Dettingen. Was waren das noch für Zeiten, als die Super-8-Filmrolle drei Minuten lang war und 17 Mark kostete. Sie sind längst vorbei, die 46
Beiträge beim zweitägigen 79. Landesfilmfestival kamen auf DVD, Blu-Ray Disc oder Mini-DV-Kassette daher. Beachtliche Qualität traf auf eine strenge sechsköpfige Jury.
Bevor es ein Film auf das Landesfestival schafft, wurde bereits ordentlich gesiebt. Zum einen haben alle Produktionen eines der fünf Regionalfestivals passiert, zum anderen schicken die Filmclubs nur ihre besseren Produktionen auf diese Regionalfestivals. 20 Minuten Länge ist die Obergrenze – braucht ein Filmamateur länger, um seine Geschichte zu erzählen, muss er dies schriftlich begründen. Aber auch ein Filmclip von nur einer Minute kann attraktiv sein, wenn Idee und Ausführung stimmen. Mancher Film verlässt ein Regionalfestival nicht nur mit Auszeichnung, sondern auch mit Empfehlungen der dortigen Jury. Wo lassen sich Längen schneiden, wo täte der Sprecherstimme ein Wechsel gut? Was die Besucher des Landesfestivals zu sehen bekamen, war also manchmal bereits ein verbessertes Update eines Films.
Ausrichter des 79. Landesfilmfestivals in der Schlossberghalle war der Film Club Teck (FCT), er erwies sich als sehr guter Organisator. Immer nach zwei Filmblöcken, also zusammen rund einem Dutzend Produktionen, kam die Jury zur öffentlichen Diskussion zusammen. Die Jury stellt viele Fragen, wie deren Leiter Konrad Neumann aus Tettnang erläuterte: „Was will der Autor erzählen? Wie bringt er es rüber? Kann er mich gefangen nehmen? Hat er die richtigen Mittel verwendet, viele Großaufnahmen eingebaut?“ Was Hitchcock gesagt habe, dass „Story vor Bild“ gehe, gelte noch immer, sagt Neumann, der sich seit 35 Jahren intensiv mit Filmen beschäftigt.
Viele tolle Einzelaufnahmen machen noch keinen guten Film. Das musste sich Jürgen Bergmann von der Filmgruppe Ortenau sagen lassen, der in seiner zwölfminütigen Produktion „Begegnungen in der Ortenau“ grandiose, mit unglaublicher Geduld eingefangene Tieraufnahmen versammelt hatte. Sie wurden in der Jurydiskussion eingehend gewürdigt. „Man muss das Ganze strukturieren“, kritisierte die Jury dennoch. Einhelliges Lob gab es hingegen für die neunminütige Dokumentation „Wasser für die Mädchen“. In ihr hielt FCT-Mitglied Karl-Heinz Kosmalla die Restaurierung des Oberlenninger Marktplatzbrunnens durch die ehrenamtlichen Herren von „Rat und Tat“ fest. „Es ist kein super fetziges Thema, aber ich habe das gerne verfolgt“, lobte Jurymitglied Eva Schulmeyer aus Ludwigsburg. Der Film habe sehr schöne Einstellungen, sei „eine ganz runde Geschichte“.
Bei den Juroren und in der parallelen Publikumswertung gleichermaßen gut kam der 16-minütige Naturfilm „In den Wäldern von Finnisch Karelien“ an. Christl und Erich Herold vom Filmclub Singen-Radolfzell berichten von ihrer Begegnung mit frei lebenden Bären. Beeindruckend die Originalgeräusche der kämpfenden Bären, gut eingestreut die Informationen über die Kraftpakete des Waldes. Wäre dem Film eine zumindest teilweise Musikuntermalung bekommen? Dazu gab es in der Jury verschiedene Meinungen.
Gelobt wurde auch die dezente Kameraarbeit von Rainer Liebold vom FACE Film-Amateur-Club Esslingen. Sein 20-minütiges Porträt einer Künstlerin mit dem Titel „Bross 2013“ ist raffiniert auf zwei Zeitebenen geschnitten. Der Zuschauer beobachtet das Entstehen eines Porträtbildes, vom ersten Pinselstrich bis zur Fertigstellung, darin sind viele Informationen zum Werdegang der Künstlerin eingebettet.
Dies alles sind nur einige Beispiele des vielseitigen, gelungenen Filmschaffens. Doch nicht für alle Produktionen gab es so viel Lob. Bei anderen vermissten die Juroren Großaufnahmen, kritisierten die langen Brennweiten, das Beobachten aus der Ferne. Auch allzu beschreibende Texte fanden nicht ihr Wohlwollen. Der Zuschauer soll nicht das zu hören bekommen, was er ohnehin selbst sehen kann. Auch unnötige Effekte stießen auf Kritik. Es war allerdings, das muss deutlich gesagt werden, eine Kritik auf hohem Niveau.
Diese konnten sich viele Autoren direkt anhören, rund die Hälfte war zum Landesfilmfestival angereist. Andere Filmfreunde kamen ohne eigene Produktion, waren nur auf die Werke der anderen Amateurfilmer neugierig. „Bei uns steht die Geschichte im Vordergrund“, beschrieb FCT-Leiter Helmut Kohlhammer das Vorgehen der Filmer ebenfalls im Einklang mit Hitchcock. Wer beim Landesfilmfestival erfolgreich sei, dem winke, nach Kategorien getrennt, eine Teilnahme am Bundeswettbewerb. „Die Probleme sind dieselben, doch die Filmsprache ist heute ausführlicher“, blickte Jurychef Neumann auf Jahrzehnte des Filmschaffens zurück. Wer früher mit kurzen und teuren Filmrollen gearbeitet habe, der habe das Schneiden gelernt. „Die machen noch heute kurze, knackige Filme.“
Was ist mit der digitalen Spiegelreflexkamera, die heute oft ebenfalls eine Videofunktion mitbringt? Sie sei noch nicht vertreten, sagte Kohlhammer, auch wenn im FCT eine kleine Fotogruppe in dieser Richtung arbeite. Die Fotografen, die für sich das Filmen entdecken, seien noch ein zartes Pflänzchen. „Irgendwann werden wir uns mal treffen“, ist er überzeugt.
