National Geographic-Fotograf David Hettich nimmt im Urweltmuseum Hauff 200 Zuschauer mit in die Tiefe
Haie sind gar nicht so gefährlich

Als Rolf Hauff vor einiger Zeit David Hettich und seine Live-Reportage „Abenteuer Ozean“ kennenlernte, war er begeistert. Er gewann Hettich für den letzten Vortrag im Jubiläumsjahr des Urweltmuseums Hauff. 200 Zuschauer folgten dem Referenten zu Korallen, Haien und Seepferdchen.

Peter Dietrich

Holzmaden. Das gefährlichste, stellte Hettich gleich zu Beginn klar, sind nicht seine Begegnungen mit Haien. „Ich bin Hunderten von Haien begegnet, alles ist noch an mir dran.“ Viel gefährlicher seien die Autofahrten. Sie führen den National Geographic-Fotografen von Freiburg aus quer durch Deutschland, in die Schweiz und darüber hinaus. Was für Vortragsreferent Michael Martin die weltweiten Wüsten sind, das sind für Hettich die Meere. Im Jahr 2005 hatte er die Idee, alle Ozeane der Welt zu besuchen. Von 2006 bis 2010 war er unterwegs. Er schoss mehr als 100 000 Fotos und nahm 250 Stunden Filmmaterial auf.

Hettich wuchs nicht am Meer auf, sondern auf den Schwarzwaldhöhen. Als Junge in der Lederhose sah er jedoch weniger glücklich aus. Wie froh war er, als er mit 13 Jahren die Lederhose gegen eine Taucherausrüstung tauschen konnte. Auf sein erstes Unterwasserbild, entstanden mit der Plastikunterwasserkamera im Schwimm­­becken, ist er bis heute noch stolz.

Von diesem Frühwerk abgesehen, wurden alle faszinierenden Fotos digital aufgenommen. Hettich ist froh über die moderne Technik. Zu Zeiten der Diafilme hätte er nach 36 Bildern auftauchen müssen – gerade dann wären natürlich die dicksten Fische vorbeigeschwommen. Die Ausrüstung für Foto und Film wiegt inklusive Licht 22 Kilogramm. So manches Lebewesen war so klein, dass Hettich es nur mit dem Makroobjektiv aufnehmen konnte. Wie klein, das zeigte erst der Vergleich mit dem Zeigefinger im Bild. Auf dem anderen Ende der Skala ist der Walhai platziert, der bis zu 14 Meter erreichen kann. „Für Menschen ist er völlig harmlos“, betonte Hettich.

Als erste Station ging es zur jährlichen Krabbenwanderung auf der Weihnachtsinsel. Wegen dieser wird sogar die Straße gesperrt. Die Krabben krabbelten über Fotografenfüße, in die Fotoausrüstung und überallhin. Es war ein Erlebnis, als durch die eingespielten Videosequenzen die Krabben und Bilder plötzlich zu laufen begannen. Die Integration von Stand- und Bewegtbildern, beide in Full-HD-Auflösung, war nahtlos. Realisiert hat sie Hettich mit der Software Wings Platinum. Der gute alte Diaprojektor hatte dennoch nicht ganz ausgedient, er lieferte zeitweise das Spotlicht auf den Referenten. Gekonnt wechselte Hettich Passagen mit Live-Kommentar und mit Musik unterlegte Abschnitte ab.

Er ließ die Zuschauer auch an Schwierigkeiten und Enttäuschungen teilhaben. Bis er in Südafrika die Sardinenschwärme vor die Linse bekam, musste er dreimal ins Land reisen. Die 1 000 Kilometer weite Fahrt in Richtung Südpol wurde zur schlimmsten Seefahrt seines Lebens. Schon beim Auf und Ab der Videobilder konnte einem schwindlig werden. „Das waren 20 Sekunden, die Überfahrt dauerte mehr als 50 Stunden.“ Danach musste Hettich feststellen, dass er Ende April zu spät dran war, schon der Winter nahte, und er kaum Aufnahmen machen konnte. Am Nordpol hatte er zum Glück mehr Glück. Zum Südpol will er noch einmal reisen.

Was Hettich in rund 3 000 Tauchstunden noch nie erlebt hat, ist eine Begegnung mit einem Blauwal. Die Tiere sind selten geworden. „Allein in den 1930er-Jahren wurden 30 000 Blauwale geschlachtet.“ Ja, Hettichs Reportage fordert eindringlich zum Schutz der Meere auf. Doch sie tut dies nicht verbissen, sondern mit viel Humor, etwa bei der Vorstellung des schwangeren Pygmäen-Seepferdchens. Es könnte ein Männchen sein, denn Seepferdchen sind da flexibel.

Dass die Quellen im Quallensee von Palau mangels Feinden ihre Giftigkeit verloren haben, war für die Taucher dann doch beruhigend. Weniger beruhigend hingegen war der Anblick des traurig in die Kamera blickenden Eisbären: „Er ist für mich zum Symbol geworden. Wenn es mit dem Klimawandel so weitergeht, wird es in 80 Jahren keine Eisbären mehr geben.“

Gefährlich waren die Tauchgänge bei den Galapagosinseln. Eigentlich müssten die Luftblasen des Tauchers auf dem Foto senkrecht nach oben steigen, doch die starke Strömung trieb sie hinweg. „Diese Strömung kann tödlich sein.“ In der 40-Meilen-Schutzzone rund um die Inseln, in der nicht gefischt werden darf, kommt es leider immer wieder zu Übergriffen. Seine weiteste Reise führte Hettich ins Königreich Tonga im Südpazifik, dort lockten ihn die Wale. „Ihr Gesang erzeugt unter Wasser mehr Schalldruck als ein startender Düsenjet“, erläuterte Hettich. Gegen Ende berichtete er noch von seiner ersten Begegnung mit den Manatis, den Rundschwanzseekühen. „Das war Liebe auf den ersten Blick.“

Auch künftig wird Hettich, der die Weltmeere als „mein persönliches Paradies“ beschreibt, tauchen und fotografieren. Demnächst steht ein Projekt für die Umweltschutzorganisation Greenpeace an. Das Abenteuer Ozean geht weiter.