Viel beklatschter Auftritt des Duos Andreas Müller und Benjamin Engeli
Gestaltungskraft und konzertante Verve

Kirchheim. Zum Ausklang der diesjährigen Konzertsaison hatte der Vhs-Kulturring das Duo Andreas Müller (Cello) und Benjamin Engeli 


(Klavier) zu einer musikalischen „Soirée à la française“ geladen – zwei junge aufstrebende Musiker, die sich auf den Konzertpodien im In- und Ausland bereits diverse solistische und kammermusikalische Meriten erworben haben. Auf dem Programm standen an diesem Abend Werke von Chopin, Debussy, Franck und Honegger.

In der 1915 komponierten dreisätzigen Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll von Debussy wurde der an die Ouvertüre im französischen Stil erinnernde Prolog gravitätisch resolut und doch geheimnisvoll musiziert, bevor die vielfältige, fein ziselierte, mit ihren Verzierungen und Vorhalten an die höfisch-galante Musik des 18. Jahrhunderts, etwa eines Couperin oder Rameau, erinnernde Motivik erklang. Im keck verspielten Mittelsatz (Sérénade), der mit originellen musikalischen Einfällen aufwartet und in dem sich Pizzicati und heikle schnelle Läufe abwechseln, gefielen die ausgeprägte rhythmische Genauigkeit und die fein aufeinander abgestimmte Vortragsweise. Ein überaus munter dargebotenes Finale mit am Schluss atemberaubenden Sechzehnteltriolen im Cello, unterbrochen von einem mit ausgeprägtem Rubato und fast schmachtend präsentierten Mittelteil („con morbidezza“) ließ das Publikum ein erstes Mal aufhorchen.

Das Konzert nahm seinen Fortgang mit Chopins viersätziger Sonate g-Moll für Violoncello und Klavier, Opus 65 aus dem Jahr 1846 – einem gewichtig ausladenden Werk, in dem beide Parts gleichmächtig gesetzt sind. Chopin machte dieses Werk offenbar viel kompositorisches Kopfzerbrechen, was aus folgenden Worten hervorgeht: „Mit meiner Sonate für Violoncello bin ich einmal zufrieden, ein andermal nicht. Ich werfe sie in die Ecke, dann sammle ich sie wieder auf.“

Das Duo spielte den mächtigen Kopfsatz des Allegro moderato mit seinem eingängigen Thema mit angemessener Emphase, herrlicher Klangentfaltung und grandiosen dynamischen Steigerungen, wobei vor allem der ungemein schöne Celloklang von Andreas Müller zur Geltung kam. In dem mit wirklichem Brio vorgetragenen, kapriziös-neckischen Scherzo waren einige rhythmische Klippen zu umschiffen, bevor sich die Musiker der Gesanglichkeit des schmeichelnden Trios hingeben konnten. Verträumt und melodiebetont dann das Largo, das mit großer Eindringlichkeit, aber doch eher verhalten musiziert wurde. In deutlichem Kontrast zum vorhergehenden Satz und in feiner Klangbalance der beiden Instrumente wurde das abschließende Finale (Allegro) mit seiner rondoartigen Thematik dargeboten. Nach kurzem Verharren im retardierenden Mittelteil erklang ein mit musikantischem Furor, aber in großer Exaktheit „hingesetzter“, von wuchtigen Schlussakkorden gekrönter Schluss, bei dem die Akteure in auf- und absteigenden, teils chromatischen Melodielinien wie entfesselt aufspielten, bevor sie mit anhaltendem Beifall in die Pause entlassen wurden.

Mit der knapp siebenminütigen, von Arthur Honegger (1892 – 1955) ursprünglich für Klarinette und Klavier komponierten dreisätzigen Sonatine (Modéré – Lent et soutenu – Vif et rythmique) ging es nach der Pause weiter. Es handelt sich bei diesem Stück um eine durchaus originelle und hörenswerte Miniatur mit sich teils eigenartig reibenden, fast dissonantischen Harmonien.

Beim Vortrag gefiel der feinsinnige Klangaufbau im ersten Satz mit süffigem Celloton und einem stark rhythmisierten, aufsteigenden Klaviermotiv, das plötzlich im Piano endet. Viel Ausdruck und fast inbrünstige Klangschwelgerei in breitem dynamischen Fächer dann im zweiten Satz, der ebenso abrupt endet. Der kurze Kehraus des dritten Satzes mit seinem rhythmischen Schwung wurde mitreißend musiziert: Das an ein Perpetuum mobile erinnernde, hartnäckig wiederkehrende Klaviermotiv zündet schließlich ein kurz aufsprühendes Feuerwerk in beiden Instrumenten, das ebenso schnell wieder verglimmt.

Der Frankobelgier César Franck (1822 – 1890) komponierte seine viersätzige Sonate A-Dur 1886 ursprünglich für Violine und Klavier. In der an diesem Abend präsentierten Fassung für Cello und Klavier wurde die Geigenstimme teilweise in tiefere Lagen transponiert, was der kolossalen Wirkung des Werks indessen keinen Abbruch tut.

Das Duo nahm den Kopfsatz (Allegretto ben moderato) der Bezeichnung angemessen nicht zu schnell und spielte ihn dadurch in seiner vielseitigen Melodik und wiegenden Rhythmik umso schöner und ausdrucksvoller aus. Schwungvoll, energisch und mit beeindruckendem konzertanten Zugriff wurde das hoch virtuose und vor spieltechnischen Schwierigkeiten nur so strotzende Allegro dargeboten. Seine den Klang quasi beschwörende Potenz zeigte das Duo in der Fantasia: ein schön ausmusiziertes Cello-Rezitativ und darauf folgende große Innigkeit des gemeinsamen Vortrags.

In leichtgängiger Anmut wurde im abschließenden Finale (Allegretto poco mosso) das kanonartige Thema mit feinen Echowirkungen in den beiden Instrumenten vorgetragen und dann in explosiver, feurig durchglühter Dynamik wirkungsvoll gesteigert und zu höchst effektvollem Abschluss gebracht. Dafür gab es vom hingerissenen Publikum langen Beifall, der den beiden Akteuren noch eine nachdenkliche und verinnerlicht vorgetragene Zugabe von Maurice Ravel entlockte.