Kirchheim. Der Aufsichtratsvorsitzende Dr. Jörn Mitsdörffer versicherte am Ende der Vertreterversammlung in der Kirchheimer Stadthalle gut gelaunt, dass begeisternde Akrobatikeinlagen bei der Volksbank nur auf der Bühne zur Auflockerung positiver Nachrichten, nicht aber in den Bilanzen stattfinde. Mit vielen erfreulichen Nachrichten hatten zu Beginn Harald Kuhn und Wolfgang Mauch in ihren Vorstandberichten aufgewartet. „Nicht ohne Stolz“ vermeldete Harald Kuhn beim Rückblick auf ein „spannendes und ereignisreiches Jahr“, dass 2010 „das erfolgreichste Geschäftsjahr der Volksbank Kirchheim-Nürtingen war“. Diese Leistung sei umso höher zu bewerten, wenn man berücksichtige, „welche Ereignisse die Bank um den Jahreswechsel 2009/2010 mit dem Konflikt um den geplanten Abbau von 58 Stellen bewegte“.
Er erinnerte an die Außerordentliche Vertreterversammlung am 13. Januar 2010, das große Engagement des neuen Aufsichtsrats, 23 lange und schwierige Sitzungen, eine inzwischen sehr zufriedenstellend zu Ende gegangene Suche nach einem neuen Vorstand und schließlich an die drei Vertragsverlängerungen, mit denen Vorstandsmitglied Dieter Helber seinen verdienten Ruhestand mehrfach verschoben hätte, um der Bank eine Interimslösung zu ersparen. „Wir alle wollten beweisen, dass der eingeschlagene Weg der bessere ist“, betonte Harald Kuhn, dass das dank des Engagements des ganzen Mitarbeiterteams auch gelungen sei.
Bei seinem Blick über die präsentierten Zahlen hob der Vorsitzende besonders hervor, dass der Provisionsüberschuss „auf dem hohen Niveau des Vorjahres von 11 Millionen Euro“ gehalten werden konnte und wertete das als klares Zeichen dafür, „dass wir trotz aller Veränderungen auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen“. Trotz anstehender weiterer Personalveränderungen würde dieses Thema Ende des Jahres offiziell beendet, stellte Harald Kuh fest und versicherte im Blick auf eine um zehn Prozent gesteigerte Produktivität: „Wir wollen unsere ganze Kraft auf unsere Kunden konzentrieren“. Auf Vollzeitkräfte umgerechnet, seien Ende vergangenen Jahres 315 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt gewesen, davon 24 Auszubildende. 2010 habe es dabei „nur eine externe Neueinstellung“ gegeben „und das war Herr Mauch“.
Bevor Wolfgang Mauch seine Premiere feiern und den Bericht fortsetzen konnte, vermeldete sein Vorstandskollege noch die frohe Botschaft eines sehr zufriedenstellenden Bilanzgewinns in Höhe von 4,5 Millionen Euro, eines Zuwachses um 613 auf jetzt 50187 Mitglieder und eine von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagene Gewinnausschüttung in Höhe von 5,5 Prozent oder rund 1,5 Millionen Euro wie im Vorjahr.
Seit fünf Monaten bei der Volksbank und mit seinem Start sehr zufrieden, signalisierte Wochenendpendler Wolfgang Mauch, dass er mit seiner Familie inzwischen einen Platz gefunden habe und wohl bald von Bissingen aus zur Arbeit kommen wird. Angesichts der Prognose eines weltwirtschaftlichen Wachstums von 3,5 Prozent zeigte er sich überzeugt, dass sich der Aufschwung weiter fortsetzen wird. Wenn der Ölpreis nicht deutlich ansteigt und es in Japan nicht zu schwerwiegenden Kontaminationen kommt, glaubt auch er, dass die Krise im arabischen Raum und die Naturkatastrophe von Fukushima die Weltwirtschaft wohl nur kurzfristig belasten werden.
Während sich das Wachstum der europäische Union nach einem kräftigen Anstieg abschwächen werde und mit prognostizierten 1,7 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im kommenden Jahr deutlich unter der Dynamik der Schwellenländer liege, bewertet er den Aufschwung in Deutschland mit einem im ersten Quartal um 0,8 Prozent gestiegenen Bruttoinlandsprodukt als stabil und schätzt, dass die Entwicklung in den kommenden Monaten anhalten wird. Mit 2,8 Prozent 2011 und 2,0 im kommenden Jahr liege die Wachstumsprognose für Deutschland über den Erwartungen für Europa, doch dürfte eine Zuspitzung der Schuldenkrise die Wirtschaft erheblich belasten.
Dem Tätigkeitsbericht des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Mitsdörffer folgte der Prüfbericht durch Wirtschaftsprüfer Manfred Führinger. Dann kamen die Stimmkarten erwartungsgemäß en bloc, öffentlich und fast ausschließlich in einstimmiger Harmonie zum Einsatz. Die Zustimmungen zu Prüfungsbericht, Jahresabschluss und Gewinnverwendung waren genauso reine Formsache wie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.
Auch die Wahlen zum Aufsichtsrat vollzogen sich unaufgeregt. Eberhard Müller, der aus dem Aufsichtsrat turnusgemäß ausschied, wurde einstimmig wiedergewählt. Für Stefan Hägele, der eine neue berufliche Herausforderung annimmt, wurde Carmen Heim in das Gremium gewählt.
Ein Hauch von Unruhe war erstmals spürbar bei der Bitte von Dr. Mitsdörffer, „die seit 1. Juni 1994 unveränderte Obergrenze des Vergütungsrahmens für den Aufsichtsrat von derzeit gerundeten 40 900 auf 60 000 Euro zuzüglich eventuell anfallender Umsatzsteuer zu beschließen. Nachdem einem besorgten Fragesteller versichert werden konnte, dass dieser Betrag für das gesamte Gremium und nicht individuell für dessen sechs Mitglieder gilt, erfolgte die bei vier Gegenstimmen und 14 Enthaltungen erstmals etwas verhaltene Zustimmung.
Janina Hiller und Sophia Müller vom TSGV Albershausen, mehrfache Deutsche Meister und Gewinnerinnen der Bronzemedaille bei der Junioren-Europameisterschaft 2007, konnten mit einem zweiten Auftritt ihre sportakrobatische Klasse bestätigen, bevor Dr. Mitsdörffer abschließend die Bedeutung des Strebens nach Solidität, Kontinuität und Nachhaltigkeit beschwor, auf dessen Basis allein Vertrauen gewonnen werden und erhalten bleiben könne.
