Straßenumfrage: Wie zufrieden sind die Notzinger mit der Einkaufssituation vor Ort?
„Hier hat man Zeit für ein Schwätzle“

Die Einkaufssituation im Ort ist das Gesprächsthema, seitdem bekannt geworden ist, dass das „Notzinger Lädle“ zum Juli einen neuen Pächter sucht. Der Teckbote hat mit Passanten über die Bedeutung des Lädles und den geplanten Supermarkt im Gewerbegebiet gesprochen.

Kirchheim. Nicole Kautter ist mit der Einkaufssituation in Notzingen nicht zufrieden. „Im „Lädle“ kaufe ich nur ein, wenn ich im Supermarkt etwas vergessen habe. Ich bekomme hier einfach nicht alles, was ich für meine Familie brauche“, sagt sie. Allerdings gibt es andere Geschäfte in Notzingen, die sie regelmäßig aufsucht: Den Bäcker, den Metzger sowie „Kraut und Rüben“. „Für mich wäre es praktisch, wenn ein Supermarkt aufmachen würde“, sagt Nicole Kautter. Für andere sei ein Geschäft im Ortskern wichtiger. Die Notzingerin denkt da vor allem an Ältere, die nicht mehr so mobil sind.

Lieselotte Jugel würde das Lädle vermissen. Sie hofft sehr, dass ein neuer Pächter gefunden wird. „Ich kaufe alles hier ein. Ich bin auf diesen Laden angewiesen“, sagt die Notzingerin. Ein Supermarkt würde ihr nichts nützen, sagt sie. „Da komme ich ohne Auto nicht hin“.

Auch Franz und Waltraud Wiedenmann, die gerade auf dem Weg zum Wocheneinkauf sind, finden es traurig, dass die Betreiberin des „Notzinger Lädles“ aufgibt. „Wir kaufen zwar auch in Kirchheim ein, aber immer donnerstags kommen wir hierher“, sagt Waltraud Wiedenmann. Einen Vorteil sieht das Ehepaar darin, dass der Laden zentral gelegen und deshalb zu Fuß erreichbar ist. Mit der Einkaufssituation insgesamt sind Franz und Waltraud Wiedenmann zufrieden – noch.

Jeanette Röhm, Bäckereifachverkäuferin bei „Goll“, glaubt, dass sich die Einkaufssituation für die Älteren verschlechtert, wenn für das Lädle kein neuer Pächter gefunden wird. „Hier hat man auch noch Zeit für ein Schwätzle. Beim Discounter an der Kasse ist das nicht drin“, sagt die Weilheimerin. Für die Jüngeren sei der Laden nicht so attraktiv, hat Jeanette Röhm beobachtet: „Die kommen nur, wenn sie was vergessen haben“. Sie selbst erledigt ihren Wocheneinkauf auch nicht im „Lädle“. „Aber wenn ich mal was brauche, werde ich hier sofort bedient. Das ist ein Riesenvorteil“, sagt sie. Jeanette Röhm glaubt nicht, dass es ein Nachteil für die Bäckerei Goll wäre, wenn der Laden eine Weile leer stünde. „Wir sind ja fast die einzige Bäckerei im Ort“. Seit Bernauer zugemacht habe, sei ihre Kundschaft deutlich gewachsen. „An einem Samstag sind wir mal richtig überrollt worden“, erinnert sie sich.

Für Brigitte Seule ist das Notzinger Lädle mit seinem Bäcker und seinem Metzger auch ein sozialer Treffpunkt. „Donnerstags bin ich hier immer mit einer Dame vom Betreuten Wohnen auf einen Kaffee verabredet“, sagt sie. Gerade für die Älteren sei ein Laden im Ort sehr wichtig. „Es wäre schön, wenn ein neuer Pächter gefunden werden würde“, sagt sie.

„Ich kaufe im „Lädle“ nicht so viel ein. Nur, wenn wir beim Großeinkauf etwas vergessen haben“, sagt Helen Ruff. Beim Metzger und Bäcker schaut sie dagegen öfter mal vorbei. „Ich finde nicht, dass in Notzingen etwas fehlt“, sagt sie. Wenn man Obst und Gemüse brauche, könne man bei „Kraut und Rüben“ einkaufen. „Und nach Kirchheim ist es auch nicht weit“.