Fest zum 20-jährigen Bestehen des Schlössles
Glanzlicht Lenningens

Manche umstrittenen Projekte gehen so erfreulich aus, dass hinterher alle von Anfang an dafür waren. So geschah es auch beim Lenninger Schlössle. „Inzwischen gibt es nur noch Freunde des Schlössles“, sagte Lenningens früherer Bürgermeister Gerhard Schneider beim Festakt „20 Jahre Schlössle“.

Lenningen. Eigentlich hätte der Historiker und Schlösslekenner Rolf Götz den Festvortrag im Julius-von-Jan-Gemeindehaus halten sollen. Ein Krankenhausaufenthalt hinderte ihn aber daran. So gaben Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht, sein Vorgänger Gerhard Schneider und Ulrich Scheufelen Einblicke in die Geschichte des Schlösschens.

Am 28. November 1992 wurde es wieder eingeweiht, doch die Geschichte seiner Rettung begann schon zehn Jahre vorher: 1982 wollte die Papierfabrik Scheufelen das Schlössle verkaufen, zuvor hatte sie es für Werkswohnungen verwendet. Im selben Jahr wurde der Förderkreis Schlössle, damals noch Freundeskreis genannt, gegründet.

Fast fünf Millionen Mark habe die Sanierung gekostet, erinnerte Schlecht. Zwei Millionen Mark gab es als Zuschuss. Selbst nach 20 Jahren seien die Ganztagesschule und die Kläranlage billiger gewesen, nur der Bau der Sulzburghalle habe diese Preisklasse erreicht. Natürlich gebe es „eine moralische Verpflichtung zum Erhalt historischer Gebäude“. Trotzdem sei es eine freiwillige Aufgabe gewesen. Zu einer solchen Entscheidung hätten „Mut und Rückgrat“ gehört – und eine Vision: „Dann ist es möglich, die Menschen zu begeistern.“

Die Begeisterung teilten nicht alle. Man solle das baufällige Gebäude am besten abbrechen und vorher den Schultes und den Gemeinderat hineinsperren, schlug ein Spötter vor. Unumstritten war dann aber die Entscheidung, die Bücherei im ersten Stock unterzubringen. Der zweite Stock war für die Vereine vorgesehen, doch legte der Denkmalschutz sein Veto ein. So kam es zum Museum für Papier- und Buchkunst.

Schlecht dankte dem Förderkreis: „Sie haben ein Bewusstsein für die Sanierung geschaffen und das Haus mit Leben gefüllt.“ Entstanden sei ein „historisches und städtebauliches Glanzlicht“. Schlecht kündigte an, dem Gemeinderat für den Haushalt 2013 die Summe von 45 000 Euro für einen neuen Außenanstrich vorzuschlagen.

Manche meinten, die Gemeinde könne die Sanierung des 1593 bis 1596 erbauten Schlössles nicht schultern, berichtete Schneider. „Zumal die Sporthalle gerade fertig und das Feuerwehrhaus und die Gemeindehalle in Schopfloch gerade im Bau waren.“ Der Förderkreis habe zum einen dazu beigetragen, dass die Stimmung in der Bevölkerung besser wurde. Und zum andern habe er Geld gesammelt.

Die erste Kostenschätzung lag noch bei 3,6 Millionen Mark. Doch immer wieder gab es Überraschungen, war doch die Bausubstanz schlechter als erwartet. Ein halbes Jahr, nachdem die Gemeinde das Schlössle gekauft hatte, stürzte das Kellergewölbe ein. Zur Baugenehmigung und denkmalschutzrechtlichen Genehmigung vom Juli 1989 gehörte ein ganzes Baubuch mit Vorschriften. Vieles war zu entscheiden: Was macht man mit der guten Stube im ersten Stock oder mit den Wandmalereien?

1986 gab die Papierfabrik Scheufelen einen Buchkunstkalender heraus. Ein kleiner Fundus an Buch- und Papierkunst entstand. Aus den anfangs eher zufälligen Käufen wurden gezielte Anschaffungen. 1992 erstellte die Papierfabrik die Konzeption des Museums für Papier- und Buchkunst. Im Jahr 2010 erwarb der Förderkreis Schlössle die Exponate und stellte sie der Gemeinde Lenningen zur Verfügung.

In dem „kommunalen Museum“ sei der Name Scheufelen nirgends zu finden, betonte Ulrich Scheufelen. Eine Duftmarke habe das Unternehmen aber dennoch hinterlassen: In den Gesichtszügen der Albertus-Magnus-Skulptur des Künstlers Gerhard Marcks sei der Firmenmitarbeiter Manfred Grupp zu erkennen.

Die Teilnehmer des Festakts zogen schließlich vom Gemeindehaus weiter zum Schlössle. Dort warteten ein Ständerling und ein Büffet. Ein eigens gegründetes Männer-Doppelquartett unter Leitung von Josef Führinger sang Volkslieder von Friedrich Silcher. Um das Leben im Schlössle zu besingen, passte es den Text ein wenig an. Zeitzeugen standen und saßen zusammen und tauschten Erinnerungen aus – Erinnerungen rund um ein Schlössle, das nur noch beste Freunde hat.