heißen seine Fotografien. Sie zeigen verlassene Krankenzimmer, ausgeräumte OP-Säle. Für Bertl Zagst erzeugen diese Bilder eine „beängstigende Stille, assoziierten fröstelnd unangenehme Krankenhausaufenthalte“. Die Reduzierung auf Grau-Töne erhöhe das Unheimliche, Kuriose.

Die Welt von Iris Schlichte, die analog fotografiert, sei eine Welt mit dem Blick der Makrofotografie, so Zagst. Sie gehe ganz nah an die Objekte, sehe Strukturen und Texturen in der Natur, deren Farbigkeit und Stofflichkeit sich im Abbild vom Gegenstand löse und verselbstständige. Iris Schlichte, die am Sonntag, 8. Dezember, von 11 bis 18 Uhr in der Galerie persönlich anwesend sein wird, spricht davon, „das andere zu sehen“. Was die in Nürtingen lebende Fotografin darunter versteht, dem lässt sich sehr gut vor allem im Obergeschoss der Galerie nachspüren, wo alle vier Ausstellenden jeweils einen eigenen Raum mit ihren Arbeiten gestalteten.

Der vierte Teilnehmer von „Kunst in der Region“ ist der Künstler Ali Schüler. Der Mensch steht im Mittelpunkt seiner fotografischen Arbeiten. Ortskundige Wendlinger erkennen schnell: Viele der Motive sind in den alten Industriebauten auf dem Otto-Areal entstanden. Das Sofa vor dem großen Fenster im Gang zwischen den Ateliers im Spinnereigebäude als Kulisse für ein Aktfoto hat schon andere Fotografen zuvor fasziniert. Bertl Zagst sprach von Ali Schüler als dem „Regisseur einer gestalteten schwarz-weißen Traumwelt“. Sein fotografischer Blick sei der eines Malers, dem nichts entgehe. Seine Bilder seien spannende, provokant wirkende Gegenüberstellungen.

Die Ausstellung geht noch bis 12. Januar. Öffnungszeiten der Galerie sind mittwochs bis samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Geschlossen ist sie am 24. Dezember, am 25. Dezember, am 31. Dezember und am 6. Januar.