KVJS-Bericht zur Entwicklung erzieherischer Hilfen – Landkreis Esslingen ist gut aufgestellt
Hilfen zur Erziehung erhalten gutes Zeugnis

Dr. Ulrich Bürger vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) hat dem Kreis Esslingen bei den erzieherischen Hilfen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Es bestehe aber kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, erklärte Bürger.

Kreis Esslingen. Die in einem Vierjahreszyklus angelegte KVJS-Berichterstattung beleuchtet die Zuständigkeitsbereiche der 46 Jugendämter in den 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs. „Die beobachtete Entwicklung im Zeitraum von 2006 bis 2012 macht deutlich, dass sich die Jugendhilfe im Landkreis Esslingen den Zukunftsaufgaben im Bereich der erzieherischen Hilfen in sehr guter Weise stellt“, erklärte Dr. Ulrich Bürger im Jugendhilfeausschuss des Kreistags.

Die Kosten pro Jugendlichem für die Summe aller Hilfen hat sich im Landkreis während dieses Zeitraums um 17,6 Prozent erhöht. In absolute Zahlen umgerechnet bedeutet das: Pro Bürger unter 21 Jahren hat der Landkreis Esslingen im Jahr 2012 ungefähr 273 Euro für Kinder- und Jugendhilfe ausgegeben. Damit liegt der Landkreis laut Bericht sehr nahe am Mittelwert aller Landkreise, der mit 269 Euro beziffert wird.

Dieser Ausgabenanstieg steht Bürger zufolge im Zusammenhang mit den veränderten Rahmenbedingungen des Aufwachsens junger Menschen: Immer mehr Paare trennen sich. Stecken die Eltern selbst in der Krise, sind sie bei Problemen ihrer Kinder mitunter überfordert und sind auf Hilfen zur Erziehung angewiesen. Die Fallzahlen der erzieherischen Hilfen nehmen daher deutschland­weit zu. Entgegen dem Trend verzeichnete der Landkreis in den ­vergangenen Jahren sowohl bei den nicht-stationären als auch bei den stationären Hilfen jedoch rückläufige Fallzahlen. „Eine untypische, jedoch keineswegs zufällige Entwicklung“, stellte Bürger fest. Als einen der Hauptgründe hierfür nannte er „die im Landkreis über die Jahre gewachsene Hilfestruktur in den Sozialräumen“. Im nicht-stationären Bereich war diese Entwicklung durch eine konzeptionelle Stärkung der Angebote gekennzeichnet: Die Hilfearten „Soziale Gruppenarbeit“ und „Erziehung in einer Tagesgruppe“ wurden weiterentwickelt zu „Flexiblen Hilfen“, die passgenauer und damit wirksamer sind. Individuell auf den Bedarf der Familien zugeschnitten umfassen sie Elternarbeit, Gruppenarbeit, Einzelförderung und sozialraumorientierte Arbeit. Das Angebot umfasst darüber hinaus viele Arten ambulanter Hilfen wie etwa Betreuungshelfer und Erziehungsberatung, reicht über teilstationäre Angebote wie Tagesgruppen bis hin zur stationären Unterbringung bei Pflegefamilien oder im Heim.

Bezogen auf die offene, verbandliche und mobile Jugendarbeit zeigt der Landkreis eines der stärksten Profile des Bundeslandes. „Dies verweist auf das starke Engagement der Städte und Gemeinden für ihre jungen Einwohner“, erklärte Bürger. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Brüchigkeit familiärer Strukturen sei es jedoch keineswegs sicher, dass die bisherige im Bundesländervergleich niedrige Inanspruchnahme der Hilfen zur Erziehung weiterhin Bestand haben werde. „Gerade deshalb wird es von entscheidender Bedeutung sein, die bisher gut funktionierende Kinder- und Jugendhilfe gut abzusichern und rechtzeitig dort nachzubessern, wo sich Schwachstellen abzeichnen“, mahnte Bürger. Handlungsbedarf sieht er aufgrund der Analyse des Landkreises einerseits bei der personellen Ausstattung der Sozialen Dienste, andererseits in der weiteren Stärkung der sozialpädagogischen Familienhilfe, deren Bedeutung in Zukunft zunehmen wird.

Landrat Heinz Eininger wertete den KVJS-Bericht als Bestätigung der Weiterentwicklung und Angebotsgestaltung der Jugendhilfe im Landkreis. Es sei „nicht unumstritten“ gewesen, elf Erziehungshilfestationen im Kreis einzurichten. „Dass sich die enge Zusammenarbeit von Kreisjugendamt, dem Amt für Soziale Dienste, der Psychologischen Beratung und der freien Träger nun auszahlt, ist sehr erfreulich.“ Die Verwaltung beabsichtige, die Empfehlungen der Analyse im Rahmen der diesjährigen Stellenplangespräche aufzugreifen.

Der Bericht wurde fraktionsübergreifend positiv aufgenommen. Frank Buß von den Freien Wählern betonte, man müsse ein Auge auf den besonderen Hilfebedarf von Kindern und Jugendlichen in Patchwork-Familien haben. Nicolas Fink, SPD-Sprecher des Ausschusses, benannte die Bekämpfung von Armut und sozialer Benachteiligung als wichtige Aufgabe. „Vernetztes Arbeiten und Handeln zeigt Wirkung, wie wir sehen“, erklärte er optimistisch.