Geschäftsstelle des Landesverbands der Klein- und Obstbrenner jetzt in Owen
Hochprozentiges für die Artenvielfalt

Dank der vielen Obstbäume im Südwesten gibt es im Ländle seit Generationen zahlreiche Brenner. Deren neues Anlaufziel ist seit diesem Jahr Owen, denn die Geschäftsstelle der Klein- und Obstbrenner Nord-Württemberg ist von Weinstadt unter die Teck gezogen.

Owen. Nicht nur Mosttrinker sind Naturschützer, auch wer zu edlen Destillaten der heimischen Klein- und Obstbrenner greift, trägt zum Erhalt der Streuobstwiesen bei. Die Qualität der hochprozentigen Flüssigkeit steigt ständig, wie die zahlreichen Auszeichnungen mit Gold- und Silberplaketten bei der jüngsten Prämierung in Schanbach auf dem Schurwald im vergangenen Sommer belegen. „Von den über 2 000 Proben wurden 80 Prozent mit Silber und Gold ausgezeichnet“, erklärt Brigitte Steinwender, die sich gemeinsam mit Klaus Fissler die Aufgaben der Geschäftsstelle seit Anfang dieses Jahres in Owen teilt. Die Prämierung wird künftig die größte Aufgabe sein, die sie im Laufe eines Geschäftsjahres zu stemmen haben.

Beide stehen schon seit längerer Zeit regelmäßig mit den Württemberger Kleinbrennern im beruflichen Kontakt. Klaus Fissler entwickelte als IT-Partner des Landesverbands die Software für die Prämierung und die Mitgliederverwaltung und Brigitte Steinwender ist freiberuflich als Koordinatorin bei den Landfrauen im Projekt „Botschafterinnen für Agrarprodukte aus der Region“ tätig. So ergaben sich auch bei ihr auf Messen oder anderen Events immer wieder Schnittstellen mit den Destillatherstellern. Darüber hinaus kennt sich die Landwirtstochter und Streuobstwiesenbesitzerin auch in der Praxis bestens mit dem Thema aus. Zum Wechsel kam es, als Sybille Hackbarth in den Ruhestand trat und die Delegierten des Landesverbands den beiden Owenern die Aufgabe übertrug. „Wir können hier in unserem Büro alle Arbeiten für die Mitglieder erledigen. Mit dem Umzug von Strümpfelbach nach Owen können wir uns den Anfahrtsweg sparen. Ich brauch nur eine Treppe höher gehen“, begründet Klaus Fissler den Ortswechsel der Geschäftsstelle. Er kümmert sich um Technik und Homepage samt Buchhaltung und Pressearbeit, während Brigitte Steinwender für Mitgliederbetreuung und Veranstaltungsorganisation zuständig ist.

Die beiden sind Ansprechpartner für sämtliche Belange der Mitglieder. Dabei geht es beispielsweise um die Frage des Brennrechts, etwa, ob es verkäuflich ist. Dies ist der Fall – so sich denn ein Interessent findet. Wegen der SEPA-Umstellung ist der Rat der Geschäftsstelle im Moment sehr gefragt, denn jeder Brennvorgang muss in einem Dokument festgehalten sein. „Seit vergangenem Sommer haben wir 25 000 Formulare rausgegeben“, nennt Klaus Fissler eine stolze Zahl. Übers Internet lässt es sich zwar herunterladen, doch die überwiegende Mehrheit der Kleinbrenner schätzt die Papierform.

Zur Aufgabe der Geschäftsstelle gehört es auch, Fachseminare zu organisieren. So geht es beispielsweise nächste Woche in Sulzbach an der Murr morgens um die Vorbereitung einer Destillatprobe und nachmittags um die Likörbereitung aus Früchten. Die Organisation der Lehrfahrt zählt ebenfalls dazu. Heuer geht es Anfang Juli in die Schweiz. Dabei wollen die schwäbischen Brenner von ihren eidgenössischen Kollegen erfahren, wie sie sich für den Wegfall des Branntweinmonopols in der EU ab 2018 rüsten. Bis dahin garantiert der deutsche Staat den heimischen Betrieben die Abnahme des Alkohols zu einem bestimmten Preis. Außerdem ist die Erzeugung wegen der Kontingente beschränkt. „Für viele Brenner wird es schwierig. Wir rechnen damit, dass es ein Drittel weniger Betriebe geben wird. Vor allem für die, die nicht selbst vermarkten, wird es kritisch“, befürchtet Brigitte Steinwender. Diese Brenner konnten bislang an Großabnehmer verkaufen, die den Alkohol zum Beispiel für Kosmetikartikel, Reinigungsmittel oder in der industriellen Likörproduktion verwenden. „Manche Kleinbrenner glauben immer noch nicht so recht daran, dass das Monopol tatsächlich fällt. Doch derzeit wird fieberhaft nach Lösungen gesucht“, weiß Brigitte Steinwender um die Problematik. Angedacht sind die Produktion edler Essigsorten, Partnerschaften mit dem Lebensmittelgroßhandel – oder auch die Wodkaherstellung, denn nach dreimaligem Brennen ist auch vom tollsten Birnenaroma im Destillat nichts mehr zu riechen. „Sollte es keine Absatzmöglichkeiten geben, werden die Folgen spätestens in fünf Jahren sichtbar sein. Ohne finanziellen Ertrag werden viele Streuobstwiesenbesitzer ihre Bäume und Grundstücke nicht mehr pflegen. Unsere Kulturlandwirtschaft wird sich verändern“, befürchtet Brigitte Steinwender.

Deshalb gilt es, ordentlich die Werbetrommel zu rühren, etwa bei der Grünen Woche in Berlin oder anderen Messen. Unterstützt werden die Owener dabei auch von der Destillatkönigin. Die wird alle zwei Jahre gewählt und „dass es dem Mädel gut geht“, dafür haben die zwei von der Geschäftsstelle ebenfalls zu sorgen.

Die stressigste Zeit haben sie gerade hinter sich, denn im Februar sind sie auf Hauptversammlungstournee. Dort treffen sie rund 1 000 Mitglieder im gesamten Verbandsgebiet, was der Hälfte der Mitglieder entspricht. In Weilheim kommt beispielsweise die Kreisversammlung der Landkreise Esslingen und Göppingen zusammen. Jeweils ein Tagesordnungspunkt ist das Fachreferat, bei dem es etwa um Steuerrecht, das Einmaischen oder die Brenngerätereinigung geht. Die Organisation der Referenten ist ebenfalls Aufgabe der Geschäftsstelle. „Die Versammlung ist für die Mitglieder die Gelegenheit, Formulare, Verbandsgläser oder Flyer abzuholen“, erklärt Klaus Fissler. Druckfrisch liegt seit Februar auch die Broschüre „Edelbrand-Cocktails – Mehr Regionales im Glas“ vor. „Magic Mirabelle“, „Zwetschgen Nebroni“, „Schwarzwald Colada“, „Rhabarber Fizz“ oder „Hops, der Bär“ warten darauf, gerührt oder geschüttelt zu werden.

Die Geschäftsstelle der Klein- und Obstbrenner Nord-Württemberg befindet sich im Veronikaweg 13 in Owen. Bürozeit ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr, Besuche sind nur nach Anmeldung möglich, Telefon 0 70 21/95 94 86, oder E-Mail an info@Kleinbrenner-Verband.de.