Kirchheim. Kleine Ostseesteine werden zu Skulpturen, eine gefesselte steinerne Figur hängt in einem offenen Holzwürfel, und dazu ertönt das dunkle Summen einer
Klangschale. In der kleinen Ausstellung im Atelier- und Werkstatthaus von Jochen Herzog und Monika Majer konnten sich die Besucher am Wochenende auf eine kurze Reise der Formen und Töne begeben. Das Ehepaar Herzog/Majer hatte gemeinsam mit der befreundeten Gestalttherapeutin und Lyrikerin Heike Prehler zur Vernissage ihrer Ausstellung „Gezeiten“ gebeten.
Die Ausstellung, die nur das Wochenende über zu sehen war, gehörte zur Veranstaltungswoche „Stille Tage – lebendig Abschied nehmen“, in der verschiedene Aspekte des Sterbens, der Trauer und des Todes beleuchtet wurden. Als Mitorganisatorin dieser Woche war Monika Majer auf die Idee zu der Atelierschau unter dem Titel „Gezeiten“ gekommen. Nachdem ihr der Titel, der von Veränderung, Kommen und Gehen handele, eingefallen war, habe sie Heike Prehler gefragt, ob sie sich an der Ausstellung beteiligen wolle. „Wir haben uns in der Ausbildung zur Gestalttherapeutin kennengelernt und festgestellt, dass wir gut miteinander arbeiten können“, so Majer. „Die Texte von Heike atmen für mich das Meer, passen also zum Thema.“ Die Schweizerin Prehler willigte ein. „Ich hatte den Eindruck, dass meine Texte sich gut in den Kontext einbinden lassen“, erzählt sie. Zur Vernissage las sie einige ihrer lyrischen Texte. Und zwar immer zweimal, „zum Sackenlassen“, wie Monika Majer erklärte.
In einem Raum im Erdgeschoss des alten Bauernhauses, einem früherer Stall, hatten die beiden Frauen eine Installation aufgebaut. Figuren mit drei schmalen hohen Plastikröhren als Beine, die in Schraubverschlüssen endeten, empfingen hier den Betrachter. Das seien Besucher, erläuterte Majer. An einer Wand hingen Plastikhandschuhe mit verschiedenfarbigen Fingerspitzen. Hier fand die Künstlerin „die Schatten, die die Handschuhe werfen, spannend“. Und kleine Findlinge von der Ostsee – „Die haben für mich so was Skulpturales“ – waren zu einer Gruppe aufgebaut, „in der manche in Beziehung miteinander sind, andere weggehen“, so Majer. Alle Objekte waren aus Material gefertigt, das die Frauen in dem als Abstellkammer genutzten Raum gefunden hatten. „Ich finde es total schön, wie wir miteinander diesen Raum auf neue Weise erschlossen haben“, sagte Majer. Auch hier las Heike Prehler ihre Texte und anschließend entlockten die beiden Frauen mit Schlaghölzern den verschiedenen Materialien des Raumes Töne. Sie klopfen in wechselnden Rhythmen auf die Deckenbalken, das Abflussgitter, die Metallleitungen und Wände. Majer lächelte glücklich. „Das könnten wir die ganze Nacht lang machen.“
Bei Rotwein und Brezeln bewunderten die Besucher auch die Skulpturen im oberen Geschoss. Steinarbeiten von Majer und ihrem Mann, dem Steinmetz Jochen Herzog. Majer möchte mit der Themenwoche das Tabu, mit dem Sterben und Tod belegt sind, aufbrechen. „Das ist ein schweres Thema, bei dem man aber nicht nur das Tote sondern auch das Lebendige sehen soll.“ Dazu gehört dann auch die Kunst.
