Kreis Esslingen. Die echte Influenza kommt nicht schleichend, sondern abrupt und mit voller Wucht: „Typischerweise steht man morgens gesund auf, geht zur Arbeit, und nachmittags setzen dann plötzlich die Symptome ein“, sagt Dr. Jochen Maier, hausärztlicher Internist in Nürtingen und Vorstandsmitglied der Nürtinger Ärzteschaft. Zu den Symptomen gehören hohes Fieber mit über 38,5 Grad, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen sowie trockener Husten. Die Grippe könne aber auch mit Erbrechen und Durchfall einhergehen.
Im Kreis Esslingen ist die Anzahl der Influenza-Fälle bislang noch nicht alarmierend, betonen Jochen Maier und Dr. Albrecht Wiedenmann, Sachgebietsleiter für Infektionsschutz und Umwelthygiene im Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen, unisono. Zwar sei die Anzahl der Grippefälle seit Jahresanfang gestiegen, doch „dieser Verlauf ist normal“, unterstreicht Jochen Maier. „Es ist momentan nicht absehbar, dass es in diesem Winter weit überdurchschnittlich viele Grippefälle gibt. Aber wir können jetzt auch schon sagen, dass es keine Saison mit besonders wenigen Influenza-Fällen ist“, fügt Albrecht Wiedenmann hinzu. So wurden dem Gesundheitsamt seit Mitte Oktober vergangenen Jahres bereits 85 Grippefälle gemeldet. Zum Vergleich: Im Winter 2011/12 waren es 112 und in der Influenza-Saison 2010/11 insgesamt 176 Fälle.
Albrecht Wiedenmann gibt aber auch zu bedenken, dass längst nicht alle Fälle dem Gesundheitsamt gemeldet werden und dass „wir noch nicht am Gipfel angekommen sind“. Die „Hauptsaison“ der Grippe sei in der Regel Ende Februar/Anfang März zu erwarten. Dass die Grippeviren von den USA, wo es bereits zahlreiche, auch sehr schwere Influenza-Fälle gibt, zu uns „herüberschwappen“, könne man nicht ausschließen, ergänzt Jochen Maier. „Momentan ist aber nichts abzusehen.“
Allen, die in nächster Zeit eine USA-Reise planen, rät der hausärztliche Internist, sich auf jeden Fall vorher impfen zu lassen. Auch jetzt sei eine Impfung noch möglich. Der Impfschutz trete nach etwa 14 Tagen ein.
Sowohl Jochen Maier als auch Albrecht Wiedenmann empfehlen die Grippeimpfung generell allen – insbesondere aber Menschen ab 60 und Patienten mit Grunderkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes und Herz- oder Atemwegserkrankungen. „Mit der Grippe ist nicht zu spaßen. Man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen“, betont Albrecht Wiedenmann. Der Verlauf der Grippe könne ganz unterschiedlich ausfallen: von harmlos bis sehr schwer. Gelegentlich müssen die Erkrankten auch stationär im Krankenhaus behandelt werden. Sogar Todesfälle habe es in der Vergangenheit gegeben.
Ideal sei es, sich im Oktober oder November impfen zu lassen, informiert Jochen Maier. Während der Impfstoff im vergangenen Herbst knapp war, können die Ärzte nun Entwarnung geben: „Es ist genügend Impfstoff da“, sagt der hausärztliche Internist. Er und Albrecht Wiedenmann räumen aber auch ein, dass die Impfung nicht zu hundert Prozent vor der Erkrankung schützt. „Das liegt daran, dass sich die Viren sehr schnell verändern und dass die Abwehr älterer Menschen schwächer wird“, erklärt Jochen Maier. Bei Menschen ab 60 wirke die Impfung zu über 50 Prozent, bei allen anderen sei der Impfschutz zu 70 bis über 90 Prozent gegeben. Wenn man geimpft ist, verlaufe die Grippe darüber hinaus nicht gar so dramatisch, sagt Albrecht Wiedenmann. „Dann kann sie sich auch nur durch leichtes Unwohlsein äußern. Es ist also ein Trugschluss, zu sagen, dass die Impfung nichts nutzt.“
Ist man bereits erkrankt, könne man zum Beispiel durch fiebersenkende Mittel gegen die Symptome vorgehen. Spezielle Grippemedikamente gebe es zwar, „aber sie bringen nur eine Verkürzung der Erkrankung von einem Tag“, sagt Jochen Maier. Sie seien deshalb nur sinnvoll bei richtig schweren Erkrankungen. In allen anderen Fällen bleibt einem nichts anderes übrig, als die Grippe im Bett auszukurieren. Die Influenza dauert in der Regel ein bis zwei Wochen, sagt Wiedenmann – „je nach Verlauf auch länger“.
Übertragen wird sie durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion. „Deshalb sollte man nicht in die hohle Hand husten oder niesen, sondern in die Ellenbeuge“, betont Albrecht Wiedenmann. Er empfiehlt außerdem, Einwegtaschentücher zu verwenden und diese nach dem Gebrauch am besten sofort zu entsorgen.
Vor der Grippe schützen könne man sich, indem man sich vor allem regelmäßig die Hände wäscht und, so gut es geht, Abstand zu bereits Erkrankten hält. Außerdem helfen Bewegung und eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse dabei, das Immunsystem robust zu halten, ergänzt Jochen Maier. Zusätzliche Vitaminpräparate seien nicht unbedingt notwendig.
