Kirchheim. Die gesetzlichen Vorgaben, die das Regierungspräsidium Stuttgart an die betroffenen Kommunen gestellt hat, sind erfüllt. Mit der Zustimmung der Städte und Gemeinden zum Lärmschutzkonzept konnte auch das Regierungspräsidium Anfang des Jahres sein Einverständnis für ein Lkw-Durchfahrtsverbot geben (wir berichteten).
„Vorher müssen aber noch in Teilabschnitten der Ortsdurchfahrten Tempo-30-Zonen eingerichtet werden“, erklärt Andreas Hamm, Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart. „Diese mildere Maßnahme ist eine notwendige Vorbedingung für das Aussprechen eines Durchfahrtsverbots für Lkw.“ Die Einführung von Tempo 30 wird ohnehin in allen Städten und Gemeinden erwartet: Im Zuge der Lärmaktionsplanung des Landes Baden-Württemberg müsse aus Lärmschutzgründen überall dort, wo die zulässigen Grenzwerte überschritten werden, der Verkehr entsprechend beruhigt werden. In Wendlingen ist dies bereits geschehen, die anderen Kommunen müssen nachrüsten.
„Wir gehen davon aus, die Maßnahme in Kirchheim noch im Laufe des Jahres umsetzen zu können“, ist Bürgermeister Günter Riemer zuversichtlich. Es gehe noch um Detailfragen wie beispielsweise die genaue Ausdehnung der Geschwindigkeitsbereiche und den Abstand zwischen den Schildern. Dazu müsse die Auswertung der aktuellen Lärmkarten der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) abgewartet werden. „Wir rechnen für die Jahresmitte mit den entsprechenden Aufstellungsbescheiden im Gemeinderat“, sagt Riemer.
Wenn alles planmäßig verläuft, wird es bald keine unnötigen Lkw-Fahrten im Gebiet der fünf Kommunen mehr geben: Das Durchfahrtverbot soll rund um die Uhr für Brummis mit mehr als 7,5 Tonnen auf den Landesstraßen 1200, 1201 und 1207 gelten. Dies sind – für Kirchheim gesprochen – die Durchgangsstraßen durch Ötlingen und Jesingen, die Verbindung über Notzingen Richtung Hochdorf und die Straße über die Plochinger Steige nach Wernau. Gänzlich lastwagenfrei werden die Straßen damit zwar nicht: Kleinere Fahrzeuge sind nicht vom Verbot betroffen, und der notwendige Lieferverkehr für die ansässigen Unternehmen und Geschäfte ist weiterhin erlaubt. Schwere Lastwagen von außerhalb, die nur durch den Ort fahren, um beispielsweise der Mautpflicht auf der B 313 zu entgehen, werden damit aber ausgesperrt.
Schon seit Jahren zieht die Stadt Kirchheim in dieser Sache gemeinsam mit den umliegenden Kommunen an einem Strang. „Durch einzelne Durchfahrtsverbote hätte nur eine Verschiebung des Verkehrs stattgefunden“, erklärt Riemer. Nachdem die Stadt Wernau im Jahr 2010 vergeblich ein Durchfahrtsverbot auf der L 1207 beim Landratsamt beantragt hatte, regte Kirchheim den Schulterschluss der Kommunen Kirchheim, Wendlingen, Hochdorf und Notzingen mit Wernau an. Gemeinsam gelang es, das Regierungspräsidium zu überzeugen. „Es ist ein gutes Beispiel für gelungene, interkommunale Zusammenarbeit“, freut sich Riemer über das Ergebnis der Bemühungen.
Hermann Kik begrüßt das positive Signal des Regierungspräsidiums. „Wer an Durchfahrtsstraßen – wie in Ötlingen an der Stuttgarter Straße – wohnt, versteht mitunter sein eigenes Wort kaum“, erklärt der Ötlinger Ortsvorsteher. Der Wunsch nach Erlösung von Verkehrsbelastung und Straßenlärm ist den Ötlingern nicht neu. Im Vorfeld der Planungen zum Sanierungsgebiet Ötlingen beobachte man die Entwicklung sehr genau. „Gerade mit Blick auf ein Lkw-Durchfahrtsverbot hat sich der Ortschaftsrat in der Vergangenheit für die Einführung von Tempo 30 ausgesprochen“, sagt Kik. Es sei erfreulich, dass eine Umsetzung noch in diesem Jahr möglich ist.
Auch Notzingens Bürgermeister Sven Haumacher freut sich darüber, das Lkw-Durchfahrtsverbot in greifbare Nähe gerückt zu sehen. „Wir leiden ebenfalls stark unter der Belastung durch Lärm und Abgase“, sagt Haumacher. Zwar seien die Meinungen im Notzinger Gemeinderat über die Einführung von Tempo 30 für alle Fahrzeuge zuletzt stark auseinandergegangen. „Aus Sicht des Gremiums gibt es für Tempo 30 vor allem die topografische Lage Notzingens zu bedenken – wir liegen in einer Senke“, erklärt er. Die Zahlen der ihm vorliegenden Untersuchung zum Lkw-Durchgangsverkehr würden jedoch eine spürbare Entlastung durch das Durchfahrtsverbot signalisieren: „In Notzingen wären pro Tag im Durchschnitt 32 schwere Lkw weniger Richtung Hochdorf unterwegs, Richtung Kirchheim ungefähr 49. Auf das Jahr hochgerechnet würden wir mit am meisten davon profitieren.“
