
Halsbrecherische Rock ‘n‘ Roll-Shows auf dem Marktplatz wechselten sich ab mit exotischer tamilischer Folklore und türkischen Tänzen sowie Livemusik mit der Saz auf der Bühne, Karatekas zeigten Schaukämpfe, Hip-Hop und Classic Dance begeisterten das Publikum ebenso wie Showtänze mit Elementen der rhythmischen Sportgymnastik oder serbische und deutsche Volkstänze. Doch nicht nur auf der Bühne war Bewegung angesagt beim Stadtfest. Auch in der Marktstraße und ihren Seitengassen schoben sich die Besucher von Bude zu Bude und manchmal kam der menschliche Lindwurm gar zum Stillstand, etwa wenn sich im Gedränge und in der Druckete zwei Kinderwägen begegneten. Doch auch das war kein Beinbruch, denn die Teckstädter und ihre Gäste waren guter Dinge und hatten die entsprechende Zeit mitgebracht.
Ihre Verbundenheit mit der Stadt brachten die griechischen, italienischen, portugiesischen, tamilischen und türkischen Kirchheimer einmal mehr kulinarisch zum Ausdruck. Ihre mediterrane und südostasiatische Speisenkarte war überwältigend: auf dem Holzofen gegrillte Sardinen, Pizzaschnitte, Salsiccia, Souvlakispieße – angeboten mit Bouzoukiklängen, Döner, Lahmacun, Gözleme, Cevapcici, vegetarisches Biriyani oder Lamm- und Chickenbiriyani, Kotthu Rotthi – bei solch einem reichhaltigen Angebot fiel die Wahl schwer.
Schlenderten bei lauen Temperaturen bereits am Samstagabend viele Kirchheimer in Festlaune durch die Innenstadt und dachten, auch als die Zeiger der Rathausuhr gen zwölf wanderten, nur widerwillig ans Nach- hausegehen, so füllten sich gestern Morgen schon früh wieder die Gassen mit Menschen. Das Motto lautete „Trödel und Kruscht“, für einen wie Heiko Zaiser, der hinter dem kleinen Klapptisch stand, ein Pflichttermin. Und für seine Kunden auch. „Für die rechnet sich‘s“.
Sehr gut lief der Verkauf beim Flohmarkt auch für Elaine, 11, und ihre gleichaltrige Freundin Shari, die schon um 7.30 Uhr auf den Beinen waren. Auf und vor ihrem Tischchen lagen ausgebreitet Spiele, Barbiepuppen, Playmobilfiguren, Bücher, Stofftiere, Musikinstrumente und vieles mehr. Das Angebot an Dingen, die die Welt nicht braucht – oder vielleicht doch? – war auch an den anderen Trödelständen riesig und es gab nicht wenige, die fündig wurden und ihr Schnäppchen machten.
Natürlich blieb es nicht aus, dass viele bei dem Kaiserwetter gestern der Durst plagte. Was ist dabei gesünder und erfrischender als Wasser? Gekühltes Aqua mit oder ohne „Plupp“. Das gab‘s kostenlos am Stand der Landeswasserversorgung und dazu, ebenso kostenfrei, Informationen. Zwei Drittel der Lindorfer etwa trinken Bodenseewasser, der Rest der Kirchheimer mit Ausnahme des nördlichen Teils von Nabern Wasser aus dem Donauried im Härtebereich zwei, also relativ weich. Nabern Nord bezieht einen Mix aus Bissinger Eigenwasser und Wasser der Landeswasserversorgung. Durch ein Leitungsnetz von insgesamt 735 Kilometern Länge fließt das kostbare Nass zu rund drei Millionen zufriedener Kunden.
Und die gibt es auch auf dem Stadtfest. „Wie mir‘s Haft- ond Hokafescht g‘fällt? Na, i fend‘s super“, kommt es wie aus der Pistole geschossen und die Begleiterin des jungen Mannes mit den etwas längeren, glatten Haaren ist ebenso gerne in der Teckstadt. „Weil mir‘s gfoid“, gibt die Münchnerin unumwunden zu und lacht. „Kirchheim ist immer interessant und schön“, meint auch eine 35-jährige Großbettlingerin, die bereits das zweite Mal das Haft- ond Hokafescht besucht.
Ob die Mannen der historischen Dampftechnik gerne in Kirchheim sind, das steht für sie außer Frage. Begeistert präsentierten sie einmal mehr auf dem Martinskirchplatz die Zettelmeyr Dampfwalze und den gigantischen Fowlerschen Dampfpflug. Und wer sich daran sattgesehen und noch keine Blasen an den Füßen hatte, der konnte Kirchheims höchste Espresso-Bar erklimmen. Der Martinskirchturm stand Besuchern offen.
Insgesamt 136 Stufen führten bis vor die Espressomaschine in der renovierten Türmerstube. Ein Blick auf das Häusermeer der sommerlichen Teckstadt und das Gewusel in den Straßen lohnte allemal, musikalisch untermalt durch die Stadtkapelle auf dem Kirchplatz.
