Bissingen. Von einer positiven Grundstimmung geleitet – „Ich freue mich auf die Arbeit mit Ihnen“ – führte Bissingens frischgebackener Bürgermeister Marcel Musolf, 25, am Dienstagabend Bürgervertreter und Zuhörer sicher durch die Unwägbarkeiten der Tagesordnung. Dabei gab es gleich bei Punkt zwei „Situation der Hauptschule
– aktuelle Entwicklung“ für das Gremium alles andere, als Grund zur Freude.
Bereits Anfang März stand für Verwaltung und Gemeinderat fest, dass sich die Bissinger Hauptschule mangels Schüler nicht mehr länger halten lässt. Das Auflösungsszenario sah damals folgendermaßen aus: Da ab dem Herbst keine Kombi-Klasse 5/6 zustande kommt, müssen die jetzigen Fünfer gemäß ihrer Wahl entweder an die Werkrealschule Weilheim oder Dettingen wechseln. Die jetzigen Sechser hätten noch ein Schuljahr mit den jetzigen Siebtklässlern im neuen Schuljahr die Kombinationsklasse 7/8 bilden können. Dies wäre nach den Schülerzahlen vom März möglich gewesen. Nach Ablauf des Schuljahres 2011/12 hätten diese Kinder dann auch die Schule verlassen, denn eine Kombi-Klasse für das darauffolgenden Schuljahr wäre nicht mehr zustande gekommen.
Inzwischen veränderte sich die Situation grundlegend. Wie Bissingens neuer Bürgermeister Marcel Musolf und Schulleiter, Rektor Wolfgang Rose, in jüngster Ratsitzung berichteten, werden Eltern der jetzigen Sechstklässler ihre Kinder bereits für das kommende Schuljahr von der Hauptschule nehmen. Dies bedeutet, dass die angedachte Kombi-Klasse 7/8 nicht mehr gebildet werden kann. „Das bekannte Übergangskonzept kann so nicht aufrecht erhalten werden“, bedauerte Marcel Musolf.
„Völlig überrascht“ von dieser Entwicklung zeigte sich auch Rektor Rose. Die Schule reagierte auf diese neue Herausforderung und erarbeitete eine Alternative, die Wolfgang Rose mit dem Schulamt abstimmte und dem Gemeinderat vorstellte. Demnach wird es ab dem kommenden Schuljahr an der Bissinger Hauptschule keine fünfte, sechste und siebte Klasse mehr geben. Nach einer Klassenpflegschaftssitzung stellte der Schulleiter fest, dass alle Eltern der Siebtklässler ihre Kinder in Bissingen belassen wollen. Damit kann die Schule eine Kombinationsklasse 8/9 bilden und das zweijährige Ausstiegsszenario beibehalten. Das bedeutet aber, dass die Schüler in den Kernfächern Mathe, Englisch und vermutlich auch Deutsch getrennt und in anderen Fächern gemeinsam unterrichtet werden. Sowohl das Lehrerkollegium als auch die Schulbehörde gaben grünes Licht für dieses Vorgehen. Nach dem Motto „Man weiß nie, was noch geschieht“ wollen die Bissinger vorerst keinen formellen Aufhebungsantrag beim Schulamt stellen.
Die finanziellen Auswirkungen der Hauptschulauflösung erläuterte Bürgermeister Musolf. Insgesamt würde die Gemeinde 2012 24 000 Euro weniger aus dem Topf des kommunalen Finanzausgleichs erhalten. Pro Hauptschulkind bekommen die Bissinger vom Land 960 Euro pro Jahr. „Ab 2013 gibt es für die Hauptschule gar keine Finanzmittel mehr“, verdeutlichte Marcel Musolf die finanziellen Einbußen. „Kompensieren können wir die nicht.“ Deshalb schlug Gemeinderat Uli Hoyler vor, bei den Heiz-, Strom-, Wasser- und Reinigungskosten im Schulgebäude zu sparen. Der Bürgermeister versicherte, dass die Verwaltung den Schulstandort genau unter die Lupe nehmen werde, um zu sehen, wo noch eingespart werden könne.
Der Gemeinderat nahm die Berichte zur Kenntnis und bedauerte die drastische Veränderung der Bissinger Bildungslandschaft. Allein auf- grund der rückläufigen Schülerzahlen sah er sich außerstande, die Entwicklung aufzuhalten.
