Tag des Friedhofs
Grüne Oasen des Lebens und Erinnerns

Der Tag des Friedhofs rückt Artenvielfalt und Friedhofskultur in den Fokus.

Weit mehr als Ruhstätten für Verstorbene. Symbolbild
Weit mehr als Ruhstätten für Verstorbene. Symbolbild

pm. Friedhöfe sind weit mehr als Ruhestätten für Verstorbene: Als wertvolle Naturräume mitten in unseren Städten und Gemeinden bieten sie Rückzugsorte für Mensch, Tier und Pflanze. Unter dem Leitgedanken „Friedhöfe: Oasen der Natur – Pflege der Seele“ lädt der bundesweite Aktionstag dazu ein, die Bedeutung dieses geschützten Kultur- und Naturraums neu zu entdecken.

Jedes Jahr am dritten Septemberwochenende öffnen Friedhöfe bundesweit ihre Pforten für besondere Führungen, Ausstellungen und Informationsveranstaltungen. Ins Leben gerufen wurde der „Tag des Friedhofs“ bereits 2001 vom Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im Zentralverband Gartenbau e. V. gemeinsam mit Steinmetzen, Bestattern, Floristen sowie Städten, Kommunen und Religionsgemeinschaften. Seit 2023 begleitet der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e. V. (VFFK) den Aktionstag als ideeller Träger – mit dem Ziel, Friedhöfe als sozial, kulturell und ökologisch wertvolle Orte im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.

Refugium für Mensch und Natur

In einer zunehmend verdichteten Umwelt kommt Friedhöfen eine unverzichtbare Doppelrolle zu: Sie sind unverzichtbare Orte für die Trauerbewältigung und das lebendige Gedenken – und gleichzeitig artenreiche Biotope. Die deutsche Friedhofskultur, die im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO geführt wird, verbindet diese Aufgaben harmonisch miteinander.

Ein naturnah gestalteter Friedhof bietet stressgeplagten Menschen einen ruhigen Rückzugsort, während er gleichzeitig als Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten dient. Große, alte Baumbestände spenden im Sommer kühlenden Schatten und gliedern die Anlage, während lückige Magerrasenflächen seltenen Wildbienen als Nistplatz dienen.

Biodiversität fördern

Dass aktiver Naturschutz und ein würdevolles Erscheinungsbild Hand in Hand gehen, belegt der Praxisratgeber des VFFK und des Kuratoriums Immaterielles Erbe Friedhofskultur eindrucksvoll. Oft sind es gerade die kleinen, durchdachten Maßnahmen im Pflegealltag, die eine spürbare Wirkung für das Ökosystem entfalten. So reicht bei den weitläufigen Rasenflächen oft schon ein naturnaher Pflegeansatz: Eine verringerte Mähfrequenz, zeitversetztes Mähen und das konsequente Aufnehmen des Schnittguts halten Insekten ein kontinuierliches Nahrungsangebot bereit und machen den Rasen widerstandsfähiger gegen sommerliche Trockenperioden.

Wahl der Begrünung

Auch die bewusste Wahl der Begrünung spielt eine Schlüsselrolle. Alteingesessene Gehölze und regionale Wildpflanzen – wie etwa die Schlehe, die allein mehr als 100 Tierarten als Nahrungsquelle dient – kommen mit den lokalen Witterungsbedingungen bestens zurecht und stärken die heimische Flora und Fauna ungleich mehr als exotische Zierpflanzen. Ergänzt wird dies durch gezielte Schutzräume für Tiere: Ob locker aufgeschichtete Benjeshecken aus Totholz, Vogel- und Insektenkästen oder unversiegelte Natursteinmauern – sie alle bieten wertvolle Nist-, Rückzugs- und Überwinterungsplätze. Wer zudem bewusst naturbelassene Zonen in Randbereichen des Friedhofs zulässt und transparent beschildert, schafft nicht nur wertvolle Rückzugsorte für die Artenvielfalt, sondern senkt zugleich den dauerhaften Pflegeaufwand.

Auch auf dem Grab Zeichen setzen

Der Schutz der Artenvielfalt macht vor den Grabstätten nicht halt. Auch Angehörige können bei der Gestaltung ihrer Gräber zur Biodiversität beitragen. Wer auf trockenheitsresistente, heimische Stauden, insektenfreundliche Blühpflanzen und Naturstein setzt, verwandelt die Grabstätte in einen kleinen, lebendigen „Garten der Erinnerung“. Örtliche Friedhofsgärtner stehen dabei mit Beratung und Pflanzempfehlungen zur Seite.

Den Friedhof neu entdecken

Der Tag des Friedhofs bietet Gelegenheit, mit Friedhofsverwaltungen, Gärtnern und Steinmetzen ins Gespräch zu kommen. Ob geführter Spaziergang zur Flora und Fauna, Einblicke in moderne Bestattungsformen oder kulturelle Akzente: Der Aktionstag lädt dazu ein, den Friedhof als einen lebendigen Bestandteil unserer Gemeinschaft und gelebten Naturschutz vor der Haustür wahrzunehmen.

Aktuelle Informationen zum bundesweiten Aktionstag und teilnehmenden Einrichtungen vor Ort finden sich unter bund-deutscher-friedhofsgaertner.de.