Kirchheim/Stuttgart. Der Mann wohnte zusammen mit seiner Freundin schon Wochen vor dem ersten Raubüberfall in einem Hotelzimmer in Kirchheim. Von dort aus wurden nach den Feststellungen der Stuttgarter Richter die Überfälle geplant und ausgeführt. Während die Lebensgefährtin im Hotelzimmer wartete, ging der 36-Jährige auf Raubtour. Zuerst in einem Einkaufsmarkt in Eislingen am 26. Januar dieses Jahres. Beute: 1 900 Euro. Drei Wochen später musste er aus einem Netto-Markt in Roßwälden ohne Beute flüchten – die Kassiererin hatte ihm klar gemacht, dass sie nicht in der Lage sei, die Kasse zu öffnen.
Am selben Tag gelang ihm in einem Esslinger Schlecker-Markt der dritte Überfall, und er erreichte, dass ihm 660 Euro ausgehändigt wurden. Den größten Coup landete er am 2. Februar in Stuttgart. Als angeblicher Mitarbeiter getarnt, mit einem Schildchen am Revers, verschaffte er sich Zugang zur Buchhaltung und erpresste dort ebenfalls mit Waffen- und Bombendrohung 28 830 Euro, teils in schweren Münzen in einem Metallkoffer. Den Koffer ließ er sogar von einem Kaufhof-Mitarbeiter bis auf die Straße tragen.
Am selben Tag räumten er und seine Freundin das Kirchheimer Hotelzimmer. Der Angeklagte flüchtete danach allein nach Süditalien, konnte aber sechs Wochen später in Salerno festgenommen werden. Er ist bereits wegen verschiedener Eigentumsdelikte, darunter auch wegen versuchten Raubüberfalls im Rheinland, vorbestraft. Dort hatte er sich sogar mit einem Limousinen-Service zum Tatort fahren lassen.
Vor der Fünften Großen Strafkammer legte er jetzt ein umfassendes Geständnis ab und erreichte dadurch eine Gesamtstrafe, die noch unter der Zehnjahresmarke lag. Deutlich war er darauf hingewiesen worden, dass ohne das Geständnis für die vier Raubtaten, darunter eine als Versuch, eine Strafe von bis zu zwölf Jahren möglich sei. Das Beutegeld von fast 30 000 Euro hatte er, wie er glaubhaft versichern konnte, bis auf den letzten Cent für den Lebensunterhalt während der Flucht ausgegeben.
