Im Spannungsfeld zwischen Mobilitätsbedürfnissen und einer autofreien Innenstadt
Hat Kirchheim ein Parkplatzproblem?

Wie viel Fußweg ist zumutbar zum Einkauf oder in die eigenen vier Wände, das ist ein viel diskutiertes Thema. Vertreter von Kirchheims Gemeinderatsfraktionen antworten auf die Frage des Monats: „Hat Kirchheim ein Parkplatzproblem?“

Kirchheim. Für die CDU-Fraktion äußern sich Klaus Buck und Wilfried Veeser wie folgt zur Frage nach einem Parkplatzproblem: „Wo es besteht, sollte die Verwaltung den Bedürfnissen der Bürger nachkommen, für alte Planungsfehler einstehen und unkonventionell helfen. Wohngebiete und die Innenstadt müssen gut mit dem KFZ erreichbar sein. Weder kann man den Wunsch erfüllen, immer direkt vor der Haustüre zu parken, noch ist es hilfreich, an jeder Ecke städteplanerische Ideale zu verfolgen. Die Bewohner etwa im Nägelestal brauchen in angemessener Entfernung größtmögliche Entlastung beim Parken. Und bei den Planungen etwa zur Ortsmitte Ötlingen widerspricht eine Verknappung der Parkmöglichkeiten den Mobilitätsbedürfnissen vieler und führt zu vermehrtem Parksuchverkehr und wildem Parken.“

Für die SPD sagt Andreas Kenner: „Die Frage lässt sich für die Stadt insgesamt nicht mit ja oder nein beantworten. In der Innenstadt gibt es die Tiefgaragen, in denen man günstig parken kann und die nur zu Spitzenzeiten voll sind. Darüber hinaus gibt es Parkplätze im Nanz- und Teck­-Center und auf dem ehemaligen EZA-Gelände. Auch auf dem Ziegelwasen kann geparkt werden. – Ganz anders verhält es sich im Nägelestal, im Paradiesle, in der Ötlinger Halde und in anderen Wohngebieten. Hier gibt es erhebliche Probleme, die man angehen muss. Die SPD-Fraktion wird dazu in der April-Sitzungsrunde den Antrag stellen, dass die Verwaltung das Thema aufgreift und versucht, Lösungen zu finden.“

Für die Freien Wähler teilt deren Vorsitzender Hagen Zweifel mit: „Die Tiefgaragen Kraut- und Schweinemarkt bieten Kunden der Innenstadt die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge abzustellen. Der fünf Minuten entfernte Ziegelwasen ist ein weiteres, leistungsfähiges Angebot. Für viele, die in der Innenstadt arbeiten, sieht es schlechter aus. Die Nutzung der Garagen ist oftmals zu teuer. Das Ausweichen in Wohngebiete wird schwieriger, das Verständnis der Betroffenen nimmt ab. Siedlungsstrukturen wie im ‚Nägelestal‘ erleichtern Bürgern und Besuchern das Abstellen von Pkws ebenfalls nicht. Die Infrastruktur in Großstädten führt zu einem Rückgang der Autos. Das kann auf Kirchheim nicht übertragen werden. Deshalb müssen auch künftig alle stadtverträglichen Gelegenheiten genutzt werden, Parkraum zu schaffen.“

Für die Grünen argumentiert Andreas Schwarz wie folgt: „Die Grünen-Stadtratsfraktion steht für eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt: Mit einer neu gebauten Garage am Schweinemarkt und einer sanierten Krautmarktgarage hat die Stadt zehn Millionen Euro zur Verbesserung der Parksituation investiert. Darüber hinaus gibt es am Ziegelwasen kostenfreie oberirdische Parkplätze. Für viele Radfahrer ist die Innenstadt gut erreichbar, wobei wir weitere Verbesserungen, etwa direkte Radwegverbindungen, Abstellanlagen und Fahrradboxen, für notwendig erachten. Auch der Stadtbus bindet die Innenstadt mit den Teilorten – auch der Halde – und der S-Bahn gut an. Die Situation im Wohngebiet Nägelestal kann durch zusätzliche Parkplätze am Rande des neuen Gewerbegebiets Hegelesberg verbessert werden.“

Bernd Most, Fraktionsvorsitzender der FDP/KIBÜ, betont: „Kirchheim ist eine attraktive Stadt, die immer mehr Besucher (nicht nur mit der S-Bahn) auch aus dem weiteren Umland anzieht. Parkplätze sind daher Mangelware und ein intelligentes Parkplatz-Leitsystem fehlt völlig. Privatwirtschaftliche Parkflächen werden so gut wie nicht einbezogen. In den Wohngebieten verhindert verfehlte Planung zur Beherrschung des ruhenden Verkehrs die optimale Nutzung des öffentlichen Straßenraumes. Das haben wir bei der Erstellung von Bebauungsplänen stets ungehört reklamiert. Ja, wir haben ein Parkplatzproblem, nicht nur ein flächenmäßiges, sondern auch ein organisatorisches. Zu dessen Lösung brauchen wir intelligente Ideen und Vorschläge, um einer weiteren Versiegelung von Grünflächen vorzubeugen.“

Für Birgit Müller von der Frauenliste gilt: „Eigentlich gibt es genug Abstellmöglichkeiten für Autos – nur nicht immer vor dem gewünschten Gebäude! Die Innenstadt ist ja deshalb so attraktiv, weil sie autofrei und trotzdem gut erreichbar ist: zu Fuß und mit dem Rad, mit ÖPNV, von den beiden Tiefgaragen aus, vom Ziegelwasen, von den Parkplätzen bei der KW-Halle und von den Parkplätzen im Nanz- und Teck-Center. Eine Lösung für die Wohngebiete könnte eine vermehrte Nutzung von Carsharing sein, gerade auch im Nägelestal, oder mehr Stellplätze auf dem eigenen Grundstück anzulegen und bestehende zu nutzen. Und was spricht dagegen, dass Eltern in einiger Entfernung von Schulen und Kitas parken, den Rest zu Fuß gehen und damit die Situation dort entschärfen?“

Hans Kiefer von der CIK (Christliche Initiative Kirchheim) meint: „Vorab sei gesagt: Kirchheim hat kein generelles Parkplatzproblem. In der Innenstadt gibt es zwei Parkhäuser. Ausgenommen an Markttagen gibt es immer freie Plätze. In zumutbarer Nähe zur Stadt gibt es gebührenfreie Plätze. Lediglich Kurzzeitparker kommen zu kurz, hier kann die Park-Sanduhr Abhilfe schaffen. In Wohngebieten gibt es teils Probleme: Im Nägelestal wegen Planungsfehlern, andernorts durch Zweckentfremdung der Garagen und weil der Stellplatzschlüssel nicht mehr den Tatsachen entspricht. Mittelfristig sorgt der demografische Wandel vielleicht für Besserung, kurzfristig bedeutet dies unter Umständen, ein paar Meter laufen zu müssen. Der Ruf nach der ‚Öffentlichen Hand‘ ist der falsche Ansatz.“ist